Revierförster hofft auf anhaltenden Regen. Landwirte kämpfen mit den Folgen der anhaltenden Trockenheit wie steigenden Bewässerungskosten.
Hitze, kein NiederschlagTrockenheit setzt Wäldern und Feldern im Rhein-Erft-Kreis zu

Traktoren wirbeln beim Befahren ihrer Felder viel Staub auf – schuld ist die derzeitige Trockenheit.
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Kleine Bäche sind ausgetrocknet. Die Wasserstände in Flüssen und großen Gewässern sinken und zahlreiche Bäume werfen bereits mitten im Sommer ihre Blätter ab. Nach Wochen ohne nennenswerten Niederschlag leiden Menschen, Tiere und Natur gleichermaßen unter der anhaltenden Hitze. Besonders betroffen sind Wälder, Felder, Parks und private Gärten.
Erftstadt/Hürth: Revierförster wünscht sich für Wälder lang anhaltenden, sanften Landregen
Revierförster Frank Mayer wünscht sich für die Wälder in Erftstadt und Hürth vor allem eines: einen lang anhaltenden, sanften Landregen. „Es dürfte ruhig mehrere Tage gleichmäßig regnen“, sagt er. Starkregen wäre dagegen kontraproduktiv. „Dann fließt das Wasser größtenteils oberflächlich ab, anstatt im Boden zu versickern. Unter der Trockenheit leiden derzeit besonders junge Bäume und flachwurzelnde Arten“, so der Förster weiter.
Noch sei die Lage aber nicht dramatisch, wie in den Dürrejahren 2018 und 2019, als der Boden sogar bis in einer Tiefe von 1,50 Metern ausgetrocknet war.

Revierförster Frank Mayer sorgt sich um seinen Wald.
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„Zurzeit ist die Wasserversorgung für die Bäume, deren Wurzeln bis in etwa 1,40 Metern Tiefe reichen, noch ausreichend“, erklärt er. Im Frühjahr habe es schließlich gut geregnet, da habe der Wald ausreichend Wasser speichern können.
Doch nicht alle Bäume haben so tiefgreifende Wurzeln wie beispielsweise die Stieleichen, Walnüsse und Kiefern. Für fachwurzelige Bäume und Sträucher bedeutet die aktuelle Trockenheit bereits viel Stress. In 60 Zentimetern Tiefe herrsche aktuell ein leichter Trockenstress – in 20 Zentimetern Tiefe sei der Trockenstress schon jetzt extrem. Die Folgen seien bereits sichtbar. „Das sorgt zurzeit auch dafür, dass bei einigen Bäumen bereits das Bild des beginnenden Herbstes entsteht“, erklärt der Revierförster.
Waldbesuchern fällt auffällige Verfärbung der Bäume auf
Viele Waldbesucher sprechen Mayer auf die auffällige Verfärbung der Bäume an. Noch gibt er Entwarnung. Mayer geht davon aus, dass sich – vorausgesetzt, es gibt bald Regen – die meisten Bäume nach der Trockenheit wohl erholen könnten. „Richtig deutlich wird der Schaden aber erst im nächsten Jahr“, sagt er.

