Neue Hinweise erregen den Verdacht, der Landrat könnte versucht haben, einen Parteifreund zu begünstigen. Das dementiert Sebastian Schuster.
Flugplatz-AffäreLandrat Schuster in der Kritik – Telefongespräch um Hangelar-Grundstück wirft Fragen auf

Die Flugzeugwerft am Flugplatz Hangelar steht auf dem Grundstück, um das die Diskussion entbrannt ist.
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In der Debatte um den Verkauf eines Grundstücks am Flugplatz Hangelar und dessen möglichen Erwerb durch die Anteilseigner der Flugplatzgesellschaft sind neue Vorwürfe laut geworden. In einem Gespräch des Landrats Sebastian Schuster mit der Kreisdirektorin Svenja Udelhoven soll der Eindruck entstanden sein, dass er im Sinne des Unternehmers – und CDU-Spenders – Eberhard Penz handeln wollte.
Seit Dezember 2025 sorgt die Diskussion um das zu Verkauf stehende Grundstück für Aufruhr, da der Verdacht der politischen Interessenskonflikte im Raum steht. Ebenfalls im Fokus: der Bonner CDU-Oberbürgermeister Guido Déus.
Landrat Schuster dementiert Inhalt des Telefongesprächs
Zuerst berichtete der Bonner General-Anzeiger (GA). Demnach soll Svenja Udelhoven, Kämmerin und Kreisdirektorin, in einem Telefonat mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke Bonn (SWB), Olaf Hermes, über das Grundstück in Hangelar gesprochen haben. Das Telefongespräch ist laut Informationen des GA in einem Vermerk festgehalten, der Teil eines Compliance-Verfahrens der Stadtwerke Bonn ist.
In dem Telefonat soll Udelhoven von einem Konflikt mit Landrat Sebastian Schuster erzählt haben. Dabei, so der GA, soll sie Schuster gefragt haben, „ob er es wirklich riskieren wolle, mit seinem Widerstand gegen die Nutzung des Ankaufsrechts ausgerechnet Univers-Chef Eberhard Penz einen möglichen Vorteil zu verschaffen“. Laut General-Anzeiger antwortete Schuster sinngemäß, es gehe gar nicht anders: Penz habe den CDU-Wahlkampf maßgeblich mitfinanziert.

Der Flugplatz in Hangelar
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Das dementiert der Landrat. Auf Anfrage der Redaktion bestätigte Sebastian Schuster durch Kreissprecherin Rita Lorenz, dass ein Telefongespräch zwischen Olaf Hermes und Svenja Udelhoven am 13. Dezember 2025 stattgefunden habe, „aufgrund ihrer Zuständigkeit für die Beteiligungsverwaltung des Rhein-Sieg-Kreises“. Es habe aber über die Ausübung des Ankaufsrechts „keinen Streit zwischen dem Landrat und der Kreisdirektorin“ gegeben. Auch habe sie ihn nicht danach gefragt, „inwieweit er riskieren wolle, Eberhard Penz einen Vorteil zu verschaffen“.
Grundstück am Flugplatz soll verkauft werden – und löst politische Debatte aus
„Dass Eberhard Penz ein Unterstützer der Bonner CDU ist, wurde öffentlich bereits im Herbst 2025 kolportiert“, so die Kreisverwaltung. „Dies war aber weder für die Entscheidungsfindung des Landrates als Mitgesellschafter RSK (Rhein-Sieg-Kreis, Anm. d. Red.) der Flugplatzgesellschaft Hangelar mbH im Dezember 2025 kausal, noch hat Frau Udelhoven solche Kausalität gegenüber Herrn Hermes behauptet.“
Zum Hintergrund: Das rund 3000 Quadratmeter große Grundstück sowie die Flugzeugwerft an der Richthofenstraße in Hangelar stehen zum Verkauf. Für das Grundstück hat die Flugplatzgesellschaft Hangelar (FGH) – deren größte Anteilseigner die Stadt Bonn (Stadtwerke Bonn, 49,6 Prozent) und der Rhein-Sieg-Kreis (38,4 Prozent) sind – ein Ankaufsrecht. Die Gesellschaft hat am 12. Dezember dafür gestimmt, dieses Recht auch wahrzunehmen. Dadurch muss jedoch noch kein Kauf zustandekommen.
