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Golland zeigt sich besorgtCDU-Politiker aus Brühl fordert Einführung einer PS-Grenze für Fahranfänger

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PS-starke Autos, hohe Geschwindigkeit und Fahranfänger: Diese Kombination führt immer wieder zu gefährlichen Situationen auf den Straßen.

PS-starke Autos, hohe Geschwindigkeit und Fahranfänger: Diese Kombination führt immer wieder zu gefährlichen Situationen auf den Straßen.

Die gehäuften Unfälle mit PS-starken Autos führt er darauf zurück, dass  Fahrer den Kick zu suchten. Der ADAC mahnt an zu differenzieren.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Gregor Golland spricht sich für eine Einführung einer PS-Grenze für Fahranfänger aus. Die Häufung der zum Teil tödlichen Unfälle aufgrund überhöhter Geschwindigkeit mit PS-starken Autos ist nach Ansicht des Politikers aus Brühl oftmals darauf zurückzuführen, dass es den meist männlichen Fahrern darum gehe, sich zu profilieren und den Kick zu suchen, bedauerlicherweise auf Kosten unbeteiligter Verkehrsteilnehmer.

Golland fordert im Gespräch mit dieser Redaktion zudem, dass tödliche Unfälle bei illegalen Autorennen grundsätzlich als Mord oder Totschlag gewertet werden, wenn die Unfallverursacher einen tödlichen Ausgang billigend in Kauf nehmen würden. Zudem solle ihnen konsequent der Führerschein entzogen werden – möglich seien sechs Monate bis fünf Jahre oder dauerhaft – und die Einziehung des Fahrzeugs. „Es muss weh tun und abschrecken“, sagt der 51-jährige stellvertretende CDU-Vorsitzende der Landtagsfraktion.

Wesseling, Wuppertal, Monheim: Die Fälle ähneln sich

Meldungen über Unfälle mit hochmotorisierten Sportwagen gehören für die Polizeidienststellen mittlerweile fast zur Tagesordnung. Nicht selten ist von illegalen Autorennen die Rede. Auch in den Gerichtssälen häufen sich die Fälle. So müssen sich in Köln seit Februar 2026 zwei ehemalige Nachwuchsspieler der 1. FC Köln wegen eines Unfalls auf der A555 bei Wesseling verantworten, bei dem im Dezember 2023 zwei Frauen ums Leben gekommen waren. Ihnen drohen lange Haftstrafen, falls das Gericht zu der Überzeugung gelangt, dass sich die beiden Fahrer zu einem illegalen Rennen mit ihren Wagen verabredet hatten.

In Wuppertal ist ein 25-Jähriger wegen Mordes angeklagt. Er soll 2025 in Remscheid eine 19-Jährige überfahren haben – sie überlebte nicht. Sie und eine Freundin wurden von dem PS-Boliden erfasst und durch die Luft geschleudert, als der Fahrer seinen Wagen driften lassen wollte – und die Kontrolle darüber verlor. Ein Sachverständiger sagte im Verfahren aus, er habe statt der zugelassenen rund 640 PS auf dem Prüfstand eine Leistung von 727 PS gemessen.

Zwei Frauen, eine Mutter mit ihrer erwachsenen Tochter, starben im Dezember 2023 bei dem Unfall auf der A555 bei Wesseling.

Zwei Frauen, eine Mutter mit ihrer erwachsenen Tochter, starben im Dezember 2023 bei dem Unfall auf der A555 bei Wesseling.

Vor Gericht wird sich auch ein 18-Jähriger verantworten müssen. Drei seiner jugendlichen Freunde bezahlten ebenfalls 2025 die Mitfahrt in dessen 500 PS starkem BMW mit ihrem Leben. Der Fahranfänger war nachts an der Stadtgrenze zwischen Düsseldorf und Monheim von der Landstraße abgekommen und gegen einen Baum geprallt.

Gregor Golland ist Landtagsabgeordneter aus Brühl.

Gregor Golland ist Landtagsabgeordneter aus Brühl.

Nach Gollands Ansicht reicht der Strafrahmen für derartige Taten grundsätzlich aus, er müsse aber auch angewendet werden: In schweren Fällen sollte konsequent die Höchststrafe verhängt werden. Diese liege zum Beispiel für Gefährdung von Leib oder Leben bei bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe, für den Tod eines Menschen betrage sie bis zu zehn Jahre.

