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35.528 UnterschriftenPetition für geflüchtete Familie aus Much an Landrat übergeben

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Naima Farhane, mit der kleinen Aischa auf dem Arm, übergibt Landrat Sebastian Schuster die Petition mit 35.528 Unterschriften.

Naima Farhane, mit der kleinen Aischa auf dem Arm, übergibt Landrat Sebastian Schuster die Petition mit 35.528 Unterschriften.

Ein Bleiberecht für die marrokanische könne nicht versprochen werden, sagte der Landrat. Die Petition mit 35.000 Unterschriften sei beeindruckend.

Der Unterstützerkreis von Naima Farhane und Ali Hadri hat eine Petition mit 35.000 Unterschriften an Landrat Sebastian Schuster übergeben. Dadurch wollen sie ein Zeichen an die Ausländerbehörde senden, damit das marokkanische Ehepaar mit seinen beiden Kindern in Much bleiben darf. Enttäuscht sind sie indes von Bürgermeister Karsten Schäfer, der jegliche Einladungen, die Familie kennenzulernen, bisher ausgeschlagen hat.

Naima Farhane (29) und Ali Hadri (32) kamen vor knapp vier Jahren nach Deutschland, seit drei Jahren leben sie in Much. Ihre Kinder kamen in Deutschland zur Welt, Hadri arbeitet als Trockenbauer. Ihre Asylanträge waren ablehnt worden, ebenso ein Antrag der Härtefallkommission des NRW-Landtags.

Bleiberecht wegen besonderer Integration ist Hoffnung der Unterstützer

Die Entscheidung, ob die vierköpfige Familie ein Bleiberecht erhalten soll, trifft nun die Ausländerbehörde des Rhein-Sieg-Kreises in finaler Zuständigkeit. Hoffnung macht den Unterstützerinnen und Unterstützern um Amayi Breuer Paragraph 25b des Aufenthaltsgesetzes, nachdem ein Bleiberecht wegen besonderer Integration möglich ist.

Kundgebung für die Mucher Familie am 6. Juni, organisiert vom Unterstützerkreis um Amayi Breuer.

Kundgebung für die Mucher Familie am 6. Juni, organisiert vom Unterstützerkreis um Amayi Breuer.

Voraussetzung ist, dass ein Ausländer vier Jahre in Deutschland lebt – was bei den marokkanischen Eltern im August der Fall sein wird. Genau der richtige Zeitpunkt, um Landrat Sebastian Schuster und Gabriele Neugebauer, Leiterin der Ausländerbehörde, die Petition mit 35.528 Unterschriften zu übergeben, fand Breuer. Zusammen mit Naima und der kleinen Tochter Aischa übergab sie die Liste und weitere Dokumente, die das Engagement der Familie in Much nachweisen sollen, an die Behördenleiter.

35.000 Unterschriften sind beeindruckend, das können nicht viele Leute von sich sagen. Deswegen wollen wir Wertschätzung für dieses Engagement entgegenbringen.
Landrat Sebastian Schuster

Schuster fand Worte der Anerkennung: „35.000 Unterschriften sind beeindruckend, das können nicht viele Leute von sich sagen. Deswegen wollen wir Wertschätzung für dieses Engagement entgegenbringen“, sagte er. Das Ausländeramt in Deutschlands zweitbevölkerungsreichstem Landkreis prüfe jeden Fall genau. Neugebauer ergänzte: „Eine Zusage für ein Aufenthaltsrecht können wir damit aber noch nicht machen, das geht frühestens im August. Bis dahin wollen wir die Dokumente genau durcharbeiten.“

Amayi Breuer; Gabriele Neugebauer, Leiterin der Ausländerbehörde; Naima Farhane mit Aischa und Landrat Sebastian Schuster bei der Übergabe der Petition.

Amayi Breuer; Gabriele Neugebauer, Leiterin der Ausländerbehörde; Naima Farhane mit Aischa und Landrat Sebastian Schuster bei der Übergabe der Petition.

