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Signal gegen Apothekensterben27-Jähriger übernimmt alteingesessene Apotheke in Wesseling

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Ein Mann in weißem Kittel steht in einer Apotheke.

Diyar Kamali will in seiner Apotheke immer ein offenes Ohr für die Menschen haben und sich gegen das Apothekensterben stellen.

Der 27-jährige Diyar Kamali aus Bonn hat die Leitung der Äskulap-Apotheke übernommen und führt sie unter dem Namen „Glück Apotheke“ weiter.

Neuer Name, frischer Wind: Seit Januar präsentiert sich die ehemalige Äskulap-Apotheke in der Flach-Fengler-Straße 114 unter dem Namen „Glück Apotheke“. Diyar Kamali hat die Leitung übernommen und führt die Apotheke weiter.

Zum Start nutzte der 27-jährige Apotheker die sozialen Medien, um seine Freude über die nette Aufnahme in der Stadt auszudrücken und sich für die vielen positiven Rückmeldungen zu bedanken. Er verspricht, die Apotheke zu einem Ort zu machen, der nicht nur Medikamente ausgibt, sondern Glück und Gesundheit verbindet: „Der Name soll Programm sein.“

Wesseling: Standort, Team und persönlicher Service bleiben erhalten

Diyar Kamali schaut motiviert nach vorne. Mit der Übernahme will er ein neues Kapitel aufschlagen, eines, das auf Bewährtem aufbaut und zugleich neue Impulse setzt. Mehr als 30 Jahre war die Apotheke unter ihrem alten Namen eine feste Anlaufstelle für die Menschen in Wesseling. Der Inhaberwechsel markiert einen Generationenwechsel. Diyar Kamali, der in seiner Heimatstadt Bonn Pharmazie studiert hat, setzt dabei bewusst auf Kontinuität. Der Standort, das Team und der persönliche Service bleiben erhalten, sollen jedoch schrittweise weiterentwickelt und modernisiert werden. Erfahrung dafür sammelte er zuvor drei Jahre lang als Leitung einer Filialapotheke in Königswinter.

Gerade vor dem Hintergrund des Apothekensterbens hat er sich bewusst für die neue Herausforderung entschieden. „Mein Schritt soll auch ein Statement sein, ein Bekenntnis dazu, dass Apotheken eine Daseinsberechtigung haben. Sie sind wichtig, weil es vor Ort eine Anlaufstelle braucht, an der man Medikamente erhält, persönliche Beratung bekommt und sich austauschen kann. Das geht nicht online“, ist er überzeugt. „Mein Ziel ist es, die Apotheke als Ort des Vertrauens weiterzuführen – mit Zeit für persönliche Beratung und einem offenen Ohr für die Menschen.“

Zahl der öffentlichen Apotheken im Kammergebiet Nordrhein im ersten Halbjahr 2025 gesunken

Die Gründe dafür, dass immer mehr Apotheken schließen, benennt Diyar Kamali so: „Zu viel Bürokratie, zu geringe Honorare, Fachkräftemangel und die Konkurrenz der im Ausland angesiedelten Online-Apotheken, die von steuerlichen Grenzvorteilen profitieren und außerhalb der Zuständigkeit deutscher Aufsichtsbehörden agieren.“

Die Zahl der öffentlichen Apotheken im Kammergebiet Nordrhein ist im ersten Halbjahr 2025 gesunken. Auf 29 Schließungen kamen vier Neueröffnungen. Nach Angaben der Apothekenkammer Nordrhein gab es im Rhein-Erft-Kreis Ende 2024 noch 89 geöffnete Apotheken, eine kam dann zum Stichtag 1. Juli 2025 hinzu: die Priamos-Apotheke in Quadrath-Ichendorf.

„Auf der Suche nach einer Apotheke und auch während der Übernahme hatte ich große Unterstützung von meiner Schwester, die ebenfalls Apothekerin ist. Als wir hörten, dass die Inhaber einen Nachfolger suchen, sind wir schnell ins Gespräch gekommen. Ich habe hier dann auch schon einmal eine Urlaubsvertretung übernommen“, erzählt der junge Mann. „Es passte für beide Seiten, und wir waren uns recht schnell einig“, sagt er. „Ich freue mich sehr, dass die beiden ehemaligen Inhaber noch einmal in der Woche im Geschäft mitarbeiten.“

Das Apotheken-Team mit zwei weiteren Mitarbeiterinnen hat er übernommen. Demnächst werden neue Computer angeschafft. Weitere technische Modernisierungen sind geplant: Die Website wird neu aufgebaut, das digitale Angebot wird ausgeweitet und auch der Botendienst soll erweitert werden. Auf seinem Heimweg nach Bonn Diyar Kamali auch selbst Medikamente aus. „Das macht mir Spaß und schafft Vertrauen.“