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„Täglich eine Stunde Umweg“GLS-Depotleiter in Bornheim über Auswirkungen der Nordbrücken-Sperrung

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Kleine und große Pakete – bis zu 100.000 Pakete werden täglich im Depot Bornheim umgeschlagen.

Kleine und große Pakete – bis zu 100.000 Pakete werden täglich im Depot Bornheim umgeschlagen.

Paketdienste haben wegen der Brückensperrung Probleme, ihr Laufzeitversprechen einzuhalten. Ein GLS-Depotleiter über die Herausforderungen.

Jetzt ist es amtlich: Die Nordbrücke bleibt die kommenden zwei oder sogar drei Jahre für Pkw und Lkw gesperrt. „Schlimmer hätte es nicht kommen können“, sagt Henrik Gundlach. Er leitet das GLS-Depot in Bornheim, eines von 70 Depots in Deutschland und fünf in NRW. Allein im GLS-Depot in Bornheim werden jeden Tag im Durchschnitt 100.000 Pakete umgeschlagen.

„Davon sind etwa 30.000 Pakete für unsere Zustellgebiete in der Region – Köln, Bonn, Rhein-Sieg-Kreis, Brühl, Euskirchen, Voreifel und Teile des Rheinisch Bergischen Kreis. 70.000 Pakete werden in Bornheim in Lkw gepackt und gehen von hier aus in die ganze Welt“, ergänzt der stellvertretende Depot-Leiter Oualid Hamza.

Depotleitung hoffte Anfang Juni noch auf vorübergehende Brückensperrung

Der Schreck sei schon am 3. Juni ziemlich groß gewesen, als GLS aus den Medien gegen 14 Uhr erfuhr, dass knapp eine Stunde später die Nordbrücke in Bonn gesperrt werden sollte. Damals hatte die Depotleitung allerdings noch gehofft, dass es sich nur um eine vorübergehende Sicherheitsmaßnahme handelt. Dass die Schwachstellen repariert und die Brücke für den Verkehr wieder ertüchtigt werden kann.

„Unser Laufzeitversprechen ist ja, dass alle Pakete innenhalb Deutschlands binnen 24 Stunden zugestellt werden – vom Absender bis zum Adressanten“, erklärt Hamza. Dazu brauche es eine verlässliche Infrastruktur. „Und wenn dabei eine so wichtige Brücke wie die Nordbrücke als direkte Verbindung ausfällt, wird es schwierig – dann müssen große Umwege gefahren und/oder mitunter lange Wartezeiten in Staus hingenommen werden.“ Viele Mitarbeiter aus dem Rechtsrheinischen seien zwar inzwischen schon aufs Fahrrad umgestiegen und setzen mit der Fähre über.

Depotleiter Henrik Gundlach (l.) und sein Stellvertreter Oualid Hamza bei der täglichen Planung.

Depotleiter Henrik Gundlach (l.) und sein Stellvertreter Oualid Hamza bei der täglichen Planung.

„Das können unsere Lkw-Fahrer allerdings nicht“, erklärt Hamza. Bereits seit Februar, seit die Nordbrücke für Lkws ab 7,5 Tonnen gesperrt wurde, müssten gut 50 der großen GLS-Lkws jeden Tag einen Umweg von mehr als 40 Kilometern fahren. Das koste viel Zeit, das koste aber auch mehr Treibstoff und zusätzliche Maut.

Mehr als jemals zuvor erkennen wir gerade wie sehr wir alle auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen sind.
Oualid Hamza, stellvertretender GLS-Depotleiter in Bornheim

„Mehr als jemals zuvor erkennen wir gerade, wie sehr wir alle auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen sind“, merkt der stellvertretende Depotleiter an. Einzig die Auslieferung in der Bonner Innenstadt sei durch die aktuelle fatale Verkehrssituation nicht betroffen. „Dort arbeiten wir schon länger mit unserem Vertragspartner Vemo zusammen, die mit E-Lastenfahrrädern die Pakete im Stadtgebiet zustellen“, erklärt Hamza. 40 der insgesamt rund 200 GLS-Zusteller in Bornheim seien jedoch sehr direkt betroffen, sie müssten täglich über den Rhein.

„Viele fahren aktuell über die Autobahnbrücke im Kölner Süden“, sagt Hamza. Einige nutzen auch die Autofähre oder fahren über die Rheinbrücke in Godesberg. „Doch egal wo sie über den Rhein fahren, der Umweg kostet jeden der Fahrer zurzeit täglich etwa eine Stunde“, erklärt er.

Sperrung der Brücke verursacht jetzt schon Mehrkosten

„Diese Zeit fällt dann in der Zustellung weg“, ergänzt er. Die Touren müssten so geplant werden, dass sie trotz Umwegen und Staus rechtssicher und realistisch gefahren werden könnten. „Aktuell können wir die Lage dank täglicher Planung und eingespielte Prozesse gut handhaben“, sagt Hamza.

Kleinere Pakete werden in großen Kunststoffbehälter sortiert.

Kleinere Pakete werden in großen Kunststoffbehälter sortiert.

Auch die Tatsache, dass es in den Sommermonaten im Paketdienst generell ruhiger zugeht, spielen ihnen in die Hände. Fakt ist aber auch: Die Sperrung verursacht schon jetzt Mehrkosten. Umwege, längere Fahrzeiten, zusätzliche Kilometer, Standzeiten im Stau, höherer Kraftstoffverbrauch und zusätzlicher Planungsaufwand machen die Zustellung aufwendiger und teurer.

Und noch sei Sommerzeit. Was mit zunehmenden Paketaufkommen zum Herbst und im Weihnachtsgeschäft passieren könnte möchten sich jetzt weder der Depotleiter noch sein Stellvertreter ausmalen. „Erfahrungsgemäß werden ja auch die Straßen im Herbst noch sehr viel voller“, sagt Hamza.

„Da werden wir wohl ohne zusätzliche Fahrer nicht klarkommen“, vermutet er. Ob die Situation möglicherweise auch Auswirkungen auf die Preisgestaltung der Versandkosten haben könnte, könne er nicht beurteilen: „Das muss ausgewertet und mit unseren Kunden individuell in Einzelgespräche besprochen werden.“