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KI im DorfWissenschaftsministerin besuchte „Denkschmiede“ in Ruppichteroth-Winterscheid

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Wissenschaftsministerin Ina Brandes informierte sich bei Unternehmer Felix Kuhne über betriebliche Anwendungen von KI.

Wissenschaftsministerin Ina Brandes informierte sich bei Unternehmer Felix Kuhne über betriebliche Anwendungen von KI.

Das Regionale 2025-Projekt hatte zu einer Konferenz unter dem Titel „KI.Zukunft.regional - Forum für Handwerk und Industrie“ eingeladen.

Der alte Kuhstall an der Wendelinusstraße in Ruppichteroth-Winterscheid hat sich in einen ansprechenden Konferenzort verwandelt. Dr. Sonja Kieffer-Radwan hat mit ihrem Team Beachtliches geleistet bei der Umsetzung des Regionale-2025-Projekts. Die „Denkschmiede“ war nun Gastgeber für eine bemerkenswerte Konferenz.

Künstliche Intelligenz (KI) im ländlichen Raum, für Industrie und Handwerk: Das ist alles andere als Zukunftsmusik, sondern bereits gelebte Praxis. Der Landtagsabgeordnete Björn Franken eröffnete in seiner Funktion als Vorsitzender der „Enquetekommission Künstliche Intelligenz“ die Veranstaltung, die Praktiker ebenso anzog wie Wissenschaftler, Politiker, Experten aus der Wirtschaft, dem Handwerk und von Institutionen.

Die Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Ina Brandes, besuchte in der Denkschmiede in Ruppichteroth-Winterscheid die Konferenz „KI.zukunft.regional – Forum für Handwerk und Industrie“.

Die Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Ina Brandes, besuchte in der Denkschmiede in Ruppichteroth-Winterscheid die Konferenz "KI.zukunft.regional – Forum für Handwerk und Industrie".

Eine zentrale Frage sprach er an: „Wie bekommen wir gute Unternehmen und Ideen aus der Forschung an den Markt?“ Für den ländlichen Raum nannte er das Handwerk als wichtigen Katalysator. Es waren mit Elektromeister Nenad Heim und Ingo Strang von Schneider Electric zwei Vertreter aus Handwerk und Industrie, die in ihrem Impulsvortrag mit Praxisbeispielen klar machten, wie tief und im positiven Sinne symbiotisch das Thema schon angekommen ist.

Sie zeigten, wie weit die KI im Gebäudemanagement und bei der Planung von gut und sicher funktionierenden Häusern Einzug gehalten hat, etwa bei der Sichtung projektbezogener Vorschriften und Normen. Strang erklärte, heute würden nicht mehr nur Hardwarelösungen verkauft, sondern den Teilen werde ein Mehrwert mitgegeben, etwa das Modul zur Messung von Energiemengen beim Leitungsschutzschalter.

Einen Überblick zu behalten ist unmöglich. Sie als Unternehmer müssen Chancen verstehen.
Monika Löber, stellvertretende Geschäftsführerin der Kompetenzplattform KI.NRW

Monika Löber, stellvertretende Geschäftsführerin der Kompetenzplattform KI.NRW, erklärte in einem Vortrag, was KI ist, wie sie funktioniert und inwieweit sie schon in das Leben der Gesellschaft eingedrungen ist. Ihr Bild eines Werkzeugkastens, eines Methodenbaukastens war überzeugend und dazu geeignet, die Angst vor dem Einstieg zu nehmen: „Einen Überblick zu behalten, ist unmöglich. Sie als Unternehmer müssen Chancen verstehen.“

Analytische versus generative KI stellte sie vor, Prognose, Überwachung und Optimierung, Generieren von Marketingverhalten und internes Wissensmanagement. Sie plädierte dafür, den Menschen ins Zentrum der KI-Nutzung zu stellen und vom Kunden her zu denken, aber auch den  Mitarbeitenden im Blick zu behalten.

Monika Löber, stellvertretende Geschäftsführerin der Kompetenzplattform KI.NRW, plädierte dafür, den Menschen in den Mittelpunkt der KI-Nutzung zu stellen.

