Musikerin Claudia Große spricht im Interview über die Konzertreihe für Kinder „Große Musik für kleine Ohren“ und den Charme der Musik.
Kinderkonzerte in Rhein-ErftIdeengeberin im Interview: „Musik erreicht Menschen unmittelbar“

Claudia Große im Kreuzgang der Abtei Brauweiler. Sie ist sehr froh darüber, dass die Konzerte auch in ihrem Heimatort stattfinden.
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Claudia Große ist in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Sie hat Musik studiert – im Hauptfach Klavier – und arbeitet als Klavierlehrerin. Im Gespräch mit Maria Machnik erzählt die 55-jährige Ideengeberin von „Große Musik für kleine Ohren“, wie es gelungen ist, Partner von dem Konzept zu überzeugen und wie Kinder und Erwachsene auf die Konzerte reagieren.
Frau Große, Sie beziehungsweise der Verein haben die Konzertreihe „Große Musik für kleine Ohren“ vor zweieinhalb Jahren ins Leben gerufen – mit welchem Ziel?
Das ist im Grunde sehr einfach: Musik gehört zu den wunderbarsten Dingen des Universums. Sie zu erleben, öffnet das Bewusstsein, berührt die Sinne. Wir möchten die Kinder an diese reichhaltige Welt heranführen – verbunden mit ganz viel Theaterzauber. Live ist das am unmittelbarsten. Und je früher, desto besser. Kinder sind unvoreingenommen und öffnen sich ganz leicht. Musik fördert Kreativität, das gemeinsame Erleben in einem Konzert wiederum ist ein soziales Ereignis, das verbindet und besonders haften bleibt. Und natürlich sollen die Kinder die unterschiedlichsten Instrumente und Musikgenres kennenlernen.
Wer sucht die Stücke und die Künstlerinnen und Künstler beziehungsweise die Ensembles aus?
Die künstlerische Leitung liegt in meinen Händen, aber natürlich habe ich Musikerkollegen, die mich beraten. Bereits seit 2008 betreibe ich eine Künstleragentur, und Kinderkonzertformate waren für mich bald eine Herzensangelegenheit. Ich vertrat großartige Ensembles – vom Barockensemble übers Streichquartett bis zur Jazzband –, die auch Kinderkonzerte entwickelten, unter anderem für die Kölner Philharmonie. Für den Start der Reihe gab es daher schon einen Pool an Ensembles und Stücken. Inzwischen bewerben sich auch Musiker bei uns, die wir einladen, wenn wir das Projekt gut finden. Wichtig ist uns die Vielfalt: verschiedene Instrumente, verschiedene Stile – also die „klassische“ Musik in ihrer ganzen Bandbreite bis hin zu Klezmer, Jazz ...
Der Verein kooperiert mit Partnern, darunter Städte, Kirchengemeinden und andere Institutionen. War es schwierig, sie von dem Konzept zu überzeugen?
Überhaupt nicht, was mich tatsächlich überraschte und wahnsinnig freute. Vor allem die Kulturämter der Städte waren – bis auf wenige Ausnahmen – sofort Feuer und Flamme. Dort passiert natürlich schon einiges für junge Menschen. Unser Angebot ist aber noch einmal etwas Besonderes: Konzerte speziell für die Kleinen und zu moderaten Preisen. Das wäre in dieser Form ohne Fördermittel kaum möglich. Die Partner stellen die Infrastruktur zur Verfügung, wir kümmern uns um Gagen und große Teile des Marketings und entlasten somit Städte und Vereine. Und wir konnten sehr schnell eine Reihe aufbauen mit bis zu zehn Spielorten pro Tour. Das ist für alle eine Win-win-Situation.

Claudia Große (2.v.l.) bedankt sich nach dem Konzert „Das Schleichhörnchen und der Drumpfmumpf“ beim Publikum und dem Ensemble mit Christiane Willms (rechts) und dem Klezmer-Ensemble crazy freilach im Löhrerhof in Hürth. Das Ensemble von links: Daniel Hessel, Emma Fridman, Jeannine Engelen, Julian Hilgert und Simon Boos,
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Die Gagen deckt der Verein durch Einnahmen und Fördermittel. Reicht die Summe – rund 120.000 Euro – aus, um kostendeckend arbeiten zu können?
Ja natürlich, dafür haben wir detaillierte Finanzierungspläne. Gott sei Dank hat es von Anfang an geklappt, dass wir die geplanten Besucherzahlen erreichten – sogar einige mehr –, sodass wir nicht ins Minus gerieten. Von Fördermitteln, Eintrittsgeldern und Spenden werden natürlich zuerst die Ensembles adäquat bezahlt. Aber auch Organisation, Plakatdruck, GEMA-Gebühren, Künstlersozialabgabe und etliches mehr müssen finanziert werden. Vieles passiert ehrenamtlich. Und natürlich wollen wir die Finanzierung auf mehrere Säulen stellen, denn Fördermittel sind nie ganz sicher. Deshalb sind neue Mitglieder, Spenden und Sponsoring für uns zunehmend wichtig.
Was kann Musik Ihrer Erfahrung nach bewirken, das Worte oder andere Angebote oft nicht schaffen?
Musik erreicht Menschen unmittelbar. Sie ist universell, verbindet und kann Gefühle auslösen, für die man manchmal keine Worte hat. Gerade Kinder öffnen sich ihr ganz intuitiv. Unsere Konzerte kommen natürlich trotzdem nicht ohne Worte aus. Die Musik ist immer in eine Geschichte eingebettet, der die Kinder folgen können. Mitmachen ist oberstes Gebot: Die Kinder lösen Rätsel, singen, tanzen oder probieren Instrumente aus. Sie hören die Musik also nicht nur, sondern erleben sie selbst. Und genau dadurch bleibt sie ihnen in besonderer Erinnerung.
