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„Denkwürdiger Abend“Sänger Paul Radau flieht mit Konzertbesuchern vor Sturm in Kirche

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Mucher Sommer: Sänger Paul Radau in der Ruhe vor dem Sturm bei seinem Auftritt.

Mucher Sommer: Sänger Paul Radau in der Ruhe vor dem Sturm bei seinem Auftritt.

Bei der Veranstaltung in Much ging zunächst alles gut. Dann fegte das große Unwetter über den Kirchplatz, und es wurde gefährlich.

Als Paul Radau auf der Bühne stand, konnte er noch nicht wissen, dass ihm fünf Minuten später sein zuvor aufgebauter Faltpavillon um die Ohren fliegen würde. Nur 20 Minuten, nachdem der Musiker am Freitag auf dem Mucher Kirchplatz begonnen hatte zu spielen, zog das große Unwetter über die Gemeinde und zwang das Publikum auf dem gut besuchten Platz, sich unter dem eigentlich zum Sonnenschutz gedachten Schirm zu kauern und es irgendwie auszuhalten.

Mucher Sommer: Als der Regen kam, flüchteten sich die Gäste in die Kirche und feierten dort einfach weiter.

Mucher Sommer: Als der Regen kam, flüchteten sich die Gäste in die Kirche und feierten dort einfach weiter.

Nicht ungefährlich war die Situation, in der auch die aufgebauten Bänke vom Sturm durch die Gegend gefegt wurden. Die Rettung war der Schlüssel zur Kirche, den Paul Radau schließlich zückte und das Publikum einlud, dort weiter zuzuhören. Während Starkregen und Hagel an die Kirchenfenster schlugen, wurde „I Can See Clearly Now The Rain Is Gone“ gesungen, die verbliebenen etwa 30 Gäste waren jetzt zumindest von oben trocken. Der klitschnasse Paul Radau sang noch etwa eine Stunde seinen gewohnten Mix aus Rock, Pop und Kölsch.

Haushaltslage erschwert Sommerkonzerte in Much

Dass in Much überhaupt noch live musiziert wird, ist übrigens keine Selbstverständlichkeit mehr. Seit diesem Jahr ist es der Gemeinde untersagt, freiwillige Ausgaben, wie etwa für Kultur, zu tätigen. „Ich habe dafür Verständnis“, betonte Radau angesichts der desolaten Haushaltslage. Vor sechs Jahren hatte er noch mit der Gemeinde und dem Verein Much-Marketing den Mucher Sommer ins Leben gerufen. Eine Konzertreihe mitten in der Corona-Krise, unter Auflagen im Freien.

Mittlerweile organisiert er die Sommerkonzerte komplett allein. „Geringer Aufwand, geringe Kosten, geringer Verlust“ ist der Gedanke des Musikers, der die Veranstaltungen gerade wegen unvorhergesehener Ereignisse wie am vergangenen Freitag möglichst klein halten möchte.

Dass in Much keine Livemusik mehr erklingt, kann er sich nicht vorstellen. „Ich finde das wichtig, und mir mir macht das Spaß, sowas zu organisieren“, erklärt der Musiker. Die Gage, die er für den Abend bekommt, besteht nur aus dem, was er mit dem Hut einsammelt, GEMA und Haftpflicht abgezogen. Das Risiko, weitere Mucher Bands ins Boot zu holen, die er bezahlen müsste, möchte er deshalb nicht eingehen. Ein heftiges Gewitter kann dieser Tage nämlich immer aufziehen.

„Es war für alle ein denkwürdiger Abend“, resümierte Radau am Ende. Sein Zelt kann er übrigens nicht mehr gebrauchen, das Gestänge ist vom Sturm völlig verbogen. „Und das war kein billiges Zelt.“