Der Künstler Fabian Ewert zeigt in Königswinter seine Skulpturen. Es geht auf 18 Quadratmeter um nahbare Kunst.
Künstler und SchreinerFabian Ewert zeigt 20 Holzskulpturen im Kunstkiosk in Königswinter

Fabian Ewert arbeitet an einem Objekt im „Kunstkiosk“.
Copyright: Ralf Klodt
„Irgendetwas zwischen Kiosk, Atelier und Kunstausstellung“ sollte es werden, was der Galerist, Kurator und Künstler Rolf Wernicke sich in sein Haus im Kunstforum Palastweiher geholt hat. Der Fokus liegt auf den Skulpturen des Königswinterer Künstlers Fabian Ewert, der zwei kleine Räume unter dem Titel „18qm Nahbare Kunst“ mit rund 20 Skulpturen teils an den Wänden, teils auf Sockeln bestückt hat.
Dass es aber zugleich so etwas wie ein Kiosk ist und sein soll, das zeigt sich schon von außen, wenn man durch das Fenster schaut. Im Inneren locken dann Süßigkeiten und Postkarten. Doch im Mittelpunkt stehen die Skulpturen, die mit den verschiedensten Hohleisen aus Lindenholz angefertigt wurden.
Lindenholz dient schon seit Jahrhunderten als Material für Schnitzaltare in Kirchen
Der 1973 in Bonn geborene, aber in Südafrika aufgewachsene Fabian Ewert ist von Beruf Schreiner oder Tischler. Das Holz als Material fasziniert ihn, besonders das weiche Lindenholz, das sich so gut bearbeiten lässt und schon seit Jahrhunderten den Bildhauern als Material für die großen alten Schnitzaltare in den Kirchen diente.
Mit der Kettensäge beginnt der „Holzarbeiter“ einen Baumstamm zu zerkleinern, dann werden die Schnitzeisen angesetzt und schließlich wird hier und da mit Raspel und Feile nachgeglättet. Die Oberfläche ist zum Relief geworden. Ewert lernte Risse oder Astlöcher miteinzubeziehen und bezeichnet die dicken Platten, aus denen seine Wandobjekte wurden, auch als seine „Leinwand“.
In der Tat setzt der Bildhauer, wenn er seine abstrakten Höhlungen und Nischen ins Holz gekerbt hat, den Pinsel ein, um die Formen mit Farbe zu betonen und durch die Konturen ein markantes Profil zu erreichen. So geht er im Schnitzen subtraktiv vor, die Farbe, meist schwarz, weißlich oder grau, fügt er dann hinzu, nimmt sie aber manchmal auch wieder ab.
„Mal packe ich wieder etwas drauf, dann nehme ich es wieder weg,“ meint er dazu. Die Spuren bleiben. Neben diesen reliefartigen Wandobjekten gibt es auch umgehbare Skulpturen im Raum. Titel tragen seine Arbeiten aber nicht. Sie bekommen nur einen Holzstempel mit Signatur und Datum. „Einen Titel gebe ich den Arbeiten nicht, weil ich möchte, dass der Betrachter in seinen Assoziationen komplett frei ist.“
Abstrakte Formen sind einfach aus der sponanten Lust heraus entstanden
Und so kann man sich erinnert fühlen an organisch weiche Formen, bald pilzförmig, bald als Gefieder von Vögeln oder als wellenförmige Verläufe im Dünensand. Die abstrakten Formen sollen „nichts Symbolisches, nichts Verrätseltes enthalten. Sie sind einfach aus der spontanen Lust heraus entstanden, frei zu arbeiten“, sagt der Künstler und vergleicht das mit seinem Beruf, wo er vielleicht gerade einen funktionalen Stuhl nach exakten Vorgaben machen muss.
Aber auch ein Blick auf den Boden lohnt in den beiden kleinen Sälen im „Kunstkiosk“ im Palastweiher. Die vielen kleinen Schnitzlocken auf dem dunkelrot gestrichenen Fußboden führen ihr eigenes Leben. Fabian Ewert hat vor, während seiner Aufsichten in den Räumen zu arbeiten: work in progress also. Scherzhaft meint Rolf Wernicke, hier finde jeder seinen Freiraum, er dürfe nur nicht vergessen, den Raum hinterher wieder so herzustellen, wie er ihn angetroffen habe.
Königswinter, Winzerstraße 7, Finissage am 19. Juli ab 15 Uhr, sonst geöffnet immer freitags von 17 bis 20 Uhr.
