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SchutzzeitenNachtmähverbot zum Schutz von Igeln kommt im Rhein-Erft-Kreis doch

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Zu sehen ist ein Igel auf einer Wiese.

Weil sie sich bei Gefahr einrollen und nicht flüchten, sind häufig Igel von Verletzungen durch Mähroboter betroffen.

Die Jamaika-Koalition im Kreistag wird vermutlich noch in der ersten Jahreshälfte einen entsprechenden Antrag einbringen.

Der Rhein-Erft-Kreis wird nun wohl doch ein Nachtfahrverbot für Mähroboter erhalten. Damit sollen Kleintiere wie Igel vor schweren oder tödlichen Verletzungen geschützt werden. Die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP hat einen entsprechenden Passus im Koalitionsvertrag verankert und wird vermutlich in der ersten Jahreshälfte einen Antrag im Kreistag stellen. Das haben die Fraktionen auf Anfrage mitgeteilt.

„Der CDU-Kreistagsfraktion war es stets wichtig, einen tatsächlichen Schutz bedrohter Tierarten zu erreichen“, sagt Fraktionsvorsitzender Gregor Golland. „Wir sind uns sicher, dass die allermeisten Bürgerinnen und Bürger vernünftigerweise einen Mähroboter nur tagsüber betreiben.“  

Rhein-Erft-Kreis: Antrag der SPD-Fraktion wurde zunächst abgelehnt

Noch im Juni vorigen Jahres hatte die Koalition geschlossen einen Antrag der SPD-Kreistagsfraktion auf ein Nachtfahrverbot für Mähroboter abgelehnt. Die Mehrheitsfraktionen führten dafür gleich mehrere Begründungen an. So sei ein solches Verbot nicht kontrollierbar, Denunziationen wolle man nicht Vorschub leisten, sondern stattdessen mehr auf Aufklärung setzen, etwa mittels Flyern oder über soziale Medien.

Sollte die Aufklärung der Bürger nicht zum gewünschten Ziel führen, hieß es damals, könne man sich nach einem Jahr noch mal zusammensetzen und über ein Nachtfahrverbot nachdenken. Vor allem die Grünen sahen sich wegen der Ablehnung harscher Kritik ausgesetzt, auch von der Parteibasis. Ein solches Nachtfahrverbot für Mähroboter gibt es beispielsweise bereits in Köln.

Die Jamaika-Koalition habe die Option eines Nachtfahrverbotes von Mährobotern nie ausgeschlossen, betonen die Fraktionsvorsitzenden nun. Man habe lediglich andere Herangehensweise, das Thema Tier- und Artenschutz von nachtaktiven Tieren anzugehen. Dabei seien der Koalition Aspekte wie Aufklärungskampagnen, die Stärkung der Eigenverantwortung sowie der technische Fortschritt ebenfalls wichtig.

Nun kommen die behördlich verordneten Schutzzeiten also doch. Die Verwaltung, teilt die Jamaika-Koalition mit, werde demnächst die Ergebnisse der Aufklärungskampagne vorstellen. „Die Ergebnisse sowie die Auswertung der Rückmeldungen der Igel-Vereine und -Stationen wird die Koalition noch abwarten“, heißt es in einer Pressemitteilung von CDU, Grünen und FDP.

Weitere Suche nach besseren Lösungen zum Tierschutz

„Die Zielsetzung war immer klar: Die Öffentlichkeitskampagne soll klar machen, dass Tiere durch den nächtlichen Betrieb von Mähroboter getötet werden“, sagt Elmar Gillet (Grüne). „Das nun folgende Verbot unterstreicht dies noch einmal.“ Und Ralph Bombis (FDP) sagt: „Die konkrete Formulierung im Koalitionsvertrag ist das Ergebnis einer politischen Kompromissfindung. Nach unserer Auffassung entbindet uns dies aber nicht, auch darüber hinaus noch nach weiteren, vielleicht sogar besseren Lösungen zu suchen, die dem Tierwohl noch stärker nützen.“

„Vernunft setzt sich durch“, sagt die Kreistagsabgeordnete Marita Pörner, die den Verbotsantrag ursprünglich für die SPD gestellt hatte. Es sei von Anfang an die richtige Lösung  und wohl auch allen Beteiligten klar gewesen. „Es wäre schön, wenn zukünftig gute Lösungen zügig umgesetzt werden würden, egal, wer den Antrag in den Kreistag eingebracht hat“, sagt der SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Dierk Timm. „Der ursprüngliche SPD-Antrag, der von zahlreichen Bürgern und Initiativen seinerzeit unterstützt wurde, hätte bereits im letzten Jahr beschlossen und umgesetzt werden können.“

Tierschützer begrüßen das kommende Nachtfahrverbot. „Es ist ein wichtiger Schritt zum Schutz nachtaktiver Tiere – allen voran des Igels, aber auch von Amphibien, Reptilien, Kleinsäugern und zahlreichen Insektenarten“, sagt etwa Heike Wieneke vom Verein Erftigel. Sie schränkt aber auch ein: „Dieses Verbot allein wird das Igelsterben nicht stoppen.“

Das Insektensterben nimmt immer weiter zu.
Heike Wieneke

Denn der Großteil der Igel, die der Verein aufnehme, leide nicht an Verletzungen, sondern an massivem Nahrungsmangel. Der Grund dafür sei klar: „Das Insektensterben nimmt immer weiter zu“, sagt Wieneke. Den Igeln fehle die Nahrung. Grund dafür seien unter anderem kurz geschorene Rasenflächen, versiegelte Grundstücke, Schottergärten und sterile Vorgärten. „Das ist aktuell das größte Problem – nicht der Mähroboter allein.“

Zudem seien Gärten immer stärker abgeschottet, Bauverordnungen müssten angepasst werden. „Zäune sollten mindestens zehn Zentimeter Abstand zum Boden haben, damit Igel und andere Kleintiere ihre Reviere wechseln können“, sagt Heike Wieneke. Es brauche viele kleine Veränderungen, die in der Summe einen enormen Unterschied machten.

Das Nachtfahrverbot sei ein wichtiges Signal und ein richtiger Schritt. „Wenn der Rhein-Erft-Kreis jedoch langfristig verhindern möchte, dass der Europäische Braunbrustigel hier verschwindet, braucht es zusätzlich klare Vorgaben, mutige Baukonzepte, offene Gärten und kontinuierliche Umweltbildung“, sagt Wieneke. Ihr Verein stünde für Aufklärung, Austausch und Zusammenarbeit zur Verfügung.