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Eier von den Wiesen der SiegauenIn Hennef schützen Ziegen freilaufende Hühner vor Raubvögeln

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Auf der Freilauffläche beim Eierhof Lückerath schrecken Ziegen hungrige Raubvögel ab.

Auf der Freilauffläche beim Eierhof Lückerath schrecken Ziegen hungrige Raubvögel ab.

Der Hof Lückerath verfügt über vier mobile Hühnerwagen. Die Eier aus biologischer Haltung sind in Hennef sehr gefragt, und Kilokartons sind schnell ausverkauft.

Wenn die Raubvögel hoch oben langsam kreisen, um sich Beute in den Siegauen zu suchen, dann sind die freilaufenden Hühner von Lückeraths sicher. Mehrere Ziegen auf den Weiden verunsichern die Jäger aus der Luft. Sie suchen sich lieber woanders ihre Nahrung. „Die Bewegungen und Rufe der Ziegen wirken abschreckend auf die Beutegreifer“, so Paul Lückerath. Zudem seien die Vögel unsicher, ob diese großen Tiere nicht gefährlich für sie werden könnten.

Im Jahr 2018 entschloss sich die Familie verstärkt in die Eierproduktion einzusteigen. Inzwischen stehen vier fahrende Hühnerwagen auf den Wiesen. Wenn alles abgegrast ist, dann werden sie versetzt. „Für uns ist die biologische Haltung wichtig“, erklärt Lückerath. Deshalb gibt es keine großen Ställe für die Legehennen. Sie sollen sich frei auf den Wiesen  bewegen können.

Der Mobilstall auf dem Feld für die Legehennen aus Hennef ist auf rund 230 Tiere augelegt

Ein Mobilstall mit zwei Etagen ist für rund 230 Tiere ausgelegt. In der unteren Zone können die Hühner im Sand scharren, auch Stroh liegt dort bereit. Eine Etage höher findet sich der Fressplatz mit Sitzstangen für den nächtlichen Schlaf und ein Bereich zum Legen der Eier. Diese Zone soll nicht von Menschen betreten, damit dort keine Krankheitskeime eingeschleppt werden.

Paul Lückerath sortiert die Eier, die über ein Fließband aus dem Legewagen kommen.

Paul Lückerath sortiert die Eier, die über ein Fließband aus dem Legewagen kommen.

Ein Fließband sorgt dafür, dass die Eier automatisch in die Verpackungszone kommen. Seinen Strom bezieht es aus einer PV-Anlage, die sich auf dem Dach des Hühnerwagens befindet. Am Ende des Fließbandes werden die Eier von Hand eingesammelt und später auf dem Hof nach Güteklassen sortiert.

Beim Rundgang über die Wiesen kommen die braunen Hühner neugierig angerannt und wollen sehen, wer sie besucht. Scheu sind sie keineswegs. „Das liegt daran, dass wir sie nicht auf engstem Raum halten. Sechs Hennen sind pro Quadratmeter Nutzfläche im Legewagen kalkuliert. Bei Bodenhaltung als Vergleich dazu sind bis zu zehn erlaubt“, erklärt Lückerath die Haltung. Auf der oberen, rund 1200 Quadratmeter großen Wiese im Dorf Auel flitzen die 230 Hühner frei umher.

Ein fahrender Hühnerwagen des Eierhofes Lückerath.

Ein fahrender Hühnerwagen des Eierhofes Lückerath.

Den Menschen in der Umgebung gefällt das. Sie kaufen gerne auf dem Hof und in den vier Eierautomaten von Lückeraths ein. Dazu gehört auch Sandra Placke aus Oberauel. Sie hat eine ganz spezielle Vorliebe. Die Kiloware der Lückeraths. Für 8,50 Euro gibt es einen Karton mit 15 bis 20 Eiern. Oft die übergroßen Legeprodukte der Hennen. „Eier im XXL-Format sind nicht sehr beliebt“, erklärt  Lückerath. Deswegen befinden sie sich meist in der Mehrzahl in der Kiste. Viele Kunden würden sie gerne zum Backen nehmen.     

Allerdings sind die Kilo-Kartons nicht jeden Tag vorrätig. Das Problem kennt Sandra Placke. „Ich war gestern hier, da waren sie schon ausverkauft“, berichtet sie. Deswegen hat sie am nächsten Tag noch einmal vorbeigeschaut. „Manchmal haben die großen Eiern sogar zwei Dotter“, berichtet sie. Die Kisten stehen im offenen Verkaufsschrank auf dem Hof neben den Kartons mit sechs oder zehn Eiern. Daneben befinden sich zwei Automaten.  

Sandra Placke aus Oberauel kauft am liebsten Eier als Kiloware auf dem Hof von  Lückerath.

Sandra Placke aus Oberauel kauft am liebsten Eier als Kiloware auf dem Hof von  Lückerath.

Einer der Automaten ist mit Eiern bestückt, der andere dient als Gefrierschrank. Dort kann das Biofleisch vom Hof tiefgekühlt rund um die Uhr erworben werden. „Eigentlich wollten wir keine Automaten, in die man Geld  einwerfen muss“,  erklärt Lückerath. Doch leider hatten sich fremde Personen auf den Hof geschlichen und die Waren gestohlen. „Es waren nicht unsere Kunden“, betont er. Die Polizei habe deshalb zu den Automaten geraten, um den Dieben keine Möglichkeiten zu geben.

Zwei Kindergärten in Hennef werden wochentags mit den Eiern vom Hof Lückerath beliefert

Und das Prinzip hat sich bewährt: Drei weitere Automaten im Stadtgebiet wurden aufgestellt. Zuletzt einer in Stadt Blankeberg an der Gaststätte zum Alten Turm. Die Nachfrage nach den Bioeiern ist groß, zu Ostern sogar ganz besonders. Zwei Kindergärten im Stadtgebiet werden wochentags beliefert. Der Nachwuchs schaut sich regelmäßig bei Hofbesuchen an, wo die Eier herkommen, die im mittags auf den Tisch kommen. „So bekommen die Kinder einen Bezug zur Natur“, freut sich Lückerath. Und zur Osterzeit konnten sie sogar die Eier des Hofes färben. Auch die DLS Biobäckerei aus Hennef nutzt die Eier des Hofes für ihre Produkte, die 52 Cent pro Stück kosten.   

Was passiert mit den Hühnern, wenn sie nicht mehr legen? Da sie in der Natur ohne Legestress aufgewachsen sind, ist ihr Fleisch besonders hochwertig. Nach zwei bis drei Jahren werden die Tiere auf dem Hof geschlachtet, und das Fleisch ist dort ebenfalls erhältlich.