Den Angriff auf die Stromversorgung in Brandenburg mag mancher im Rhein-Erft-Kreis mit Sorge verfolgt haben. Dass sich das in Bergheim wiederholte, macht vielen Angst.
Gefährdete InfrastrukturWas Bergheim mit Jänschwalde verbindet


Diese Hochspannungsleitungen führen zum Umspannwerk in Bergheim-Rheidt. In den Feldern wurden Abschussvorrichtungen gefunden.
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Hand aufs Herz: Hatten sie bis vor wenigen Tagen schon einmal etwas von Jänschwalde gewusst? Oder sagen können, wo sich dieser Ort befindet? Die 1572 Einwohner des Ortes im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg hätten vermutlich gerne darauf verzichtet, über Nacht im bundesweiten Interesse der Öffentlichkeit zu stehen.
Doch nachdem zu Wochenbeginn bekannt geworden war, dass Unbekannte dort Kurzschlüsse an Umspannwerken ausgelöst hatten, gelangte Jänschwalde in die Schlagzeilen der Tageszeitungen und war Top-Thema in den Nachrichtensendungen. Die Stromversorgung sollte offenkundig sabotiert werden, da Draht mit selbstgebauten Abschussvorrichtungen auf Stromleitungen gefeuert worden war.
Bergheim: Nun wissen wir, wie verwundbar unsere Infrastruktur ist
Im mehr als 700 Kilometer entfernten Bergheim werden die Menschen diese Geschehnisse mit Interesse verfolgt haben, schließlich schien der mutmaßliche Sabotageakt zu einem möglichen Szenario der Spannungen zwischen Moskau und Berlin zu passen. Und kaum jemanden werden die Drohgebärden aus dem Kreml kaltlassen. Auch eine Täterschaft aus dem linksextremen Spektrum schmälert die Sorgen angesichts eines solchen zielgerichteten Angriffs auf unsere Infrastruktur nicht.
Spätestens seit dieser Woche wissen wir, wie verwundbar unsere Energieversorgung ist. Wir haben zudem erfahren, dass Anschläge in unserer Nachbarschaft geschehen können. Und in Jänschwalde kennt man nun auch Bergheim.
Offenbar handelt es sich um einen Einzeltäter
Mit einer ähnlichen Konstruktion wie in Brandenburg haben die Täter das Umspannwerk von Amprion in Bergheim-Rheidt ins Visier genommen. Tags darauf wurden mehrere Vorrichtungen mit Treibsätzen für Raketen gefunden – aus der „Marke Eigenbau“. Das hätte das Ergebnis eines Menschen sein können, der technisch nicht ganz so beschlagen ist. Es hätte aber auch das Ergebnis einer Gruppe oder einer Regierung sein können, die es stümperhaft erscheinen lassen wollte.
Seit gestern Mittag wissen wir nun: Keine der beiden Vermutungen, die auch Landespolitiker wie Gregor Golland geäußert hatten – Russland oder Linke – trifft zu. Offenbar handelt es sich um einen Einzeltäter, der in einem von den Ermittlungsbehörden als authentisch bezeichneten Schreiben den Kampf gegen fossile Energieträger als Motiv nennt. Neben der Sabotage an einem Umspannwerk in Jänschwalde habe er sich zu weiteren Anschlagsversuchen bekannt, heißt es.

Dampf steigt aus dem Kraftwerk Niederaußem in den morgendlichen Himmel auf.
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Wenn sich dies erhärten ließe, würde es auch erklären, weshalb das Umspannwerk in Bergheim zum Ziel geworden ist: Die Nähe zum Tagebau und den RWE-Kraftwerken, die noch bis 2030 – so der Plan – Braunkohle zur Stromerzeugung verfeuern, sorgt für große Symbolkraft. Und ja, wegen des Sabotageakts von Dienstagabend musste der Energieversorger fünf Kraftwerksblöcke herunterfahren; zwei werden erst in der kommenden Woche wieder in Betrieb genommen.
Sollte der Verursacher gefasst werden, dürfte ihm neben der strafrechtlichen Komponente auch eine Klage auf Schadenersatz von RWE drohen. Durch den Produktionsausfall dürfte eine nennenswerte Summe Geld fehlen.
Wer jetzt meint, dass die Taten eines mutmaßlichen Umweltaktivisten Anlass zum Aufatmen geben, sollte kurz innehalten. Mehr noch: Der Umstand, dass offenbar ein einzelner Mensch (kein Geheimdienst) dafür sorgen kann, dass die Stromversorgung von hier auf jetzt empfindlich gestört werden kann, sollte uns erst recht beunruhigen.
