Rhein-ErftDarum sollten Autofahrer wegen der Zeitumstellung an der B265 aufpassen

„Wer hat an der Uhr gedreht“, werden sich einige Menschen am Sonntagmorgen fragen.
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Rhein-Erft-Kreis – Vor oder zurück? Es ist immer die gleiche Frage, einmal im Frühjahr, einmal im Herbst. Wie wird die Uhr denn nun umgestellt? Selbst wenn die meisten Uhren das heute automatisch machen, sollte man schon wissen, ob die Nacht von Samstag auf Sonntag nun länger wird oder kürzer wird. Schließlich kann man die zusätzliche nächtliche Stunde vielfältig nutzen, die fehlende bitter vermissen. Kleine Eselsbrücke: Im Frühjahr stellt man die Gartenmöbel vor die Tür, im Herbst zurück in den Schuppen.
Die Zeiten, in denen Küster in den Kirchturm klettern mussten, um die riesigen Zeiger zu bewegen, sind jedenfalls ebenso vorbei wie die, in denen Uhrmacher wunde Fingerkuppen bekamen von den Rädchen der vielen Armbanduhren. Es gibt ja auch nur noch wenige Uhrmacher, die tatsächlich einen mechanischen Chronometer reparieren können.
„Die Zeitumstellung kann sogar gesundheitlich schaden“
Die innere Uhr dagegen stellt sich nicht so einfach automatisch um. „Chronobiologen wissen, dass die Zeitumstellung zweimal im Jahr nicht nur den Schlafrhythmus stört, sondern zumindest vulnerablen Menschen sogar gesundheitlich schaden kann“, sagt Dr. Jaroslav Malevani, Chefarzt der Oberberg Somnia Fachklinik in Hürth.
„In sehr kurzer Zeit muss sich unsere Hormonproduktion umstellen. Dadurch gerät der Körper in eine Art Stresssituation, die wiederum zu einem erhöhten Energieverbrauch und Erschöpfung führt.“ Sensibel reagierten vor allem ältere Menschen, Kinder und besonders Menschen mit psychischer Erkrankung, etwa mit Unruhe, Müdigkeit und Schlafstörungen bis hin zur saisonalen Depression. Die Zeitumstellung im Frühjahr, bei der die Nacht eine Stunde kürzer ist, werde dabei meist als belastender empfunden als die im Herbst, so der Psychiater.
Die meisten Menschen allerdings merkten von der Zeitumstellung, die „wie ein Mini-Jetlag“ betrachtet werden könne, kaum etwas, weiß Malevani. Im Schnitt dauere es eine Woche, bis sich der Biorhythmus an die neue Zeit gewöhnt habe. „Bei Menschen, bei denen ein geregelter Schlafrhythmus wichtig ist, zum Beispiel bei Kindern oder auch bei älteren Menschen, kann es auch etwas länger dauern.“
Zeitumstellung: Vor allem an der B 265 lauern Gefahren für Autofahrer
Viel Bewegung, Sport und gesunde Ernährung helfe bei der Umstellung, außerdem solle man darauf achten, ausreichend viel zu trinken, nämlich zwei bis drei Liter am Tag. Malevani: „Wenn möglich, sollte man versuchen, die Mittagspause an der frischen Luft zu verbringen, spazieren zu gehen und sich in die Sonne zu setzen.“
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Nicht nur der Mensch, auch Tiere stellen ihre innere Uhr nicht so einfach um. Und Wildtiere schon gar nicht. „Sie orientieren sich am Tageslicht“, erklärt Franz-Josef Kipshagen, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Rhein-Erft. Deshalb könne es vor allem in den Morgenstunden in den nächsten Wochen gefährliche Begegnungen zwischen Rehen und Autofahrern geben.
Denn vor allem in der Morgendämmerung mache sich das Wild auf die Läufe. Und dann überquere es auch schon mal die Straßen. Weil aber nun der erste Berufsverkehr eine Stunde früher anrolle, könne es verstärkt zu Wildunfällen kommen. Der Rat des Jägers: Langsam fahren, vor allem auf Straßen mit Wald oder Gehölzen auf der einen und Feldern und Wiesen auf der anderen Seite. Ein Schwerpunkt in Sachen Wildunfälle im Kreis sei die Bundesstraße 265 zwischen Hürth und Erftstadt.
Auch für Landwirte und Kühe hat die Zeitumstellung Folgen
Für Landwirt Andreas Schäfer (46) aus Erftstadt-Gymnich hat die am Wochenende anstehende Umstellung auf die Sommerzeit längst begonnen. Seine insgesamt 120 Milchkühe wollen nämlich – ob Sommer- oder Winterzeit – alle zwölf Stunden gemolken werden.
Die frische Milch wird auf dem Milchhof Schäfer verarbeitet und die Produkte im Hofladen an der Kohlstraße verkauft. Das Spiel mit der Zeitumstellung ist für Schäfer und sein Team schon Routine. „Es ist ja wirklich jedes Jahr das gleiche“, sagt er. Schon Anfang der Wochen habe er begonnen, täglich jeweils 15 bis 20 Minuten früher aufzustehen um mit dem Melken zu beginnen. „Zurzeit heißt das für uns, dass wir spätestens um 5.45 Uhr im Stall stehen müssen“, sagt er.
Auch abends fange er früher – zurzeit so gegen 17.45 Uhr – mit dem Melken an. Diese Methode habe sich in den vergangenen 22 Jahren bewährt. Denn so habe er die eine Stunde, die bei der Umstellung auf die Sommerzeit verloren gehe, locker bis Sonntag wieder eingearbeitet. „Spätestens dann sind wir wieder im ganz normalen Rhythmus und können wie gewohnt unsere Kühe um sechs Uhr am Morgen und um 18 Uhr am Abend melken“, erklärt er.




