Ganz vorsichtig hob Carola Filke die Hand. So zeigte sie an, dass auch sie Interesse an dem schlichten Fahrrad hatte, das nun ersteigert werden konnte. „Zwei Euro sind geboten“, hörte sie die Auktionatorin Ulrike Rühl sagen. Für Rühl war es die dritte Versteigerung, die sie mit ihrem Team vom Ordnungsamt organisierte und durchführte. Die Versteigerung von Fundsachen hat allerdings in Wesseling eine lange Tradition. Versteigert werden stets Gegenstände, die im Stadtgebiet Wesseling gefunden und nach sechs Monaten nicht abgeholt wurden – so wie das Hollandrad, für das sich Carola Filke interessierte. Für sie war es allerdings das erste Mal, dass sie bei einer Versteigerung war. „Meine Freundin hat mich ja noch überreden müssen, mit hierherzukommen“, erklärte sie und stellte im nächsten Augenblick diese Freundin, Alex Latak, vor.
Zuschlag für das Hollandrad bei fünf Euro
Irgendwo im Rathausfoyer ging dann eine weitere Hand hoch – „drei Euro sind geboten“, sagte Rühl. Und: „Drei Euro zum Ersten, zum Zweiten…“ Wieder hob Carola Filke die Hand, bot direkt fünf Euro. „Ich war wirklich total aufgeregt“, erzählte sie später, als sie ihr Fahrrad glücklich vors Rathaus schob. „Es hätte gar nicht besser laufen können“, meinte sie, und ihre Freundin klopfte ihr anerkennend auf die Schultern. Tatsächlich hat sie nämlich für das Fahrrad den Zuschlag für nur fünf Euro bekommen. „Und es ist genau das, was ich mir vorgestellt habe – ein Fahrrad ohne viel Schnickschnack – goldrichtig für die kurzen Strecken, um mal zum Bahnhof oder zum Einkaufen zu radeln“, erklärte sie. Ein solches Fahrrad nehme sicherlich auch kein Mensch einfach so mit.
Schmuck und Taschenuhr: Spannung im Rathausfoyer
Und während Carola Filke ihr neues Fahrrad stolz nach Hause rollte, ging im Rathaus die Versteigerung weiter. Viele Menschen waren sogar ganz gezielt zu dieser jährlichen Auktion gekommen. Und für die kleinen funkelnden Fundstücke hatten sich erfahrene Ersteigerer sogar eine spezielle Lupe mitgebracht. So wechselte ein Silberring für acht Euro den Besitzer, für einen silbernen Ehering mit Gravur wurden bis zum Zuschlag sechs Euro geboten.
Ausdrücklich betonte die Auktionatorin aber auch, dass der Schmuck nicht auf seine Echtheit geprüft worden sei. Jedes ersteigerte Teil musste auch direkt bar gezahlt werden. Für einen goldfarbigen Ring zahlte ein Mann drei Euro. Einen richtigen Versteigerungskrimi lieferten sich die Interessenten bei einer Taschenuhr, für die schließlich 111 Euro gezahlt wurden.

Ein Hollandrad für fünf Euro
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Zuschauer, Schnäppchenjäger und 70 Fundsachen
„Ich möchte einfach einmal gucken“, freute sich Lilly Schönwald (24) über die besondere Atmosphäre im Rathausfoyer. Auch Niklas Kalde (25) hatte keine bestimmte Sache im Blick, als er sich bei der Auktion in die Menge der Zuschauer stellte. „Ich gucke einfach einmal, was hier so passiert“, meinte er.
Ein 41-jähriger Wesselinger hatte bereits vor ein paar Jahren seine ersten Erfahrungen bei Versteigerungen machen können. „Zuletzt vor drei Jahren habe ich hier für zwei Fahrräder nur neun Euro gezahlt“, verriet er. Auch diesmal hoffte er auf ähnliche Schnäppchen. Und offensichtlich hatte er Glück – auch wenn er diesmal für die Fahrräder ein bisschen tiefer in die Tasche greifen musste. Insgesamt wurden zwischen 16 und 18 Uhr etwa 70 Fundsachen versteigert. Unter den Hammer kamen sogar eine Motorsäge und ein Bolzenschneider – etliche E-Scooter, Mountain-Bikes und E-Bikes und sogar ein Rollator, den aber niemand haben wollte.
Was mit dem Erlös geschieht
Bleibt nur noch die Frage: Und was geschieht mit dem Erlös? „Die Einnahmen aus der Veranstaltung gehen an die Stadtkasse als Einnahme allgemeine Verwaltung“, erklärte die Sprecherin der Stadt Wesseling, Sarah Hihn.

