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ZuweisungDie Stadt Königswinter muss 170 geflüchtete Menschen unterbringen

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Eine Baufahrzeug mit Hebebühne neben Wohncontainern.

Die Container für geflüchtete Menschen in Königswinter-Thomasberg werden gerade installliert.

Die Stadt Königswinter muss überraschend 170 geflüchtete Menschen unterbringen. Die SPD fürchtet Auswirkungen für die Turnhalle Palastweiher

Die Stadt Königswinter muss überraschend rund 170 geflüchtete Menschen aufnehmen und unterbringen. Die Bezirksregierung Arnsberg habe damit ihre Quote für Königswinter „deutlich nach oben korrigiert“, teilte Bürgermeisterin Heike Jüngling am Dienstag den Vorsitzenden der Ratsfraktionen mit.

Noch am selben Abend schickte die SPD-Ratsfraktion eine Pressemitteilung, laut der sich abzeichne, dass die Notunterkunft Turnhalle Palastweiher in der Altstadt nicht wie vom Rat beschlossen im Sommer geräumt und wieder dem Vereinssport zur Verfügung gestellt werden könne. „Palastweiher voraussichtlich weiter nicht für Sport und Kultur nutzbar“, schrieb die Fraktion und machte Heike Jüngling und die Koalition aus CDU und Grünen dafür verantwortlich.

„Die Verwaltung ist an den Beschluss des Rates gebunden“

Ein Sprecher der Stadt Königswinter wies diese Darstellung jedoch zurück. „Die Verwaltung ist an den Beschluss aus dem Stadtrat vom 02.03.2026 gebunden und wird die Turnhalle ganz deutlich bis Ende Juli leerziehen und nach den Sommerferien wieder der regulären Nutzung zuführen.“ Aus der Mitteilung Jünglings an die Fraktionschefs gehe hervor, dass die Kapazitäten zur Unterbringung bis Ende September ausreichten. Erst dann könne die Situation neu bewertet werden.

Nach Ansicht der SPD haben die Koalition aus CDU und Grünen sowie Heike Jüngling die Möglichkeit „mehrfach vertagt und letztlich verworfen“, eine Unterkunft in Ittenbach anzumieten. Das sei ein „folgenschwerer Fehler“ gewesen. „Ohne zusätzliche Kapazitäten scheint es so, dass der Palastweiher nicht freigezogen werden kann.“ Leidtragende wären dann vor allem Kinder, Jugendliche und das Vereinsleben, schreiben die Sozialdemokraten.

Zum Stand 24. Februar 2026 waren insgesamt 502 geflüchtete Menschen in neun Unterkünften im Stadtgebiet untergebracht. Die Gesamtkapazität betrug da 661 Plätze. Im Palastweiher wohnten 21 Menschen (Kapazität: 40 Plätze). In den eigentlich zum Abriss vorgesehenen Häusern Am Stadtgarten 2-6, die der Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft WWG gehören, waren zu der Zeit 29 Flüchtlinge untergebracht (Kapazität 36).

Wohncontainer für 48 Menschen im Ortsteil Thomasberg

Die WWG-Gebäude stehen nach Angaben der Stadt noch bis zum 30. September zur Verfügung. Eine Unterkunft für 48 Menschen errichtet die Stadt in diesen Tagen in Thomasberg Am Limperichsberg. 2,3 Millionen Euro hatte der Stadtrat für die Wohncontainer neben der Turnhalle bewilligt. Bei einer Bürgerversammlung im November 2024, an der mehr als 200 Einwohner des Ortes teilnahmen, waren unter anderem Sicherheitsbedenken geäußert wurden.

Bürger warnten vor einem „sozialen Brennpunkt“, sprachen von Verunsicherung und beklagten die schlechte Beleuchtung. Wie der Stadtsprecher jetzt auf Anfrage erklärte, „wird für eine ausreichende Beleuchtung auf dem Gelände gesorgt“. Die Wohncontainer würden durch einen Unterkunftsleiter betreut, zudem seien Sozialarbeiter und Ehrenamtler vor Ort tätig. Königswinters damaliger Bürgermeister Lutz Wagner sagte an dem Abend: „Die Stadt wird alles tun, damit in Thomasberg kein sozialer Brennpunkt entsteht. Das kann ich verbindlich zusagen.“