Wegen der Trockenheit werfen Bäume schon Blätter ab.
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Sorgen haben einige Waldbesucher, dass der Wald aufgrund der steigenden Waldbrandgefahr gesperrt werden könnte. Zur Vermeidung der Waldbrandgefahr sei laut Paragraf 5 des Landesforstgesetzes eine zeitweilige Beschränkung der Waldbesuche sogar möglich. „Doch auch eine eingeschränkte Nutzung ist seitens des Regionalforstamts Bonn Rhein-Sieg-Erft aktuell für den Villewald nicht geplant“, betont Mayer.
Betroffen vom herabfallenden, vertrockneten und gelb gefärbten Blättern sind jetzt zumeist jüngere Bestände: Buchen, Linden und Birken, aber auch Wildkirschen. Deutlich ist bei den Wildkirschen zu beobachten, dass an den Ästen grüne und direkt daneben auch gelbe abgestorbene Blätter hängen. „Der Baum kann aufgrund der Trockenheit nicht mehr alle Blätter mit ausreichend Wasser versorgen“, erklärt Mayer dieses Phänomen. Einige Blätter sterben deswegen ab.
Landwirte beklagen Mehrverbrauch an Wasser
Das dichte Blätterdach der Baumkronen sorgt im Sommer durch die Verdunstung für das so angenehme und kühle Klima im Wald. Nicht ohne Grund wird insbesondere den alten Baumbeständen mit mächtigen Baumkronen nachgesagt, wie biologische Klimaanlagen zu arbeiten. Denn unter ihnen und in ihrer Nähe ist die Luft auch an heißen Tagen deutlich kühler und feuchter als außerhalb des Waldes.
„Diese angenehme Waldatmosphäre schützen Pflanzen und Tiere vor großer Hitze“, sagt Mayer. Diese natürlichen Klimaanlagen funktionieren aber nur, wenn im Boden ausreichend Wasser zur Verfügung stehe. Ist das nicht der Fall, sterben immer mehr Blätter ab – die Verdunstung werde weniger, die Hitze im Wald steige und insbesondere jüngere Bestände leiden.
„Das bedeutet aber nicht, dass alle betroffenen Bäume sterben“, sagt Mayer. Möglich sei aber, dass es im kommenden Jahr vermehrt zu Ast- und Baumabbrüchen im Villewald kommen kann. Aktuell geht Mayer davon aus, dass die meisten der jetzt schon so herbstlich anmutenden Bäume im kommenden Frühjahr wieder austreiben werden.

Landwirte beklagen Mehrverbrauch an Wasser.
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Doch nicht nur der Wald leidet unter der Trockenheit, sondern auch die Landwirte. „Wahnsinn – diese Trockenheit ist schon sehr extrem“, sagt Landwirt Alexander Moll aus Kerpen. Zwei Wochen habe er die Neupflanzung seiner Erdbeerpflanzen noch herausgezogen – in der Hoffnung, dass es doch noch regnen könnte. „Jetzt sind die Pflanzen im Boden und ich habe das Feld ordentlich gewässert“, sagt er.
Auch die Kürbisse – die er bisher noch nie bewässern musste – wird er mit Blick auf die angekündigte Wettervorhersage in den kommenden Tagen mit Wasser versorgen. Moll geht aber nicht davon aus, dass sich diese Mehrkosten auf die Preisentwicklung auswirken – weder bei den Erdbeeren noch bei den Kürbissen.
Auch Gemüsebauer Stephan Grüsgen aus Walberberg kämpft mit den Folgen der anhaltenden Trockenheit. Zweimal die Woche muss der Landwirt die Neupflanzungen auf seinen Anbauflächen in Keldenich, Berzdorf, Bornheim und Brühl wässern. Mindestens einmal die Woche bekommt das heranwachsende Gemüse – Brokkoli, Blumenkohl, Spitzkohl und Chinakohl – jeweils zehn bis zwölf Millimeter Wasser. Der Rucola braucht sogar alle zwei Tage Wasser. Grüsgen bewirtschaftet Gemüse auf insgesamt 130 Hektar.
„Aufgrund des Mehraufwands an Zeit, Wasser, Energie und Maschinen sind bei uns durch die Hitze und Trockenheit schon jetzt Mehrkosten in Höhe von rund 20 Prozent entstanden“, sagt Grüsgen. Doch auch er rechnet nicht damit, dass sich diese Investitionen an Zeit und Geld sowie Arbeitskraft in den Preisen wiederfinden. „Wir hatten die Hoffnung, doch das Gegenteil ist der Fall“, merkt der Landwirt aus Walberberg an. Grüsgen beliefert mit seinen Erzeugnissen den Lebensmitteleinzelhandel in der gesamten Region und darüber hinaus. „Und die bestimmen eben auch die Preise“, sagt er.