Der CDU-Politiker begrüßt, dass sich der Bundesrat am Freitag (6. März) mit einem Gesetzentwurf des Landes Berlin beschäftigte, der es einfacher machen soll, nach illegalen Rennen auch Mietwagen einzuziehen. Dies sei derzeit noch schwierig.

Es darf nicht als erstrebenswert gelten, mit protzigen Autos möglichst schnell zu fahren
Gregor Golland

Der Landespolitiker aus Brühl hält neben der konsequenten Anwendung des Strafrahmens auch eine verstärkte Vorbeugung für nötig, beispielsweise durch Aufklärung in Schulen und Berufsschulen oder auch Fahrschulen. „Es darf nicht als erstrebenswert gelten, mit protzigen Autos möglichst schnell zu fahren. Konsequenzen von Unfällen müssen ganz klar sein, und junge Menschen müssen lernen, dass man seine Grenzen nicht auf der Straße austestet.“

Aus Sicht des ADAC ist nicht die PS-Zahl der ausschlaggebende Grund für Unfälle, sondern die häufigsten Unfallursachen bei jungen Fahrern seien überhöhte Geschwindigkeit, zu geringer Abstand, Alkohol und Ablenkung am Steuer – unabhängig von der Leistungsstärke des Fahrzeugs.

Man sollte hier nicht generalisieren, sondern durch Verbesserungen im Fahrausbildungsprozess den jungen Fahranfängern auf ihrem Weg zu sicheren Verkehrsteilnehmern helfen, sagt Johannes Giewald vom ADAC Nordrhein im Gespräch mit dieser Redaktion. Er hält eine PS-Beschränkung für problematisch: Es sei fraglich, ob ein entsprechender Gesetzesentwurf einer Überprüfung standhalten könnte.

Der ADAC-Sprecher hält vielmehr eine hohe Kontrolldichte durch die Polizei für erforderlich, sonst blieben selbst drastische Strafen beinahe wirkungslos. Es sei unwahrscheinlich, dass Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an die Regeln halten und zum Beispiel regelmäßig viel zu schnell unterwegs sind, ihr Verhalten ändern, wenn sie nicht oder kaum damit rechnen müssten, erwischt zu werden. „Nur wenn angemessene Strafen und eine hohe Wahrscheinlichkeit auf frischer Tat ertappt zu werden zusammenwirken, besteht zumindest eine Chance, dass sich auch diese Verkehrsteilnehmer besser an die Regeln halten“, sagt der Verkehrsexperte.

Der ADAC spricht sich zudem dafür aus, den Lernzeitraum bei der Fahrausbildung zu erweitern, da gerade sicherheitsrelevante Lerninhalte von Führerschein-Neulingen erst nachhaltig aufgenommen und verarbeitet werden können, wenn sie eine gewisse Routine in den Grundfertigkeiten des Autofahrens erworben haben. Eine Rückmeldeschleife in gewissem zeitlichen Abstand nach bestandener Führerscheinprüfung würde ihnen helfen, die eigene Fahrkompetenz unter Anleitung eines Coaches selbstkritisch zu überprüfen. Auf diese Weise ließe sich das Risikoverhalten junger Menschen gezielt ansprechen.

Der ADAC beklagt ein mitunter bedenkliches Moralbewusstsein

Dabei könnten Fahrsicherheitstrainings eine wichtige Rolle einnehmen, wenn diese die „fahrerischen“ Grenzen im geschützten Raum bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen offenlegen. Es gelte bei dieser Zielgruppe nicht eine „Perfektionsstufe” zu erreichen, sondern die Selbstwahrnehmung der realen Fahrkompetenz anzugleichen. Wer die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert, solle spüren, dass er nicht in der Lage ist, dieses wieder auf Kurs zu bringen.

Aus Sicht des ADAC herrscht auf den Straßen mitunter ein bedenkliches Moralbewusstsein. Statt sich an Recht und Gesetz zu orientieren, legten manche Menschen die Regeln nach eigenem Ermessen aus und bewerteten einen persönlichen Adrenalin-Kick oder Zeitgewinn, also ihren kurzfristigen Vorteil, höher, als die Gefahr erwischt zu werden und durch eine Bestrafung langfristig Nachteile zu erfahren. Sie handelten immer wieder so und fänden ihr falsches Verhalten irgendwann völlig normal. Dass sie damit andere Verkehrsteilnehmer gefährden und ihr Verhalten oftmals fatale Folgen haben könne, würden sie in den Momenten billigend in Kauf nehmen.