Die Konzertreihen finden großen Anklang. Haben Sie damit gerechnet?
Das habe ich natürlich gehofft. Auch war mir klar, dass es nicht viele solcher Angebote in der Peripherie von Köln, Düsseldorf und Bonn gibt. Aber mit diesem Besucherstrom und der Begeisterung hatten wir nicht gerechnet. Mancherorts sind die Konzerte Wochen vorher ausgebucht. Besonders gefreut hat mich, dass die Konzerte bei Kitas, Schulen und auch Förderschulen auf große Resonanz stoßen – was nicht zuletzt dem Engagement der Partner vor Ort zu verdanken ist, die Kitas und Schulen gezielt anschreiben.
Hat es Reaktionen von Kindern, Eltern oder Einrichtungen gegeben, die Ihnen gezeigt haben: Genau dafür lohnt sich dieses Engagement?
Ja, ständig, bei jedem Konzert. Immer wieder höre ich: „Das hat hier gefehlt. Toll, dass es das nun vor unserer Haustür gibt.“ Wir bekommen viele E-Mails von Eltern, Großeltern und Kitas, die uns danken und spiegeln: Das Konzert hat Eindruck hinterlassen, leuchtende Kinderaugen hervorgebracht. Das ist unglaublich motivierend, weiterzumachen.
Haben Sie einen Traum, den Sie mit dem Projekt verwirklichen möchten – etwa einen Wunsch-Aufführungsort, ein Ensemble oder ein Stück?
Am liebsten würde ich das, was wir nun in unserer Region, also im Rhein-Erft-Kreis und ein bisschen darüber hinaus, machen, auch an vielen anderen Orten anbieten. Aber dazu müsste ich mich zerteilen. Dennoch schauen wir weiter nach neuen Kooperationspartnern. Dafür sind wir sehr offen. Bei den Stücken gibt es Ideen über Ideen. 2027 wird es zwei Projekte geben, die von den jeweiligen Ensembles extra für unseren Verein konzipiert werden. Und eine sehr leise Idee gibt es auch: Ich setze mich selbst ans Klavier bei einem mit Kollegen konzipierten Projekt. Mal sehen, das ist noch Zukunftsmusik …
Wollen Sie das Projekt eventuell ausweiten und Produktionen auch für ältere Kinder anbieten?
Ja, unbedingt. Genau das werde ich nach den Konzerten häufig gefragt: Gibt es auch etwas für ältere Kinder? Entweder wachsen die Kinder bald aus dem Zielalter heraus oder es gibt ältere Geschwister. Daher machen wir 2027 erstmals ein Projekt für Kinder ab fünf Jahren, das auch für die 5. und 6. Klassen geeignet ist: ein kindgerechter Einblick in Beethovens Leben und Schaffen zu seinem 200. Todestag.
Die nächste Staffel startet im Oktober. Worauf darf sich das Publikum freuen?
Da gibt es Trommeln – das hatten wir noch nicht. Wegen unseres Anspruchs an Vielfalt hielt ich in Musikerkreisen Ausschau und stieß auf den Verein mini.musik, der Ähnliches im Sinn hat wie wir und eigene Stücke konzipiert. Bei „Anatol, der Trommeltroll“ stehen auch Marimbaphon und Vibraphon auf der Bühne. Es gibt tolle Musik und eine Geschichte, bei der die Kinder mitmachen dürfen: Sie helfen dabei, dem Trommeltroll, der die Töne der Schlagzeuger verspeist, diese wieder zu entlocken. Es wird vor allem sehr lustig.
Anatol, der Trommeltroll – die Termine
Sonntag, 4. Oktober, 11 Uhr – Familienkonzert: Pulheim, Theater im Walzwerk Pulheim, Rommerskirchener Straße 21, Atelier 10
Sonntag, 4. Oktober, 16 Uhr – Familienkonzert: Wesseling, Rheinforum, Kölner Straße 42, 50389 Wesseling
Dienstag, 6. Oktober, 17 Uhr – Familienkonzert: Erftstadt: Gottfried-Kinkel-Realschule, Jahnstraße 1
Mittwoch, 7. Oktober, 10.30 Uhr – Für Kitas, Schulen und Familien: Elsdorf, Bürgerhaus Neu-Etzweiler, Irisweg 101
Donnerstag, 8. Oktober, 10.30 Uhr – Für Kitas, Schulen und Familien: Brauweiler, Kaisersaal der Abtei, Ehrenfriedstraße 19
Samstag, 10. Oktober, 15 Uhr – Familienkonzert: Frechen, Stadtsaal Frechen, Kolpingplatz 1
Sonntag, 11. Oktober, 11 Uhr – Familienkonzert: Kerpen, Mehrzweckhalle Blatzheim, Kunibertusstraße 59, 50171 Kerpen-Blatzheim
Der Eintrittspreis beträgt 6 Euro pro Person bei Familienkonzerten, bei Kitakonzerten sind es 5 Euro. Gegebenenfalls kommt eine Vorverkaufsgebühr dazu. Die Betreuerinnen und Betreuer der Kinder haben freien Eintritt. Informationen gibt es im Internet. Hinweise zum Programm sind ebenfalls im Internet verfügbar. (mma)

