Die Einigung zur Zukunft des Hambacher Forsts ruft nicht nur positive Reaktionen hervor. Für das Wasserbündnis sind viele Fragen ungeklärt.
KohleausstiegEinigung zur Zukunft des Hambacher Forsts stößt an Rhein und Erft auf Kritik

Der Hambacher Forst soll ein Urwald werden.
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Nun äußern sich auch die Elsdorfer Grünen-Fraktion zur Einigung zum Restwald Hambach. Laut eigenen Aussagen begrüßen die Grünen das Ergebnis: „Nunmehr kehrt endlich Ruhe in den seit Jahren herrschenden Konflikt um den Hambacher Forst ein.“
Dass die verbliebenen Waldbesetzer den Forst nun verlassen sollten, sei eine logische Folgerung. Der Wald müsse sich erholen und die Bevölkerung müsse ihn wieder ohne Angst vor den Besetzern betreten können.
Landesregierung, Kommunen, Naturschutz und Landwirtschaft hatten sich kürzlich mit dem Eigentümer, dem Energiekonzern RWE, darauf geeinigt, dass der verbliebene Teil des Forstes ergänzt durch Aufforstungen zu einem Urwald entwickelt werden soll.
Rhein-Erft-Kreis: Wasserbündnis fordert klares Zeichen
Doch es gibt nicht nur positive Stimmen. So begrüßt das Wasserbündnis Rheinisches Revier die Einigung laut eigenen Angaben zwar. „Aber leider bleibt wieder so viel Unsicherheit zurück, denn das Vertrauen in die Regierung ist massiv erschüttert, weil wirkliche Maßnahmen für Umweltschutz und eine lebenswerte Zukunft zu unternehmen in der Vergangenheit ausgeblieben sind. Wir hätten uns ein klareres Zeichen gewünscht und keine Erklärung mit Ungereimtheiten und offenen Fragen“, sagt Blanche Schwanke vom Wasserbündnis.
Das Bündnis verweist dazu etwa auf die Rodung des Sündenwäldchens in Manheim-alt. Zudem würden der Vegetation vor Ort durch den Tagebau Wasser entzogen und neue Waldverbundkorridore geschaffen statt alte Waldbestände zu erhalten.
Langzeitlasten und vergessene Ortschaften
„Wer ein neues, grünes zukunftsorientiertes Rheinisches Revier miteinander gestalten möchte, sollte diesen Ort nicht nur schützen, sondern auch aktiv seine gesamtgesellschaftliche Bedeutung wertschätzen“, heißt es vom Bündnis. Deshalb erwarteten die Beteiligten Transparenz und einen öffentlich-rechtlichen Vertrag, der etwa eine Bürgerbeteiligung inklusive der Waldbesetzer vorsieht.
Der Kerpener Georg Riemann von den Linken findet einen weiteren Aspekt kritikwürdig: Seiner Ansicht nach werde in der Diskussion zu wenig über die Dörfer gesprochen, die für den Tagebau weichen mussten.
Auch der Erftstädter Grüne Thommy Mewes zeigt sich nicht gänzlich begeistert. Er sieht ein zentrales Problem in der Zukunft des angrenzenden Tagebaus: „Während die Übergabe des Waldes bereits feierlich besiegelt wird, ist die zentrale Frage, wie hoch die Langzeitlasten wirklich sind und ob RWEs Vorsorge sie deckt, noch gar nicht beantwortet.“
Ihm bereiteten vor allem die künftige Wasserversorgung nach dem Ende des Tagebaus Sorgen: „Mit dem Ende des Tagebaus und dem Wiederanstieg des Grundwassers werden die nördlichen Werke nach und nach abgeschaltet und ihre Mengen verlagert, und nach der Planung des Erftverbandes bleibt am Ende im Wesentlichen ein einziges Werk übrig, das die Bevölkerung von Bedburg über Bergheim und Kerpen bis nach Erftstadt versorgen soll: Dirmerzheim.“ Viele Ortschaften würden dann an einem einzigen Standort der Wassergewinnung hängen.
Mewes führt aus: „Die Verteilung bleibt dabei in öffentlicher Hand, die Stadtwerke liefern das Wasser an die Haushalte, und Dirmerzheim ist Teil eines regulierten Verbundsystems. Der wunde Punkt liegt eine Stufe davor: Die Gewinnungs- und Aufbereitungsanlage selbst, ohne die in diesem Szenario kein Tropfen fließt, gehört nicht der öffentlichen Hand, sondern ausgerechnet RWE Power.“ Er betont, dass Wasser keine Ware, sondern Grundversorgung sei und eine „kritische Infrastruktur dieser Größenordnung“ in die öffentliche Hand gehöre.

