„Frauenfeindlich“Weco reagiert auf Kritik an sexistischen Witzen in Tischfeuerwerk

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Der ausgedruckte Tweet von Jan Delay liegt auf einem Tisch, darum Knallbonbon-Verpackungen.

Für massive Kritik am Eitorfer Unternmehmen Weco sorgte ein Tweet des Musikers Jan Delay. Das Tischfeuerwerk einer anderen Firma spuckt neben kleinen Spielzeugen familientaugliche Witze aus.

Twitter-Nutzerinnen und Nutzer empören sich über sexistische Witze Knallbonbons des Eitorfer Herstellers Weco. Musiker Jan Delay hatte Fotos der Sprüche veröffentlicht.

„War sprachlos, als die kleine Tochter des Gastgebers gestern Abend diese ,Witze’ aus unseren Knallbonbons vorgelesen hat. Was für eine frauenverachtende Scheiße ist das bitte? Für Kinder ab 3? Happy 1953“: Mehrere Tausend Likes hatte diese Nachricht am Morgen des 1. Januar, die der Hamburger Musiker Jan Delay wenige Stunden nach Mitternacht auf Twitter veröffentlichte.

Dazu hatte er zwei Fotos der Zettelchen aus den Knallbonbons gestellt. So steht auf einem: „Warum gibt es in den Parkhäusern eigentlich Frauenparkplätze? – Damit die Frauen beim Parken nicht die Autos der Männer beschädigen!“

Mit großer Empörung reagierten Tausende Twitter-Nutzer, die den Post von Jan Delay kommentierten und auch ihrerseits Fotos von vergleichbar frauenfeindlichen Sprüchen zeigen, die sie in Weco Knallbonbons gefunden hatten.

Kritik an Weco-Sprüchen: Tausende Nutzer stimmen Jan Delay zu

„Verdammt richtig von dir, das zu veröffentlichen“, heißt in den Kommentaren, „Wenn ich Feuerwerk noch kaufen würde, könnte ich jetzt zumindest noch boykottieren“ und „Das passt ja zum hirnlosen Klientel, die in Zeiten wie diesen noch hunderte Euro in den Himmel schießt.“ Viele ärgerten sich, dass ausgerechnet in einem Kinderpartyartikel „misogyner Mist“ enthalten sei.

Man verstehe die Kritik absolut, sagte Weco-Sprecher Oliver Gerstmeier auf Anfrage, auch im Eitorfer Unternehmen – das Marktführer in Deutschland ist – sei man von den auf Twitter veröffentlichten Witzen aus den Knallbonbons überrascht gewesen. „Wir finden diese Sprüche auch nicht geschmackvoll, zeitgemäß oder witzig. Wir können uns nur entschuldigen.“ Gerstmeier betonte, man lehne Diskriminierung jeglicher Form ab, ein entsprechendes Statement veröffentlichte das Unternehmen am Mittag auch auf seiner Internetseite.

Bereits vor fünf Jahren hatte es ein ähnliches Debakel gegeben. Damals waren fremdenfeindliche Witze in Knallbonbons aufgetaucht, ein Kunde hatte dies ebenfalls über Social Media publik gemacht. Damals habe sich das Unternehmen deutschlandweit geäußert und entschuldigt, berichtet Gerstmeier. Die Knallbonbons seien jedoch kein Produkt, das Weco selber herstelle, sondern eine Fremdfertigung aus China. Alle Inhalte würden aber mit der Eitorfer Firma abgestimmt.

Weco reagierte auf fremdenfeindliche Witze in Knallbonbons

Damals sei „in aller Konsequenz eine Veränderung herbeigeführt“ worden, sagt Gerstmeier. Alle textlichen Inhalte seien überarbeitet worden. Ein Team aus fünf Frauen und Männern aus den Bereichen Marketing und Vertrieb habe sich mit den mehrseitigen Druckbögen für die Witzchen beschäftigt und aussortiert, was geschmacklos sei.

300 bis 400 verschiedene Sprüche seien in den Knallbonbons im Umlauf, er habe sie damals persönlich als Teil dieser Taskforce kontrolliert. Man habe wenige Sprüche entfernt, der Rest sei aus Unternehmenssicht politisch korrekt. „In den neuesten Produktionschargen werden die alten Bögen nicht mehr verarbeitet“, erläuterte der Sprecher.

Eitorfer Feuerwerkshersteller Weco kontrolliert Sprüche nicht regelmäßig

Dass sie dennoch weiter im Umlauf seien und auf der Silvestertafel in Tischfeuerwerk-Sets für Kinder auftauchen, empfindet er als unglücklich. Aber Einfluss könne Weco darauf nicht nehmen: „Die Knallbonbons verkaufen wir seit über 60 Jahren, da gab es hundert verschiedene Ausprägungen.“ Es könne Jahrzehnte dauern, bis nur noch die überarbeiteten Knallbonbons aus der chinesischen Produktion auf dem Markt seien. Chargen dieser Ware, die sich noch im Umlauf befinden, seien nicht mehr auszusortieren.

„Die lagern irgendwo im Zwischenhandel und sind jetzt halt in den Verkauf gegangen.“ Unter den vielen Millionen Knallbonbons, die als Partyartikel verkauft würden, seien diese mit fragwürdigem Inhalt aber nicht die Masse.

Eine regelmäßige Kontrolle der Sprüche gebe es nicht. „Wenn niemand ein Feedback gibt, was lange Zeit offenkundig nicht passiert ist, gehen wir da auch nicht mehr dran.“

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