Seit über 40 Jahren engagiert sich Joseph Lütke Entrup für das Projekt. Erstmalig kam die Leiterin, Schwester Felister, nach Deutschland.
„Oase des Glücks“88-jähriger Neunkirchen-Seelscheider setzt sich für Projekte in Afrika ein

Joseph Lütke Entrup mit Schwester Felister in seinem Garten. Die beiden kennen sich seit vier Jahren.
Copyright: Marius Fuhrmann
Entwicklungshilfe muss nicht immer von großen Organisationen kommen: Der 88-jährige Joseph Lütke Entrup aus Neunkirchen-Seelscheid engagiert sich seit mehr als 40 Jahren in einem Mädchenheim in Kenia. Nun hat er dessen Leiterin, Schwester Felister, erstmalig zu einem Gegenbesuch in Deutschland eingeladen. Sie trifft dabei viele Spenderinnen und Spender, und erzählt gemeinsam mit Lütke Entrup von ihrer Arbeit.
Entstanden ist der Kontakt zu den Edelvale Homes, wie das Mädchenheim heißt, vor mehr als 40 Jahren. Lütke Entrup arbeitete für die Konrad-Adenauer-Stiftung, unterstützte die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen in Sambia, Kamerun, Nigeria. Auch nach Kenia kamen er und seine Frau, die Hauptstadt Nairobi wurde fünf Jahre ihr Zuhause. „Meine Frau leitete Kurse für Schwangerschaftsgymnastik im Krankenhaus des Ordens, so kam ich mit der damaligen Leiterin des Mädchenheims in Kontakt“, erzählt Lütke Entrup.
Joseph Lütke Entrup baut Unterstützernetzwerk für Mädchenheime auf
Das war 1983, seitdem kam er sehr oft wieder. Das Budget war klein, darum baute Lütke Entrup ein Unterstützernetzwerk aus über 60 Spendern auf, darunter dem Lions Club Neunkirchen-Seelscheid. „Vor etwa 20 Jahren wurde die finanzielle Unterstützung immer bedeutender, denn von mir kommt der größte Anteil, den die Einrichtung erhält“, sagt der Bundesverdienstkreuz-Träger nicht ohne Stolz. Auch sein Bruder Paul engagiere sich sehr stark.

In diesen Unterkünften leben die Mädchen der Edelvale Homes - ihr Zuhause wäre sonst ein Slum.
Copyright: Paul Lütke Entrup
Die Edelvale Homes gehören zum 1959 gegründeten Dachverband Edelvale Trust, der wiederum von einem Orden geführt wird. Der Verband leistet allerdings keine finanzielle Unterstützung, sondern vertritt seine Einrichtungen gegenüber staatlichen Stellen. Finanziert wird die Arbeit fast ausschließlich über Spenden. Zum Edelvale Trust gehören unter anderem noch eine Schule und ein Krankenhaus. Das Mädchenheim liegt in der Hauptstadt Nairobi und befindet sich unweit des Soweto-Slums, der noch heute existiert.
Es ist eine Oase des Glücks – jedes Kind in Kenia sollte diese Möglichkeit haben, aber wir wissen, dass das nicht möglich ist.
Das ist kein Zufall, erklärt Schwester Felister auf Englisch: „Die Edelvale Homes wurden gegründet, um die Mädchen daraus zu retten, damit sie sich erholen und unterrichtet werden können. Es sind Waisen oder sie haben Eltern, die sie vernachlässigen. Zugleich ist es ein sicherer Ort, der sie vor Ausbeutung und Zwangsheirat schützt.“ Dies bringe eine bessere Zukunft für den Slum. Der christliche Glaube spielt dabei eine große Rolle. „Die Mädchen machen Küchenarbeit, lernen Hauswirtschaft und Gartenarbeit. Es ist eine Oase des Glücks – jedes Kind in Kenia sollte diese Möglichkeit haben, aber wir wissen, dass das nicht möglich ist“, ergänzt Lütke Entrup.

In den Edelvale Homes lernen die Mädchen unter anderem Haus- und Gartenarbeit.
Copyright: Paul Lütke Entrup
Joseph Lütke Entrup ging 2001 in Rente, gealtert ist der 88-Jährige seitdem nur äußerlich. „Endlich hatte ich mehr Zeit, mich um die Edelvale Homes zu kümmern.“ Er pflegte die Kontakte zu den Spenderinnen und Spendern und unterstützte die Entwicklung des Mädchenheims. 2012 finanzierte der Neunkirchen-Seelscheider Lions Club zusammen mit anderen Clubs sechs Regenwasserspeicher – eine wichtige Wasserquelle für die Einrichtung. Apropos Regen: „Während der Regenzeit ist die Umgebung sehr grün und üppig“, schwärmt Lütke Entrup.
Gruppe aus Nairobi reist auch noch an andere Orte in Deutschland
Schwester Felister lernte er vor vier Jahren kennen. Die Ordensfrau ist seit 2020 Leiterin der Edelvale Homes. „Wir schätzen den Kontakt sehr, nicht nur finanziell. Es ist eine tiefe Partnerschaft. Aus Mädchen werden selbstbewusste Frauen. Auch sie sind sehr dankbar und fühlen sich ermutigt, weil sie nicht allein sind.“ Auch persönlich ist Schwester Felister ihren Freunden aus Deutschland dankbar, denn ohne sie hätte sie sich die dreiwöchige Reise nicht leisten können.
Für sie geht es noch in den Kölner Dom und ein kölsches Brauhaus, sie wünschte sich außerdem einen Besuch in der Niederlande. Davor reist die Gruppe aber noch nach Münster, wo der charismatische Lütke Entrup herkommt und ebenfalls „Bettelbriefe“, wie er es nennt, schreibt. Die Ordensfrau ist von Deutschland beeindruckt: „Hier ist es so sauber und der Nahverkehr funktioniert. Die Autos halten an einer roten Ampel, in Nairobi ist dagegen reines Chaos. Es gibt hier auch kaum Polizisten auf den Straßen“, hat sie festgestellt.
2024 war Lütke Entrup zuletzt in Kenia, doch er möchte noch viele weitere Male dorthin fliegen. „Es ist beeindruckend, die Schulbildung der Mädchen zu sehen“, sagt er. „Es ist eine Partnerschaft und zugleich eine Freundschaft. Mir persönlich hat das Engagement einen tieferen Einblick in Afrika gegeben, als ich ihn durch meine Arbeit erhalten habe.“ Zugleich ist ihm bewusst, dass ohne ihn das Unterstützernetzwerk womöglich zusammenbreche. „Es gibt noch keinen Nachfolger, aber irgendwann müsste ich das wohl in die Hände eines Jüngeren geben“, sagt Lütke Entrup. Wichtiger ist ihm jedoch, weiterhin Spenden für sein Herzensprojekt zu erhalten.
