Beruf: Applausmeister. Marco Laufenberg aus Much versetzt seit 26 Jahren das Publikum im Fernsehstudio in gute Laune.
Marco LaufenbergApplausmeister aus Much sorgt im Fernsehstudio für gute Laune

Der Applausmeister am Arbeitsplatz: Marco Laufenberg aus Much bringt das Publikum im Fernsehstudio in Stimmung.
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In Frankreich wird er als „Chauffeur de salle“ bezeichnet, in den Niederlanden ist er der „Applausmeester“ und in England ganz feierlich der „Master of Ceremony“. Ob vor zehn Leuten in einem kleinen Club oder vor 70.000 im Berliner Olympiastadion – er ist der Mann für die Show vor der Show: Marco Laufenberg aus Much macht seit über 26 Jahren das sogenannte Warm-Up für diverse Fernsehshows.
Er stimmt das Publikum auf die Sendung ein, überbrückt Werbe- oder Umbaupausen. Solche Gute-Laune-Macher sind selten: Etwa zehn von ihnen heizen das deutsche Fernsehpublikum an. Hierzulande wurden Warm-Upper anfangs belächelt. Eine starke Sendung habe so etwas nicht nötig, hieß es.
Der Student jobbte im Ticket-Service und half spontan bei „Nur die Liebe zählt“ aus
Nach den Privatsendern mit immer mehr Comedy- und Talkshows fassten die „Warm Upper“ auch im Öffentlich-Rechtlichen Fuß. Zu seinem ersten Einsatz kam Laufenberg 1999 durch Zufall: Damals jobbte der Sozialpädagogik-Student noch beim Ticket-Service und sollte spontan bei „Nur die Liebe zählt“ aushelfen. Das zahlte sich auch für ihn aus: Immer häufiger sorgt der Mucher für gute Laune in Fernsehstudios, egal ob die Aufzeichnung eine oder sechs Stunden dauert.
„Das Level über so eine lange Zeit zu halten, ist schon schwer, das ist auch ein Handwerk“, so der 55‑Jährige. Er sieht sich nicht als Animateur, der nur anzeigt, wann die Gäste sich freuen und wann sie applaudieren sollen. Vielmehr stelle er den Draht zwischen der Fernsehproduktion und dem Publikum her und sorge in erster Linie für eine gute Zusammenarbeit. Schließlich müsse alles perfekt aussehen im Fernsehen.
Ich schaue mir das Publikum ganz genau an. Manche sind gelangweilt, andere total aufgeregt.
Deshalb sensibilisiere er auch die Zuschauer dafür, dass theoretisch jeder gefilmt werden kann. „Ein Moment, wo sich die meisten nochmal durch die Haare fahren“, erzählt Laufenberg. Zehn Minuten vor seinem Einsatz einmal durchs Studio zu gehen, sei für ihn besonders wichtig. „Ich schaue mir das Publikum ganz genau an. Manche sind gelangweilt, andere total aufgeregt“, erzählt Laufenberg und macht sich seine Beobachtungen später zunutze.
Im Prinzip scherze er in seinem Warm-up mit den Leuten, es gebe keine feste Show, die er abspule. Bei längeren Pausen packe er Anekdoten aus seiner Berufslaufbahn oder seinem Privatleben aus. Geschichten vom Landleben würden zum Beispiel immer gut ankommen, erzählt der Ex-Kölner, der 2018 von Köln-Mülheim ins Bergische gezogen ist.
Hier erlebte er hautnah, dass eine kurze Frage beim Nachbarn nach einer Säge Folgen haben kann. Er blieb geschlagene fünf Stunden drüben. Ein spontanes Kölsch geht doch immer. Anekdoten hat Marco Laufenberg auch zu fast jedem Prominenten im Köcher, so als er im Stadion DJ Bobo ansagen musste und den Weg herunter von der Bühne nicht mehr fand.
Kleine Erlebnisse aus dem Geschäft kann er spektakulär und unterhaltsam aufblasen, „oder du redest über die Deutsche Bahn, da hast du die Leute“. In dem Moment wird der Anheizer zum Stand-up-Comedian. „Die Komiker aus dem Fernsehen sehen mich teilweise als Kollegen“, erzählt Laufenberg. Ein großes Kompliment.
Mich sprechen Leute aus dem Publikum teilweise 15 Jahre später auf der Straße an
Dass seine Arbeit geschätzt wird, hört er sogar gelegentlich auf der Straße. „Mich sprechen Leute aus dem Publikum teilweise 15 Jahre später noch an“, erzählt er. Ziel erreicht: Die Zuschauer sollen sich wohlfühlen, die Produzenten mit der Stimmung im Studio zufrieden sein.
So ist Marco Laufenberg also seit 1999 fester Bestandteil des deutschen Show-Business, und doch hat das breite Fernsehpublikum ihn nie zu Gesicht bekommen. „Ich fühle mich wohl in der Underdog-Rolle, ich brauche keine Ansage, ich bin einfach irgendwann da“, schildert der Applausmeister.
Reich wird man in diesem bunten Beruf laut Laufenberg nicht. Mal sieht die Auftragslage besser aus, mal schlechter. „Ich verdiene im Schnitt so viel wie bei einem normalen Nine-to-Five-Job“, erklärt er.
Ehrenamt im Repair-Café

Ehrenamt: Marco Laufenberg ist im Mucher Repair-Café-Team für Fahrräder zuständig.
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Marco Laufenberg ist abseits der Bühnen viel mit dem Fahrrad unterwegs. Als der begeisterte Rennradler Kontakt zum Repair-Café in Much hatte, bot er seine Dienste an und macht seitdem ehrenamtlich kleinere Reparaturen, wechselt Verschleißteile, flickt platte Reifen oder stellt die Schaltung ein, alles, was er kann. An die Elektronik von E-Bikes traue er sich aber nicht heran. Sein Angebot ist eng mit dem Fahrradhandel Esch aus Seelscheid abgestimmt.
Frank Esch repariert fast nur noch Fahrräder, die bei ihm gekauft wurden. Die Wartezeiten sind häufig lang. Bei Reparaturanfragen empfehle er mittlerweile gerne das Repair-Café in Much, eine Entlastung für Eschs Geschäft und Karma-Punkte für Marco Laufenberg. „Ich finde, wenn man was kann, soll man helfen“, so der Rennradfahrer. Außerdem bewahrt er gerne Fahrräder davor, vorzeitig weggeworfen zu werden. Anfragen zu dem Fahrrad-Service laufen über Hartmut Erwin, Telefon 02245/5902. Die Termine finden nicht zu den üblichen Zeiten des Repair-Cafés, sondern individuell in Laufenbergs Garage statt.