Amayi Breuer hatte sich in den vergangenen Monaten besonders für die Familie eingesetzt. Die Eltern beteiligen sich an einem solidarischen Landwirtschaftsprojekt und im Begegnungszentrum Villa Much. Am ersten Samstag im Juni fand auf dem Mucher Kirchplatz ein buntes Familienfest statt: Zahlreiche Menschen kamen zu der Kundgebung und ließen sich mit den Ehrengästen fotografieren. Es fehlte jedoch Bürgermeister Karsten Schäfer. Denn obwohl die Familie in Much Wurzeln geschlagen hat, habe Schäfer die Einladung der Unterstützer ausgeschlagen.

Ich glaube schon, dass politischer Druck etwas verändern kann, unabhängig von der Form. Ich hätte mir mehr Einsatz durch Herrn Schäfer gewünscht.
Amayi Breuer, Unterstützerin der Mucher Familie

„Wir haben im Dezember einmal telefoniert. Auf die Einladung zur Kundgebung auf dem Kirchplatz hat er gar nicht reagiert“, sagt Breuer. Auch die symbolische Entgegennahme aller gesammelten Unterschriften für den Verbleib der Familie lehnte er ab, über eine Gemeindemitarbeiterin ließ er ausrichten, dass die Gemeinde nicht für den Fall zuständig sei und Breuer sich an den Rhein-Sieg-Kreis wenden solle. Das kann sie nicht verstehen: „Ich glaube schon, dass politischer Druck etwas verändern kann, unabhängig von der Form. Ich hätte mir mehr Einsatz durch Herrn Schäfer gewünscht, weil Naima und Ali seit drei Jahren in Much leben und sich stark engagieren“, sagt sie.

Schäfer bestätigt auf Anfrage die Anrufe und Nachrichten von Amayi Breuer. „Wir haben erstmals im Dezember telefoniert, da hat sie mir erklärt, worum es genau geht. Ich habe daraufhin aber dargelegt, warum ich die Familie nicht unterstützen kann.“ Als Chef der Gemeindeverwaltung sei er nicht zuständig für Asylverfahren und das Aufenthaltsrecht der Familie. „Diese Entscheidung liegt bei der Ausländerbehörde des Rhein-Sieg-Kreises. Es gehört sich unter Kollegen nicht, dem anderen Amt dazwischen zu grätschen – das möchte ich selbst in meiner Arbeit auch nicht“, sagt Schäfer.

Mucher Bürgermeister informierte sich beim Kreis über Verfahren der Familie

Gleichwohl habe er sich beim Kreis über den Stand der Dinge bei dem Verfahren der Mucher Familie erkundigt. „Es sieht gut aus“, so sein Urteil. Die Einladung zu der Kundgebung auf dem Kirchplatz sei eine privat organisierte Veranstaltung gewesen. „Ich erhalte von Bürgerinnen und Bürgern regelmäßig Einladungen zu verschiedenen Anlässen. Wenn ich denen alle folge, komme ich zu nichts anderem mehr.“

Schäfer bekräftigt, als Bürgermeister an die Neutralitätspflicht gebunden zu sein. Zugleich wolle er keine falsche Hoffnung bei Naima Farhane und Ali Hadri wecken. „Es macht den Betroffenen Mut, wenn der Bürgermeister sich für sie einsetzt, aber wenn es nicht klappt, ist die Enttäuschung umso größer – das finde ich nicht gut“, erklärt Schäfer.

Er kritisiert, dass die jungen Marokkaner gegenüber der Behörde angegeben hatten, ihre Pässe verloren zu haben – was die Unwahrheit war und die Aussichten in einem Asylverfahren verschlechtern kann. Mittlerweile hat das Ehepaar die Originalpässe vorgezeigt. „Wir können uns das Recht nicht zurechtbiegen, wie es uns passt. Ein persönliches Schicksal, so verständlich dieses auch ist, darf man da nicht mit einbeziehen“, so Schäfer. Bis eine endgültige Entscheidung getroffen sei, werde er bei seiner Haltung bleiben. „Ich würde mich aber freuen, wenn die Familie bleiben kann“, ergänzt er.