Abo

Bäckereikette hat Millionen investiertKI hilft bei Gilgens in Hennef sparen

4 min
Ministerin Mona Neubaur (2.v.r) zu Besuch bei Gilgens in Hennef. Dort bereitete sie einen Hefezopf zu. Brot-Someliere Betina Louis (r.)  und Manuela Gilgen (3.v.r.)  standen mit am Backtisch. Bäckermeister Franz-Josef Gilgen (l.) gab den einen oder anderen Tipp.

Ministerin Mona Neubaur (2.v.r) zu Besuch bei Gilgens in Hennef. Dort bereitete sie einen Hefezopf zu. Brot-Someliere Betina Louis (r.)  und Manuela Gilgen standen mit am Backtisch. Bäckermeister Franz-Josef Gilgen (l.) gab den einen oder anderen Tipp.  

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur zeigte sich beigeistert vom Mut der Inhaber, zu investieren. 

Wie schafft man es, dass eine Ministerin zu Besuch in die Firma kommt? „Ich habe sie einfach gefragt“, antwortete Manuela Gilgen. Sie hatte Mona Neubaur (Grüne) im vorigen Jahr auf einer Podiumsdiskussion kennengelernt. Und die Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen sagte zu.

Besonders Frauen will Neubaur den Weg ins Handwerk ebnen. Gute Arbeit habe nichts mit dem Geschlecht und überholten Rollenklischees zu tun, aber viel mit Begeisterung, Begabung und Bildung. Gerade bei Handwerkerinnen habe NRW noch viel ungenutztes Potenzial, stellte die Ministerin fest. Bei Gilgens sind 406 von 609 Mitarbeitenden weiblich, das sind zwei Drittel.   

Ein Unternehmen braucht klare Ziele
Manuela Gilgen

Die meisten arbeiten jedoch nicht in der Backstube. Dort kneten 101 Männer und 39 Frauen den Teig. Es gibt fünf weitere Berufsbilder bei Gilgens. „Wir eröffnen bald in Rhöndorf auf dem ehemaligen Penatengelände unsere 45. Filiale“, berichtete Manuela Gilgen.

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur zu Gast bei Gilgens in Hennef. Links Franz-Josef Gilgen, rechts Manuela Gilgen.

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (M.) zu Gast bei Gilgens in Hennef. Links Franz-Josef Gilgen, rechts Manuela Gilgen.

Dass Gilgens ein wachsendes Unternehmen ist, hörte Ministerin Neubaur sichtlich gern.Die Bäckereikette wolle mit 750 Mitarbeitern im Jahr 2028 in dann 48 Geschäften die Kunden mit frischen Backwaren versorgen, kündigte Manuela Gilgen an. Sieben Millionen Kundinnen und Kunden sollen am Jahresende 2028 in den Geschäften gezählt werden. „Ein Unternehmen braucht klare Ziele“, betonte Manuela Gilgen.

Ihr Mann Franz-Josef Gilgen berichtete, dass deswegen auch in den Standort in Hennef mit 14 Millionen Euro kräftig investiert worden sei. Die neue Backstube und Verwaltung wurden in Hennef bezogen. Der umfassende Neubau und die Erweiterung der Produktions- und Lagerräume wurden Ende 2023 begonnen und im Laufe des Jahres 2024 fertiggestellt. 

Für jede Filiale gibt es einen Lieferzettel, damit nichts durcheinander kommt.

Für jede Filiale gibt es einen Lieferzettel, damit nichts durcheinander kommt.

Beim Gang durch die Hallen bekam Mona Neubaur gleich zu Beginn einen Arbeitsauftrag: Sie durfte einen Hefezopf flechten. Und die Ministerin zeigte sich geschickt, zwischen Brot-Sommelière Betina Louis und Mona Neubaur gelang ihr das mühelos. Bäckermeister Franz-Josef Gilgen gab noch den einen oder anderen Tipp.

Firmenchef Franz-Josef Gilgen betont, dass er dankbar ist, Menschen aus 40 Nationen in seiner Firma zu haben

Im Gespräch mit der Redaktion beim Rundgang betonte er ausdrücklich, „dankbar zu sein, dass Menschen aus 40 Nationen zum Team von Gilgens gehören“: Wenn der „Unsinn von Remigration durchgesetzt würde, dann könnten wir morgen zumachen“. Stolz sei er, dass neun Auszubildende aus Indonesien in der Firma mit einer Ausbildung begonnen hätten. 

An einem Station für Körnerbrötchen stoppte die Ministerin. Sie interessierte sich für die Zutaten. „Wir benutzen die Körner der Ackerbohne, weil sie lokal angebaut werden kann. Sie gilt in der ökologischen Landwirtschaft als wichtige, heimische Alternative zu Soja“, betonte Franz-Josef Gilgen. 

Die Mitarbeiter trugen T-Shirts mit dem Aufdruck „Helden der Nacht“. Der Blick auf den Schichtplan zeigte, dass ein Teil der Bäcker dort um 23 Uhr anfängt und um 7.30 Uhr Feierabend hat. Insgesamt 78 Azubis hat die Firma. „Nicht alle Bäcker bringen jedoch die Ausbildung zu Ende. Man muss das schon wollen, regelmäßig nachts zu arbeiten“, sagte Manuela Gilgen.   

Die Lastwagen von Gilgens können mit Elektroantrieb die Umwelt entlasten

Die Ministerin lobte ausdrücklich, dass die Familie den Mut gehabt habe, in nicht einfachen Zeiten in den Standort zu investieren. Ihr gefalle, dass die kurzen Lieferketten von Gilgens auch Arbeitsplätze in der Region sicherten. Die 7,5-Tonnen-Lastwagen der Firma könnten doch auf Elektroantrieb umgestellt werden und so die Umwelt entlasten, schlug sie vor. 300 Kilometer Distanz seien kein Problem. Franz-Josef Gilgens bestätigte, dass es für die tägliche Auslieferung keine weiteren Strecken gebe. „Wir haben dafür Unterstützungsprogramme im Wirtschaftsministerin, rufen Sie doch einfach an“, lockte die Ministerin.  

Gilgens, das im Jahr 2006 als erste Bäckerei im Rhein-Sieg-Kreis auf fair gehandelten Kaffee umgestellt hatte, sei Neuerungen gegenüber immer aufgeschlossen, betonte das Inhaberehepaar. So sei nun auch Künstliche Intelligenz (KI) im Einsatz. Bei der Planung der Auslieferungen an die Filialen sei dadurch die Zahl der Retouren deutlich zuurückgegangen. 229.500 Euro und 773 Stunden wurden eingespart.

Das Handwerk wird in Zukunft nicht auf die KI verzichten können
Mona Neubaur, NRW-Wirtschaftsministerin

Auch der Stromverbrauch wird inzwischen vom Computer überwacht. „So konnten wir herausfinden, dass nachts in einer Edeka-Filiale der Backofen immer angesprungen ist, obwohl der Verkaufsraum dunkel und geschlossen war. Ich will gar nicht nachdenken, wie viel Strom das über die Jahre gekostet hat“, berichtete Manuela Gilgen. 

„Das Handwerk wird in Zukunft nicht auf die KI verzichten können“, sagte Mona Neubaur. Leider sei dies noch immer nicht in allen Handwerksbetrieben selbstverständlich. Vielleicht könne man den Betrieb nutzen, um andere Firmen davon zu überzeugen. Das sagten die Gilgens ihr zu.