Monika Löber, stellvertretende Geschäftsführerin der Kompetenzplattform KI.NRW, plädierte dafür, den Menschen in den Mittelpunkt der KI-Nutzung zu stellen.

„Starten Sie mit denen, die affin sind. Welches Problem soll gelöst werden? Das gehört zu Beginn definiert“, so Löber. „Nutzen Sie als Unternehmer die KI, ihre Mitarbeitenden tun es sonst heimlich.“ Sie bot die Hilfe ihrer Plattform bei der Beratung für effiziente Prozesse und neue Kundenlösungen an.

Wenn wir nicht mitmachen, sind wir weg vom Markt.
Felix Kuhne, Unternehmer aus Sankt Augustin

Dr. Stefan Ungruh von Scienceloft bat anschließend ein hochkarätiges Podium nach vorn. Felix Kuhne, der gerade das mittelständische Unternehmen mit 250 Mitarbeitenden von seinem Vater übernommen hat, machte deutlich, dass er das Thema sehr ernst nehme, aber sich nicht verrückt machen lassen wolle. „Wir sind beim Datensammeln“, beschrieb er den Prozess des Einstiegs, „wenn wir nicht mitmachen, sind wir weg vom Markt.“

Professor Dr. Giuseppe Strina von der Universität Siegen sucht den intensiven Kontakt mit dem Handwerk, er schickt seine Studierenden bewusst in Betriebe. Dr. Daryoush Vaziri von der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg (H-BRS) sprach sich für digitale Souveränität, insbesondere von US-amerikanischen Techunternehmen, aus. Bernhard Christ von der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg bot seine Unterstützung im KI-Fördermittel-Dschungel an. Joachim Decker von der Handwerkskammer zu Köln forderte auf, die Willigen zu finden, die in den Firmen KI implementieren könnten.

Vor der Mittagspause arbeiteten die Teilnehmer intensiv an verschiedenen Themen, von KI-Tools für Kundenbindung über Prompt Engineering in der betrieblichen Praxis bis zu Co-Spaces als Motor für Innovationsformate, gerade im ländlichen Raum.

Kreiswirtschaftsförderin Regina Rosenstock begrüßte die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes, Ina Brandes. In ihrem Impuls verwies sie auf Erfolge ihrer Regierung bei der Transformation von der Kohle zur KI. NRW ist eines der Innovationszentren in Europa, betonte sie. Sie stellte Jupiter vor, „den leistungsstärksten Computer in Europa“, öffentlich gefördert und nicht abhängig von US-Großkonzernen und chinesischen Unternehmen, „nicht abhängig von autokratiegeführten Regimes“.

In Workshops diskutierten die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer die betrieblichen Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz. Workshop.

In Workshops diskutierten die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer die betrieblichen Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz. Workshop.

Das Drumherum und die Bereitstellung eines wissenschaftlichen Ökosystems hob sie hervor, benannte die Schwerpunkte Informatik und Robotik der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg. „Die Transferarbeit aus den Hochschulen ist extrem wichtig“, erklärte sie. Sie wolle Hochschulen anders in das Konzept lebenslangen Lernens einbinden und wünsche sich, dass alle Beteiligten weniger in Konkurrenz, sondern in Kooperation dächten.

Der Wissenstransfer von der Hochschule in die Unternehmen soll so schnell wie möglich funktionieren

Den unterschiedlichen Bedarf von Hochschule, Politik, Wirtschaft und Verwaltung wolle sie in Netzwerken ausloten, damit der Wissenstransfer so schnell wie möglich in Betriebe und Unternehmen funktionieren könne.

In der abschließenden Podiumsdiskussion lobte Brandes das Praxisbeispiel der Denkschmiede. Der Geschäftsführer der Regionale 2025, Reimer Molitor, bestärkte die Bedeutung regionaler Transferorte in der Region mit Professor Dr. Marion Halfmann, der Präsidentin der H-BRS, Claudia Betzing, Geschäftsführung der IHK Bonn/Rhein-Sieg, und Friedel Heuwinkel, Leiter des Instituts des Mittelstands.