Michael Schenk und Michael Pikelj arbeiteten mit vielen Komparsen in Hennef, in Sankt Augustin gibt es am 27. Januar eine weitere öffentliche Vorstellung.
StolpersteineFilmemacher dreht in Hennef ausstehende Szene und plant Aufführung in Sankt Augustin

Filmeditor Michael Pikelj filmt im Bus Cora Wirthwein, die in „Hennefer Stolpersteine“ Charlotte ist.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Die junge Frau sitzt versonnen im Bus und schaut auf die Straße. Plötzlich dreht sie den Kopf und beobachtet eine Gruppe von Jugendlichen, die einem Mann mit Kippa lauschen. Gemeinsam stehen sie vor einem Stolperstein für Hermann Levy an der Frankfurter Straße in Hennef. Filmeditor Michael Pikelj ist mit seiner Kamera ganz nah an Charlotte dran, die von Cora Wirthwein gespielt wird.
Diese Szene sollte eigentlich den Film ‚Hennefer Stolpersteine‘ klammern.
„Diese Szene sollte eigentlich den Film ‚Die Hennefer Stolpersteine‘ klammern“, erzählt Filmemacher Michael Schenk. Der Hennefer hat den Streifen mit Pikelj zusammen geschrieben, produziert, gedreht, geschnitten, Regie geführt und bei mehreren ausverkauften Vorstellungen mit spannenden Diskussionen vorgeführt. Aber diese besondere Sequenz fehlte ihm noch. „Der Film läuft aber auch gut ohne sie“, sagt Schenk.

Roman Kovar (l.) liest mit Marie-Luise Jung und zwei Schülern und einer Schülerin den Kaddisch vor einem Stolperstein.
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Denn es ist Charlotte, die die Geschichte in Gang setzt. Auf dem jüdischen Friedhof in Geistingen zündet sie eine Kerze an, ein älterer Herr spricht sie an. Wie sich zeigt, ist es der Geist des ermordeten Hennefer Juden David Dornbusch, gespielt von Uwe Job. Später putzt sie Stolpersteine in der Stadt. Eine Gruppe von Jugendlichen kommt vorbei und fragen sie, was sie da mache. Aus anfänglichem Unverständnis entwickelt sich ein Schulprojekt, das über die Menschen hinter den Namen informieren will.
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Filmemacher Schenk hat viele Menschen für den Dreh begeistert
Die jetzt gedrehte Szene zeigt sowohl Charlotte wie David Dornbusch als auch die Schülergruppe und rundet die Geschichte ab, weil die junge Frau erlebt, was sie angestoßen hat. Schenk hat an einem kühlen Sonntag in seiner unnachahmlichen Art viele Menschen zusammen gebracht und eine ganze Horde von Komparsen organisiert. Sogar ein Bus der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft inklusive Fahrer ist dabei.
Unter den Mitspielenden ist auch Anke Riefers, Ex- Bürgermeisterin von Sankt Augustin und Vorsitzende des Freundeskreises Mewasseret Zion Sankt Augustin. Sie hat mitinitiiert, dass der Film am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, am 27. Januar, um 19 Uhr im Rhein-Sieg-Gymnasium in einer öffentlichen Vorstellung gezeigt wird. Die Schule selbst führt ihn am Vormittag intern in der Aula vor, wohl 450 Schülerinnen und Schüler werden ihn zu sehen bekommen

Anke Riefers (2.v.l.) war als Komparsin dabei, sie hat eine Vorstellung für die Öffentlichkeit mit organisiert.
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Neben Michael Schenk wird auch Marie-Louise Jung zu einem Gespräch dabei sein. Die Henneferin und ihr Partner Roman Kovar spielen in der neuen Szene mit. Kovar liest dort den Kaddisch für Hermann Levy, das jüdische Gebet für das Seelenheil Verstorbener. Intensiv bezieht er Sophie Thull, Enno Seekamp und Joel Köcher mit ein, erklärt ihnen jeden einzelnen Schritt, fordert sie zu einem deutlichen A - men auf.
Runde um Runde dreht der Bus durch die Hennefer Innenstadt
An jenem Sonntagvormittag wundern sich viele Henneferinnen und Hennefer über den Bus mit dem Ziel Sankt Augustin, der von der Lindenstraße kommend über die Frankfurter Straße fährt und an der Bahnhofstraße einbiegt zum Busbahnhof. Immer wieder zieht er die Runde, dort, wo sonst kein Bus entlang kommt. Pikelj steht mal auf dem Bürgersteig hinter einem Auto, mal auf einer Fahrspur und versucht Charlotte hinter der Scheibe einzufangen.
Unermüdlich betet Kovar auf Zeichen von Schenk den Kaddisch, wenn das große Fahrzeug in Sicht kommt. „Es gehört zum Film dazu, dass wir vieles wiederholen“, hatte Schenk bei einem Briefing den Komparsinnen und Komparsen deutlich gemacht. Im Bus sitzen viele Schülerinnen und Schüler aus Sankt Augustin, die mit ihren Lehrerinnen und Riefers gekommen sind, um das Projekt zu unterstützen. Geduldig lassen sie sich Runde um Runde durch das Zentrum fahren.
Schenk bewirbt sich mit dem Film für den Margot-Friedländer-Preis
Noch einmal, sagt Pikelj mehr als einmal. Mal verzieht sich die Schärfe, mal ist das Gesicht der Schauspielerin nicht genügend ausgeleuchtet. Irgendwann sind aber beide zufrieden, sie werden das Material einbauen. Ob als Nachspann oder als wirkliches Ende des Films, wird sich zeigen. Auf jeden Fall haben sie eine regelrechte Bewegung angestoßen.

Michael Schenk drehte in Hennef eine noch fehlende Szene zu seinem Film Hennefer Stolpersteine, am 27. Januar wird er in Sankt Augustin aufgeführt. Schenk (r.) weist die Komparsen für die Busfahrt ein.
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Neben dem Rhein-Sieg-Gymnasium wird auch das Albert-Einstein-Gymnasium am 27. Januar eine Schulvorführung organisieren. Für die Abendvorstellung gibt es Tickets unter tickets@stolpersteine.online sowie an der Abendkasse. Und es geht weiter. Schenk hat Kontakt mit dem NS-Dokumentationszentrum in Köln und einer Schule. Mit dem Film will er sich zudem gemeinsam mit dem neu gegründeten Förderverein „Jugend und Erinnerungskultur“ für den Margot-Friedländer-Preis bewerben.

