Am Anfang glaubten nur wenige, dass aus der Idee, auf dem Gelände am Bonner Rheinufer ein Open-Air-Festival zu organisieren, wirklich eine Erfolgsgeschichte wird. Hochwasser, Brandstiftung und die Klagen eines Anwohners wegen der Lärmbelästigung sorgten für reichlich Startschwierigkeiten.
Aber die Konzertreihe hat sich etabliert. Lou Reed war Ende Juni 2012 der erste Künstler, der auf dem Gelände gespielt hat. Im Auftaktjahr gab es acht Konzerte, im vergangenen Jahr wurde mit 24 Veranstaltungen, die 121.000 Fans angezogen haben, ein neuer Rekord aufgestellt.
KunstRasen Bonn: 2027 rund 30 Shows in Planung
„Wir haben uns vorgenommen, das 2027 zu steigern. Es werden bis zu 30 Veranstaltungen und wir hoffen auf 140.000 Menschen, die zu uns kommen“, sagte Geschäftsführer Martin Nötzel am Donnerstag (15. Oktober 2026) beim Pressegespräch zum Jubiläumsjahr.
Stars wie Bryan Adams, Simply Red und Nico Santos waren bereits angekündigt. Auch dank des bereits ausverkauften Auftritts der Fantastischen Vier sind bisher 25.000 Tickets für das kommende Jahr abgesetzt worden. Neu im Programm ist nun die Band Toto, die ihre Hits „Africa“, „Rosanna“ und „Hold the Line“ am 12. Juli präsentieren wird.
Am Mittwochabend hatte Rapper Marteria 12.000 Fans zu seinem Konzert in die Lanxess-Arena gelockt. Der neue Wahl-Kölner, der Hits wie „Lila Wolken“ und „Kids (2 Finger an den Kopf)“ hat, kommt am 25. Juli auf den KunstRasen.

Marteria (l.) hatte am Mittwochabend das Team Rhythmusgymnastik und Querbeat beim Konzert in der Lanxess-Arena auf der Bühne. Im kommenden Jahr tritt der Rapper in Bonn auf.
Copyright: AMG
„Es kommen noch weitere tolle Bands nach Bonn. Das Gelände ist etabliert. Die Künstler, die schon mal hier waren, kommen gerne wieder, weil das Ambiente so schön ist“, sagt Mitveranstalter Ernst-Ludwig Hartz. „Aber wir stehen in einem harten Wettbewerb. Dennoch haben wir es geschafft, uns zu behaupten.“
Seit dem Auftakt der Konzertreihe vor 15 Jahren ist das Thema Schallschutz dominierend. Verschiedene Maßnahmen zeigen inzwischen deutlich Wirkung. Gleichzeitig wird der Klang kontinuierlich besser. „Wir sind inzwischen besser, als wir sein müssen“, sagt Nötzel.
Die Auftritte von Brings, Montez, Zaz und Moby waren in der vergangenen Saison bei der Stadt als sogenannte „seltene Ereignisse“ mit höherem Lärmpegel angemeldet worden. Letztlich kamen in Beuel am Messpunkt nur noch unter 50 Dezibel an.
KunstRasen in Bonn: Das bisherige Programm für 2027
- 4. Juli 2027: Klassik-Picknick mit dem Beethoven-Orchester Bonn
- 6. Juli 2027: Bryan Adams
- 7. Juli 2027: Simply Red
- 10. Juli 2027: Mo-Torres
- 11. Juli 2027: Nico Santos
- 12. Juli 2027: Toto
- 15. Juli 2027: Alligatoah
- 18. Juli 2027: Classic-Rocknacht
- 23. Juli 2027: Die Fantastischen Vier – ausverkauft
- 25. Juli 2027: Marteria
- 26. August 2027: Dick Brave
- 27. August 2027: Rheinkilometer 652 mit Paula Hartmann, Dilla u. a.
Roland Kaiser war beispielsweise auf dem Konzertgelände 35 Prozent lauter als bei seinem Auftritt 2023, beim klagefreudigen Anwohner jedoch zehn Prozent leiser. Für die Bemühungen um die Schallminderung erhielt der KunstRasen in diesem Jahr von der Initiative Musik eine Förderprämie von 217.000 Euro. „Uns ist keine Spielstätte bekannt, die ähnlich erfolgreich massive Schallprobleme in der Nachbarschaft so erfolgreich beheben konnte“, sagt Nötzel.

The BossHoss bei ihrem Auftritt im vergangenen August in Bonn. Die Künstler suchten den Kontakt zum Publikum.
Copyright: Imago/Marc John
Dennoch stehen die Macher vor der Jubiläumsausgabe erneut vor großen Problemen. Das gesamte Kostenvolumen für Infrastruktur, Personal und Gagen verschlingt rund 14 Millionen Euro. Alles das muss ohne öffentliche Subventionen durch die Stadt verdient werden, weil diese ins städtische Theater mit Oper und Schauspiel fließen. Die Ticketpreise gehen in die Höhe, weil die Stars immer höhere Gagen verlangen. Gleichzeitig sinkt der Bierkonsum. Dafür wird deutlich mehr Wein verkauft.
Im November ist ein Treffen mit der Stadt Bonn anberaumt. Die Verantwortlichen haben in einem zehnseitigen Schreiben Forderungen formuliert. „Die Kommunikation ist in den 15 Jahren nicht besser geworden“, sagt Geschäftsführerin Katrin Wurm. „Jedes Jahr müssen wir für viel Geld alles komplett neu aufbauen. Da sprechen wir allein von einer Million Euro, die das kostet.“
Das KunstRasen-Team hat deshalb Wünsche an die Stadt: Fundamentpunkte sollen dauerhaft verlegt werden, damit der Aufbau einfacher wird. Der Eingangsbereich muss einladender werden. Die Strom- und Wasserinfrastruktur, die seit 15 Jahren für die Konzerte gelegt wird, soll dauerhaft vorhanden sein.
„Wir sind die bestbesuchte Kulturveranstaltungsstätte der Stadt und sind im Selbstbewusstsein gewachsen. Wir bieten hier etwas, was von Bedeutung ist. Deshalb artikulieren wir auch unsere Forderungen so deutlich. Wir haben in den Jahren gelernt, hartnäckig zu bleiben“, sagt Nötzel.
Einen neuen Service werden die Fans 2027 auf jeden Fall erleben. „Remote Cash“ ermöglicht es, Getränke mit dem eigenen Smartphone zu bestellen und zu bezahlen. Anschließend können die dann an einer Express-Station schneller abgeholt werden.

