Der Bürgermeister erklärte, es habe keine Zwischenfälle gegeben. Dem widerspricht der Unternehmer Oleg Retzer jedoch.
„Sucht Schuld bei anderen“Unternehmer wirft Eitorfer Bürgermeister Fehlverhalten vor

Zwischen dem Bürgermeister und Vertretern regionaler Unternehmen gibt es Streit. (Symbolbild)
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Die Kritik am Umgang des Eitorfer Bürgermeisters Rainer Viehof mit Unternehmen reißt nicht ab. Nachdem Viehof in der jüngsten Gemeinderatssitzung für sein Verhalten gegenüber dem Unternehmer Oleg Retzer, dem das ehemalige Gelände der Schoellerwerke gehört, und dem Betriebsratsvorsitzenden Thomas Welteroth (Automobilzulieferer ZF) kritisiert wurde, wiesen beide die Begründung des Bürgermeisters nun zurück.
Während Rainer Viehof erklärt, die Kritik des Gemeinderats in Sachen Hausverbot für das ehemalige Schoeller-Gelände beruhe auf einem Missverständnis zwischen Retzer Industry und ihm, und es gebe gar kein Hausverbot, hat Oleg Retzer offenbar ein solches Verbot gegen Viehof schon im November vergangen Jahres ausgesprochen.
Mailverkehr belegt Hausverbot für Eitorfer Bürgermeister
Das geht aus einem E-Mail-Verkehr zwischen den beiden hervor, der dieser Zeitung vorliegt. Demnach erteilte Retzer dem Bürgermeister schon damals „Hausverbot auf unseren Grundstücken Spinnerweg 51-54 und auf Gauhes Wiese sowie auf allen anderen Straßen, die in unserem Eigentum sind“.
An Terminen dürfe er nicht teilnehmen, wenn es um Baubesprechungen gehe. Und weiter: „Unterlassen Sie es, uns künftig zu duzen.“ Viehof hatte auf Nachfrage dieser Zeitung nach der Ratssitzung betont, es habe keinerlei Zwischenfälle gegeben, die zu einem Platz- oder Hausverbot geführt hätten. Bei Oleg Retzer von Retzer Industry liege wohl ein Missverständnis vor. Der habe lediglich in einer E-Mail mitgeteilt, er wolle nicht, dass der Bürgermeister sich auf seinem Gelände bewege.
Jetzt sieht die Sache allerdings anders aus, zumal Retzer in einer E-Mail zusätzlich erklärte: „Herr Viehof läuft völlig aus dem Ruder und agiert gegen uns. Wir erleiden dadurch Ruf- und Geschäftsschädigung!“
Bürgermeister soll sich auf dem Unternehmensgelände unangemessen verhalten haben
Im Gespräch mit dieser Zeitung betonte Oleg Retzer, Bürgermeister Viehof könne offenbar nicht mehr unterscheiden zwischen Gut und Böse. Viehof habe Flächen von Retzer Industry von den Gauhes Wiesen bis zur Sieg in das Talachsenprogramm mit einbezogen, ohne mit Retzer darüber zu sprechen. Er habe Viehof dann angeboten, diese 40.000 Quadratmeter für einen Euro zu kaufen.
Darauf habe der Bürgermeister aber ebensowenig reagiert wie auf Retzers Anbot, verschiedene Wege ebenfalls für einen Euro zu erwerben. Grund für das Hausverbot sei das schlechte Benehmen Viehofs. Der habe sich zum Beispiel auf die Bahnschienen gestellt und verbale Beschimpfungen ausgesprochen. Außerdem erstelle Viehof Drohnenaufnahmen, ohne die Familie Retzer darüber zu informieren.
Zusammenarbeit zwischen ZF und Bürgermeister Viehof aufgekündigt
Auch bei ZF, so hieß es im Gemeinderat, habe Viehof Hausverbot. Das trifft allerdings tatsächlich nicht zu, wie der Betriebsratsvorsitzende Thomas Welteroth, gleichzeitig stellvertretender Bürgermeister, auf Anfrage erklärte. Er habe dem Bürgermeister aber die Zusammenarbeit aufgekündigt. Viehof hatte schon im Rat eingeräumt, dass die Zusammenarbeit durchaus besser sein könne. Die Auseinandersetzung mit dem Betriebsratsvorsitzenden Welteroth (SPD) sei wohl mehr auf ein Parteienproblem zurückzuführen. Das wies Welteroth allerdings strikt zurück.
Die Behauptung wirke wie eine billige Ausrede. Das schwierige Verhältnis sei vielmehr das Ergebnis von Viehofs eigenem „unabgestimmten und selbstherrlichem“ Vorgehen. Welteroth: „Wer permanent im Alleingang vorprescht, braucht sich über fehlendes Vertrauen und schlechte Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern bei ZF nicht zu wundern. Statt Verantwortung im Sinne der Gemeinde Eitorf zu übernehmen, versucht der Bürgermeister offenbar lieber, die Schuld bei anderen zu suchen.“
