Der gebürtige Käsberger hat acht Jahre lang an dem Werk gearbeitet, viele Nachbarn aktiviert und 1010 Bilder untergebracht.
Der besondere BlickHans Peter Barrig schreibt 500 Seiten starkes Heimatbuch zu Eitorf-Käsberg

Hans-Peter Barrig hat ein gut 500 Seiten starkes Buch über sein Heimatdorf Käsberg geschrieben. Der Autor vor dem Cover seines Buchs auf einem Roll-up.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Was passiert, wenn ein Detailverliebter die Idee hat, eine kleine Broschüre zu schreiben? Es kommt ein rund 500 Seiten starkes Buch mit 1010 Bildern dabei heraus. Hans Peter Barrig stellt sein „Käsberg bei Eitorf - Keyberger Hoüve 1572“ vor. Am Samstag, 29. November, gibt er in seiner Weihnachtsscheune an der Straße Wiesenau den offiziellen Startschuss zum Verkauf seines besonderen Heimatbuchs.
Eigentlich wollte der 73-Jährige nur ein bisschen die Geschichte des legendären Waldfests aufarbeiten. Am 13. Mai 2017 war die letzte Tour des Vereins, der es organisierte. Nach dem Theaterbesuch in Bonn tauchte die Frage auf: „Wat maache mer jetz?“ Und Barrig antwortete prompt: „Ich mache daraus ein Buch.“
Scheibchenweise habe ich angefangen zu sammeln.
„Ich habe Tage lang nachgedacht und überlegt“, erinnert er sich, „das Waldfest reicht nicht aus, also mache ich es über Käsberg.“ Klar war ihm auch schnell, dass er von der Vergangenheit bis in die Gegenwart schreiben wollte. „Immer mehr kam rein“, erinnert er sich an die Entstehungszeit. „Scheibchenweise habe ich angefangen zu sammeln.“
Alles zum Thema Corona
Infobriefe hat er an die Käsberger geschickt, Nummer 8 gibt es jetzt mit der Nachricht, dass am 29. November das Buch erscheint. Bürgerinnen und Bürger hat er gebeten, mitzuschreiben und ihm Bilder zur Verfügung zu stellen. Und sie machten fleißig mit. Acht Jahre hat es gedauert, auch deshalb, weil Krankheiten dazwischen kamen, Corona, er selbst litt an Long Covid, einen Schlaganfall hat er gut überstanden.

Schafe im Dorf und ein Arma-Christi-Kreuz bilden ein Idyll.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Alte Käsberger engagierten sich, darunter viele neu Zugezogene. „Immer weitere Aspekte schlugen auf, wir kamen vom Hölzken aufs Stöcksken“, sagt Barrig. Er selbst stieg ein in die Archive des Erzbistums und der Gemeinde, wälzte Kirchenregister und alte Bauanträge der Gebäude im Dorf.
Allein die Geschichte um die erste Erwähnung von Käsberg liest sich spannend. Karten gibt es von 1808 und 1830, urkundliche Erwähnungen unter anderem 1656 und 1690, in der frühesten Urkunde taucht „Keyberger Hoüve“ auf. Mitautorin Mirja Renout geht aber weiter, die Endung -berg datiert sie in die späte Rodungszeit, also von 1300 bis 1400. Eine 1981 zerstörte Motte könnte aus dem 12. Jahrhundert stammen.
Bis in die Zeit der Merowinger könnte die Gründung Käsbergs reichen
Noch weiter zurück in der Zeit könnte das Keyberger Huöve führen. Key nämlich steht für Kaiser. Und das Huöve sieht sie keineswegs als Hof oder Höhe, sondern als Hufe, ein altes fränkisches Landmaß für 30 Morgen Land. Dann könnte die Gründung von Käsberg in die Landnahmezeit der Merowinger fallen, die von 400 bis 700 nach Christus geschätzt wird.
Barrig selbst lebt auf dem Gelände des Hofs Käsberg, der Kern des 148 Einwohner zählenden Weilers auf dem Höhenzug nahe des Hohen Schadens, dem mit 388 Meter höchsten Berg Eitorfs. Die Geburtsverzeichnisse seiner Familie führt er auf und stellt die ersten bekannten Häuser vor. Stück für Stück arbeitet er sich in der Geschichte vor, akribisch jedes Gebäude beschreibend.

Mit einem Lloyd 400 gab es auf den Feldern um das Dorf viel Spaß.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Lebendig wird es, als der Autor in die Phase der „oral history“ eintritt, also mit Zeitzeugen Gespräche führt. Neben Onkeln, Mutter, Vater und Großeltern ist es insbesondere der heute 94 Jahre alte Walter Gerlach, der ihn mit Anekdoten und Geschichten versorgte. So beleuchtet er mit ihm die Zeit der Hitlerherrschaft, stellt aus dem Familienarchiv einen Ahnenpass vor.
Der Krieg hinterließ auch in Käsberg Spuren. Ein anfliegender Bomberverband geriet über dem Gemeindegebiet in einen Luftkampf mit deutschen Jagdflugzeugen. Ein Bomber wurde getroffen und warf seine explosive Last ab. Sie schlug mit heftigen Detonationen auf, noch heute zeugt ein kleiner Teich von einem der entstandenen Krater.

Die Turniere auf dem Fußballplatz von Käsberg waren oft eine Schlammschlachten á la Woodstock.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
In den letzten Kriegstagen lieferten sich Deutsche und Amerikaner Kämpfe in den umliegenden Wäldern, die Soldaten von Übersee marschierten am 26. März 1945 in das Dorf ein. Noch heute gibt es die Scheune, in der sie eine Messe hielten. Große Munitionslager entstanden, Kinder und Jugendliche sammelten sie ein und brachen sie auf. Glücklicherweise gab es keine großen Unglücke. Auch nicht mit dem Karbid, aus dem sie eigene Böller herstellten.
Für die Jugendlichen war das eine abenteuerliche Zeit. Sie fuhren mit einem Tank eines Jagdbombers Bötchen, die Lore des mobilen Sägewerks der Deutschen Armee erlaubte eine abenteuerliche Abfahrt auf steilen Straßen. Barrig selbst baute viel später Seifenkisten, die er immer weiter perfektionierte.

Der Autor baute Seifenkisten, die er immer weiter perfektionierte.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Strom, Wasser und Abwasser kamen in den Folgejahren auch nach Käsberg, die alten Brunnen und Wasserplätze an Bächen hat Barrig ausfindig gemacht. In den 1970er-Jahren baute ein Nachbar einen Luftschutzbunker, heute sind dort Schrauber aktiv. Der passionierte Skisportler kaufte 1979 sogar einen Skilift fürs Dorf, für 2670 Mark, gut 1300 Euro.
Natürlich nimmt das Waldfest breiten Raum ein, es war eine weit über die Grenzen Käsbergs hinaus bekannte Veranstaltung. Das Ende kam, als eine Bewohnerin Ärger mit Baugenehmigungen hatte und darauf hinwies, was denn mit den Hütten im Wald sei. Gutachten für fast 30.000 Euro konnte der Verein nicht stemmen, also mussten die Hütten abgerissen werden. Das Ende einer Feiertradition – und der Startschuss für ein lohnenswertes Buch, das am Samstag, 29. November, offiziell vorgestellt wird. Barrig verkauft es für 60 Euro.

