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Eine Chance für jede Stärke
Stadt und Wirtschaft fokussieren die Inklusion

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Hennef inklusiv

„Miteinander arbeiten – Hennef inklusiv": Unter diesem Titel stand der Informationsabend in der Meys Fabrik.

  • „Miteinander arbeiten – Hennef inklusiv“: Unter diesem Motto trafen sich Verantwortliche der Stadt, lokalen Unternehmen und Experten in Hennef.
  • Vor zwei Jahren hatte es bereits einen Anlauf für die Veranstaltung gegeben, doch die Veranstaltung wurde wegen mangelndem Interesse abgesagt.
  • Vor allem in Sachen Sensibilisierung, Aufklärung und Sicherung der Arbeitsverhältnisse gibt es Nachholbedarf.

Hennef – Wie können Menschen mit Handicap in einem Betrieb integriert werden? Welche Arbeitgeber sind dazu bereit, setzen sich dafür ein, und wie gehen Kolleginnen und Kollegen an das Thema heran? „Es ist ein komplexes und schwieriges Thema“, erklärte Judith Norden, Leiterin der Stabstelle Inklusion und Älterwerden beim Informations- und Diskussionsabend „Miteinander arbeiten – Hennef inklusiv“.

Unter diesem Titel hatten die Leiterin der Stabstelle „Inklusion und Älterwerden“ und die Wirtschaftsförderung in Hennef ansässige Betriebe und Unternehmen angeschrieben und in die Meys Fabrik eingeladen, dazu Experten aus Bundesarbeitsagentur, Integrationsfachdienst Bonn/Rhein-Sieg, Landschaftsverband und den Rhein-Sieg-Werkstätten. 40 Anmeldungen gingen ein, spontan kamen noch einige dazu.

Referenten als Mutmacher

Seit 2009 setzt sich die Kommune intensiv mit dem Thema auseinander, entwickelte einen kommunalen Index. Vor zwei Jahren hatte es bereits einen Anlauf für die Veranstaltung gegeben. Doch die Resonanz war deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, der Themenabend wurde abgesagt. Andere Bausteine des Inklusionsprozesses, wie das Inklusionsfest sowie ein inklusiver Einkaufsführer, konnten jedoch realisiert werden.

Die Referenten machten sich als Mutmacher gut: Für Jürgen Schöntauf sind soziales Engagement und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch. Seit 25 Jahren beschäftigt sich der Buchautor mit dem Thema. Gerade sich selbst fragte er: „Wie kommt man an die Unternehmen heran, die sich nicht interessieren?“ Schöntauf berichtete von einem Betrieb mit 60 Autisten, hielt ein flammendes Plädoyer für Anerkennung und Wertschätzung menschlicher Stärken und brachte Beispiele aus der Praxis. So habe etwa ein Hersteller von Lattenrosten die komplette Produktion umgebaut, um Menschen mit Behinderung zu beschäftigen.

„Man muss die ganze Zeit am Thema dranbleiben“

„Integration muss von Herzen kommen“, sagte Jens Möller. Er arbeitet seit 21 Jahren beim Hennefer Warensystemer Wenco, verantwortet Lager und Personalwesen. 24 Arbeitsplätze sind dort mit Menschen mit Behinderung besetzt, die meisten Jobs sind im Lager angesiedelt. „Für uns ist es normal, Mitarbeiter aus Förderschule oder Werkstätten zu integrieren.“ Seit 2011 besteht eine Kooperation mit der Schule in der Geisbach, regelmäßig stellt das Unternehmen Praktikumsplätze zur Verfügung. Es gebe auch kritische Stimmen, Beschäftigte mit weniger Verständnis, „es ist ein Thema, an dem man die ganze Zeit dranbleiben muss“.

Möller nannte Beispiele, erzählte von einem anfangs unzugänglichen Autisten, „er schaute immer auf den Boden“. Er habe wiederkehrende Aufgaben gebraucht, nichts Komplexes. Heute, sechs Jahre später, sei er voll anerkannt, packe Aufträge von der Bestellung bis zur Verladung komplett eigenständig. Möller ging auch auf die finanzielle Unterstützung aus Förderprogrammen ein: „Das ist ein netter Aspekt und gegenüber der Geschäftsführung immer ein starkes Pfund.“

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Ali Osman Atak von der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg versteht sich als „Navigator durch den Förderdschungel“. Sein Job: Betriebe sensibilisieren, informieren und bestehende Arbeitsverhältnisse sichern. Auch aus eigener Erfahrung weiß er, wovon er spricht. Vor zwei Jahren erlitt der Maschinenbauingenieur einen Schlaganfall und ist heute als Fachberater für Inklusion mit technischem Schwerpunkt tätig.

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