Mehrheit in Flugplatzgesellschaft stimmte für Ankaufsrecht
Im Vorfeld der Abstimmung sollen sowohl Landrat Sebastian Schuster als auch der Bonner Oberbürgermeister Guido Déus versucht haben, Einfluss zu nehmen. Sie sollen Vertreter in Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung gebeten oder sogar angewiesen haben, gegen die Ausübung des Ankaufsrechts zu stimmen.
Ein Verzicht blieb aus. Die Mehrheit im Aufsichtsrat stimmte für das Ankaufsrecht. Wäre aber dagegen gestimmt worden, wäre der Weg für Verhandlungen mit anderen Kaufinteressenten wie Eberhard Penz frei gewesen.
Sebastian Schuster beruft sich auf wirtschaftliche Bedenken
Landrat Sebastian Schuster verwahrt sich gegen den Verdacht, Penz begünstigt haben zu wollen, und beruft sich auf wirtschaftliche Bedenken und ungeklärte Fragen. „Ich bin mir sicher, dass ich mir in dem gesamten Vorgang nichts habe zuschulden kommen lassen“, hatte Schuster in der Sitzung des Kreisausschusses am 19. Januar gesagt. Dabei bleibt er: „Für die Nicht-Ausübung des Ankaufsrechtes waren für den Landrat allein wirtschaftliche Bewertungen der Beteiligungsverwaltung des Rhein-Sieg-Kreises maßgebend“, erklärt die Kreisverwaltung.
Sara Zorlu, Kreistagsfraktionsvorsitzende der SPD, sagte der Redaktion, für sie wirkten diese Gründe vorgeschoben. Die Wahrnehmung des Ankaufsrechts sei für den Kreis nicht schädlich und führe nicht automatisch zu einem Kauf. Die Frage sei also, aus welchen Gründen man von vorneherein darauf habe verzichten wollen.
Wir reden hier nicht über eine Formalie, sondern über Vermögenswerte und Verantwortung.
„Wir reden hier nicht über eine Formalie, sondern über Vermögenswerte und Verantwortung“, so Zorlu. „Wer nichts zu verbergen hat, muss vollständige Offenheit ermöglichen.“ Genau das verhindere Landrat Schuster aber immer noch. „Alles andere nährt den Verdacht, dass hier mehr im Spiel ist als eine einfache Bewertungsfrage“, betont die Sozialdemokratin. Aus diesem Grund beantrage die SPD auch für den nächsten Kreisausschuss am 9. März, dass dieser Vorgang durch das Rechnungsprüfungsamt geprüft werde.
Ingo Steiner, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag und Koalitionspartner der Christdemokraten, spricht sich ebenfalls für eine vollständige Aufklärung des Sachverhalts aus. „Ich habe das auch dem Landrat gesagt. Ich habe ihm geraten, in die Offensive zu gehen und alles vorbehaltlos aufzuklären.“ Er glaube nicht, dass Svenja Udelhoven mit dem SWB-Chef über einen Konflikt gesprochen habe, und seiner Ansicht nach würde der Landrat „eine solche Aussage über Eberhard Penz nie treffen“.
Dem stimmt Björn Franken, CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzender, zu: „Wer Svenja Udelhoven kennt, weiß, dass sie sowas niemals sagen würde, und sie würde innere Konflikte nie nach außen tragen.“ Er frage sich, wie so etwas in die Welt komme. Er habe Akteneinsicht zu den Vorgängen genommen. Demnach habe es „keinerlei Hinweise auf Gespräche oder Vorgänge gegeben, wie sie aktuell im Raum stehen“.
Christian Koch, Fraktionsvorsitzender der FDP im Kreistag, sagte der Redaktion, dass er über die aktuelle mediale Berichterstattung hinaus keine weiteren Kenntnisse habe. Ihm habe die Kreisverwaltung nach Antrag auf Akteneinsicht alles zur Verfügung gestellt, was er habe sehen wollen. Koch: „Ich habe den Eindruck, dass nichts vorenthalten wurde.“


