Von Blues bis Modern Jazz: Seit 22 Jahren halten der Kölner Sänger und seine Weggefährten dem Kurtheater die Treue.
Den Sittichen in Hennef die Leviten lesen

Gerd Köster mit Weggefährten im Kurtheater.
Copyright: Peter Lorber
273 Jahre geballte Musikerfahrung in Sachen Blues, Westcoast-Rock, Folk-Rock, Modern Jazz und kernigen Gesangs gab es am Freitag im ausverkauften Hennefer Kurtheater. „Gerd Köster & seine Weggefährten“ begeisterten mit ihrem Programm „Stabil nervös“. Eben so wie es ihnen in den vergangenen 22 Jahren gelang, in denen sie im Hennefer Kulturtempel antraten. Ihr 14. Auftritt war es, wie Hausherr Ingo Teusch bei der Begrüßung verkündete: „Das ist Kur-Theater Weltrekord.“
Ohrenbetäubendes Vogelgeschrei eröffnete den Abend. „O-Töne“ seien das, ließ Gerd Köster (69) wissen, die allmorgendlich die Kölner Südstadt durchdringen. Er dürfte die geschätzt 3000 freilebenden Halsband- und Alexandersittiche gemeint haben, die das Kölner Stadtbild „bereichern“ und bei ihm zu einer gewissen „Prollhaftigkeit“ führten.
Den Ist-doch-mir-egal-Frust entgegensingen
Und als wolle er den Sittichen die Leviten lesen, schrie er ihnen singend seinen Ist-doch-mir-egal-Frust entgegen: „Wenn de meins dat dat dat bringk, jo dann dunn dat.“ (Wenn Du meinst, dass es was bringt, dann tu es halt“). Wie viele der 20 Stücke des Abends gehört es zu diesen bisweilen herzerwärmende, aber meist nachdenklich machenden Liedern, die Köster (Text) und - bis zu dessen Tod 2023 - Frank Hocker (Musik) in ergänzender Kongenialität schufen.
So das „Vier Wäng“ im urigen Country-Stil, das wie „Wenn de meins“ aus dem 2007er Album „Jedrisse Baby“ stammt und elegische Liebeserklärung an die eigenen „vier Wände“ ist. Es erzeuge bei ihm stets „das Bild von wabernden Schleier an der Zimmerdecke als der letzte Schrei der Leber nach Liebe“, so Köster.
Emotionale, aber nie larmoyante Bilder
Die musikalische Klasse seiner Weggefährten illustrierte die stets emotionalen, aber nie larmoyanten Bilder der lyrischen Stücke intensiv. Hierbei erinnerten die Klangbilder bisweilen an Genregrößen wie Crosby, Stills Nash & Young, Eagles, John Mayall, Greatful Dead oder gar an Hubert von Goisern in der Reinhard-Stranzinger-Ära. An Letzteren besonders das „Mord ohne Hass“, als es Buddy Sacher (72) mit liedhaft-trauernden Gitarreneffekten versah.
Auch der Beginn und das Ende des Stücks mit Ravel-Bolero-Trommelwirbeln von Schlagzeuger Gerhard Sagemüller (68) steigerten die Düsternis der Abrechnung mit denen, die von „nichts gewusst haben von damals.“ Umso mehr fassten einen diese Textzeilen an: „Dann endlich widder jet an de Fööss hann, VW un Rimini. Kei Jewesse un kein Splitter dunn dir jetz noch wieh. Jo die Zick sieb all die Alpdräum us jeder Annekdot“ (In etwa: Endlich wieder was an den Füßen, VW und Rimini. Kein Gewissen und keine Splitter schmerzen mehr. Ja, die Zeit siebt die Albträume aus den Geschichten heraus).
Rassige Gitarren-Hymnik von Sacher (E-Gitarre) und Helmut Krumminga (64) (Akustikgitarre) gab es im Sardonismus-trunkenen „Nix metnemme“. Der Text machte keine schöne Aussichten auf ein Leben danach, weil du weder deine Dividenden noch den „dralle SUV“ mitnehmen kannst. Selbst der Düüvel und der leeve Jott warnen, wie Köster in eindringlichem Kölsch-Belting sang: "Du darfs nix metnemme, ja-ja-janix“. Sachers Psychedelic-Anklänge verstärkten die Stimmung.
Über sich selber kann Köster lachen, wie „Durch de Wand“ zeigte. Der melodienselige Song verlangte von ihm ein Mundharmonika-Solo. Ein Harp-Solo finde nur statt, wenn es falsch gespielt werde, habe Buddy Sacher verlangt. Kösters Reaktion: „Jo, dat kann ich.“
