Die beliebte Büttenredner-Figur hat auf dem karnevalistischen Winterfest längst Kultstatus.
Kittel, Krawatte,Hut, SpazierstockDöörper Prätscher Hans-Peter Hohn tritt in Ruppichteroth zum 30. Mal auf

Auch bei seinem 29. Auftritt beim karnevalistischen Winterball lästerte Hans-Peter Hohn 2025 als Döörper Prätscher. (Archivbild)
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Prätscher steht für einen Schwätzer, und der Döörper ist natürlich ein Bewohner aus dem Dorf. Zusammen ergibt das die Kunstfigur Döörper Prätscher, die am 24. Januar beim karnevalistischen Winterfest des TV Ruppichteroth zum 30. Mal in die Bütt steigt.
Hinter dem Büttenredner und der Kultfigur Döörper Prätscher steht Hans-Peter Hohn, der sich noch gut an die Erfindung des Mundart-Schwätzers im Jahr 1995 erinnert. „Die CDU um den damaligen Bürgermeister Ludwig Neuber hatte 1994 bei der Kommunalwahl mit einer erdrutschartigen Niederlage von über 50 Prozent auf nur noch gut 30 Prozent die Wahl in Ruppichteroth verloren“, erinnert sich der heute 69-Jährige.
Winterscheid wird aufs Korn genommen
„Da habe ich gedacht, dieses ungewöhnliche Ereignis muss man doch mal durch den Kakao ziehen.“ Natürlich musste es als Figur einer aus dem Dorf sein – also ein Döörper. Da kam Hohn zupass, dass er in der kleinen Ortslage Ahe vor den Toren Ruppichteroths auf einem Bauernhof geboren und groß geworden war. Die Mundartsprache wurde ihm von Großvater und Vater in die Wiege gelegt.

Einer der ersten Auftritte Hans-Peter Hohns als Döörper Prätscher beim Winterball.
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Andeutungen, Vermutungen oder auch Unterstellungen – das sind vom ersten Auftritt an die Charaktereigenschaften des Prätschers. Mit scharfsinnigem Humor, aber auch unnachahmlichem Lokalkolorit beschäftigt sich Hohn in seinen Büttenreden mit dem kommunalpolitischen Geschehen. Ein bekannter Politiker habe ihm mal verraten, dass er gern auch all die politische Kritik mal so wie der Prätscher formulieren wolle.
Aber auch Themenkomplexe wie Ortsteile, Vereinsleben oder Jubiläen in der Bröltalgemeinde nimmt Hohn aufs Korn. Der Döörper Prätscher weiß grundsätzlich alles besser, wird aber leider nie gefragt. Er legt stets den Finger in die Wunde und zieht genüsslich über örtliche Begebenheiten sowie lokale Persönlichkeiten her.
Beim bevorstehenden Winterball wird der Prätscher also sicherlich noch mal über den verabschiedeten Bürgermeister Mario Loskill herziehen, und auch sein Nachfolger Matthias Jedich wird sein Fett abbekommen. Dieser kommt ausgerechnet aus Winterscheid, das seit Jahren vom Döörper Prätscher immer nur als „Honger Kuchem“ bezeichnet wird. Damit bezieht sich Hohn auf die Lage Winterscheids, aus Ruppichterother Sicht hinterwäldlerisch hinter dem Ort Kuchem.
2021 gab es eine Pause wegen Corona
Er sammele das gesamte Jahr Themen für seine Büttenrede. Wenn die Karnevalszeit und somit das Ruppichterother Winterfest im Januar oder Februar ansteht, gehe es meist schnell. Er achte genau darauf, dass seine Reden stets einen roten Faden hätten. Zu Beginn der Karriere des Prätscher dauerten die Vorträge schon mal bis zu 45 Minuten. Heute beschränkt sich Hans-Peter Hohn auf 30 Minuten.
„Ich trete in den letzten Jahren auch immer gleich zu Beginn der Sitzung auf. Das Publikum hat sich verändert. Es sind immer mehr Jüngere, die mit der Mundartsprache zum Teil auch nicht mehr so viel anfangen können“, berichtet er.
„Es hat mir all die Jahre unglaublich viel Spaß gemacht und der großartige Zuspruch hat nicht nachgelassen“, betont Hohn, der sich auf seinen 30. Auftritt am 24. Januar beim Winterfest des TV Ruppichteroth freut. Wegen der einjährigen Corona-Pause im Jahr 2021 geht er somit schon seit 31 Jahren in die Bütt.
In Much wird aber wiederum ein ganz anderes Platt als in Ruppichteroth gesprochen.
Natürlich wird Hohn wieder in seinem Biedermann-Outfit begeistern. Grüner, klassischer Kittel, Krawatte, grüner Hut und der Spazierstock dürfen nicht fehlen.
Den Hauptauftritt hat die Kultfigur natürlich wie in jedem Jahr auf dem Winterfest. Aber auch im Umland tritt Hohn gelegentlich auf. So trug er im vergangenen Jahr seine Rede bei einer Seniorensitzung und in einer Awo-Einrichtung vor.
Aber auch in Much, Neunkirchen-Seelscheid, Windeck und sogar der Karnevalsdiaspora Nümbrecht sei er schon aufgetreten. Zuletzt hatte er die Ehre, Muchs Bürgermeister Norbert Büscher mit einer Abschiedsrede zu beglücken. „In Much wird aber wiederum ein ganz anderes Platt als in Ruppichteroth gesprochen“, betont Hohn. Ein weiterer Höhepunkt der langen Karriere des Prätschers war der Auftritt bei der Verabschiedung von Landrat Frithjof Kühn.
45 Jahre beim Rhein-Sieg-Kreis tätig
„Gerade die Älteren in der Bevölkerung können die Mundart noch sehr gut verstehen“, sagt Hohn, der stolz berichtet, dass er vor etlichen Jahren zwei Grundschulkindern die Sprache beigebracht habe. Das Mädchen und der Junge haben daraufhin den Mundartwettbewerb des Rhein-Sieg-Kreises in den Jahren 2018 und 2019 gewonnen. „Das Mädchen ist heute Schülersprecherin am Bodelschwingh-Gymnasium.“
Hohn war 45 Jahre lang für den Rhein-Sieg-Kreis tätig. Der Diplom-Verwaltungswirt war vor seinem Ausscheiden jahrelang stellvertretender Kreiswirtschaftsförderer und moderierte etliche Jahre den Prinzenempfang des Landrats.
Der Sohn eines Bauern und Bestatters ist zwar beruflich nicht in die Fußstapfen von Vater und Großvater getreten. Doch sein Bruder habe den Beruf des Bestatters übernommen und mittlerweile auch sein eigener Sohn, worauf er stolz ist.
Der Büttenredner denkt derweil noch lange nicht ans Aufhören. „Ich glaube nicht, dass mir die Themen ausgehen“, sagt Hohn und flachst: „Mal schauen, wie lange die Menschen den Prätscher noch ertragen können.“

