Die Pläne zum Bau einer großflächigen Agri-Photovoltaikanlage nahe dem kleinen Dorf Oberscheuren kommen wieder auf die Tagesordnung der Politik.
Bürgerinitiativein Königswinter ist in Sorge wegen einer großflächigen Photovoltaikanlage

Die beiden strittigen Anlagen sollen auf der grünen Wiese entlang des Holzzauns auf der einen Seite des Dorfs beziehungsweise auf dem Acker auf der anderen Seite des Dorfs errichtet werden.
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Die Pläne zum Bau einer großflächigen Agri-Photovoltaikanlage nahe dem kleinen Dorf Oberscheuren kommen wieder auf die aktuelle Tagesordnung der Kommunalpolitik. Der Investor, die MEC Energy GmbH, hat seine ursprünglichen Pläne überarbeitet. Die Bürgerinitiative Oberscheuren steht dem Projekt jedoch kritisch gegenüber. Bei den Agri-PV-Anlagen geht es um die Doppelnutzung von Stromerzeugung und landwirtschaftlicher Nutzung unter oder an den Modulen.
Das Projekt der MEC Energy besteht aus zwei Teilen. Zum einen sind auf einer Fläche von 7,3 Hektar entlang der Autobahn 3 Köln/Frankfurt PV-Anlagen vorgesehen, die innerhalb eines 200-Meter-Abstands zur A3 liegen. Damit könnten sie nach dem Baugesetzbuch „teilprivilegiert“ sein. Dann würde ein Bauantrag reichen, der nach Angaben der Stadt schon vorliegt und derzeit geprüft wird.
Politik entscheidet über Fortsetzung oder Stopp des Bebauungsplanverfahrens
Zum anderen hat der Investor daran angrenzende Flächen im Blick, die rund 2,1 Hektar umfassen und außerhalb der 200-Meter-Grenze, aber näher am Dorf liegen. Dafür müsste ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Über die Fortsetzung oder den Stopp dieses Verfahrens soll diese Woche Mittwoch der Ausschuss für Stadtentwicklung und Klimaschutz entscheiden.
Durch Hecken weniger sichtbarEntgegen ihrer ersten Pläne hat die MEC Energy nach eigenen Angaben den Abstand zur Wohnbebauung von 40 auf 100 Meter vergrößert. Die Doppelnutzung – Stromerzeugung und Landwirtschaft – sieht dem im Ratsinformationssystem veröffentlichten Konzept des Investors zufolge eine Haltung von Hühnern vor. Das habe unterem anderem den Vorteil, dass die Module nicht hoch aufgeständert werden müssten, was sie weniger sichtbar mache. Zudem erfolge die Grünlandpflege auf natürlichem Wege und es entstehe eine zusätzliche landwirtschaftliche Wertschöpfung für einen Betrieb aus der Region.
Hecken und Bäume sollen das Photovoltaikgelände einfassen
Von der Ortschaft aus solle die Fläche durch Hecken und Bäume eingefasst werden, um die Anlage weniger sichtbar zu machen. Allerdings: „An dieser Stelle ist offen zu benennen, dass die Hanglage eine vollständige Blickabschirmung nicht in allen Blickwinkeln ermöglichen wird.“ Was den Starkregen angeht, von dem Oberscheuren in der Vergangenheit betroffen war, verweist das Unternehmen auf ein Entwässerungsgutachten für den privilegierten Teilbereich, das der Stadt vorliege.
Man wolle dieses Gutachten auf den nicht-privilegierten Teil ausweiten und die Ergebnisse im weiteren Bebauungsplanverfahren vorlegen. An anderer Stelle weist der Investor darauf hin, dass ohne die nicht-privilegierten Flächen das gesamte Projekt „in seiner wirtschaftlichen Tragfähigkeit gefährdet wird“.
Die Bürgerinitiative Oberscheuren, der nach eigenen Angaben rund 30 Bürger aus dem laut städtischer Statistik 118-Einwohner-Dorf angehören, erkennt auf der einen Seite ausdrücklich an, dass die Stadt Königswinter „ihre Verantwortung für den Klimaschutz und den Ausbau erneuerbarer Energien wahrnehmen muss“. Aber: „Der Sommer 2026 hat uns unmittelbar erleben lassen, dass Klimaanpassung keine abstrakte Aufgabe kommender Jahrzehnte mehr ist. Oberscheuren liegt unmittelbar an der Autobahn und ist dadurch bereits einer besonderen thermischen Belastung ausgesetzt. Zwischen dieser massiven Infrastruktur und dem Siedlungsraum befindet sich ausgerechnet die große offene, bewachsene Fläche, über deren zukünftige Nutzung gesprochen wird.“
Die Initiative weist gegenüber dieser Zeitung unter anderem auf die ökologische Bedeutung hin, die die heutige Wiese als „ausgeprägter Natur-, Nahrungs-, Jagd- und Lebensraum“ habe. Rehe, Feldhasen und Füchse seien dort regelmäßig zu sehen. Hinzu kämen große Populationen an Fledermäusen und Schwalben im Ort. Viele offene Fragen sehen die Oberscheurener zum einen mit Blick auf Starkregen und Hochwasser, zum anderen bei der geplanten Geflügelhaltung, insbesondere bei länger anhaltender Hitze.
Fachverwaltung legt dem Ausschuss zwei Alternativen vor
„Daneben stellen sich Fragen zu möglichen Auswirkungen auf das nahe Wohnumfeld, zu Ammoniak-, Geruchs- und Staubemissionen, Hygiene und Tierseuchenprävention, möglichen aviären Erregern, Nährstoffeinträgen und der möglichen Anziehung von Ratten“, heißt es von der Bürgerinitiative.
Unter Umständen sind das Fragen, die auch die Kommunalpolitiker im Ausschuss für Stadtentwicklung und Klimaschutz stellen. Er tagt am Mittwoch, 9. September, ab 17 Uhr im Sitzungssaal im Rathaus Oberpleis. Die Stadtverwaltung als Fachbehörde legt sich in ihrer Sitzungsvorlage ausdrücklich nicht fest. Sie schlägt alternativ die Fortsetzung oder die Einstellung des Bebauungsplanverfahrens vor.
