Ein Tag auf dem Hof
Es ist 11 Uhr. Im Hofcafé des Bauernguts Schiefelbusch steht Kaffee auf dem Tisch. Dazu gibt es Milch, frisch vom eigenen Hof. Nebenan stöbern Kunden durch den Hofladen. Kinder toben auf dem Spielplatz. Ein paar Schritte weiter werden Eier gestempelt und verpackt, bevor sie ins Regal wandern.
Auf dem Gelände ist ständig etwas in Bewegung. Wer nach Schiefelbusch kommt, kann einkaufen, essen, feiern oder einfach einen Tag auf dem Land verbringen. Im Sommer führt das Maislabyrinth auf 20.000 Quadratmetern durch ein Gewirr aus Maispflanzen. Im Oktober wird Erntefest gefeiert.
Damit der Hof eine Zukunft hat
Die Idee ist mehr als 40 Jahre alt. 1985 eröffnete Helga Trimborn auf dem Hof einen der ersten Bauernläden der Region. „Wir wollten Landwirtschaft spannend halten“, sagt sie. Am Anfang kamen vor allem Kindergartenkinder. Später wurden Schulen angeschrieben. Heute bewirtschaftet die Familie rund 110 Hektar, das entspricht etwa einer Fläche von 220 Fußballfeldern. Auf den Äckern wachsen unter anderem Gerste, Weizen, Hafer und Mais.
Eigenes Futter, nachvollziehbare Herkunft
Dazu kommen Kartoffeln, Erdbeeren und Spargel. Es gibt Grünland, Waldflächen und Streuobstwiesen. Ein Teil der Ernte bleibt auf dem Hof. Das Getreide wird verfüttert, unter anderem an Kühe, Hühner, Gänse und Pferde. Eine mobile Mühle verarbeitet das eigene Futter. Die Herkunft bleibt damit nachvollziehbar. „Möglichst viel Wertschöpfung soll auf dem Hof bleiben“, sagt Trimborn. Das zeigt sich auch bei der Vermarktung der eigenen Tiere. Im Hofladen stehen vor allem in der kühleren Jahreszeit Gänse in der Fleischtheke. Dazu kommen Enten, Puten und Hühner.
Die Geflügelprodukte sind hausgemacht. Die Tiere bekommen Getreide statt Fertigfutter. „Da ist immer viel Wasser drin, das auch in das Fleisch geht. Deswegen füttern wir trocken.“ Auch bei Rind und Schwein bleibt ein Teil der Verarbeitung auf dem Hof.

Der Hofladen des Bauernguts.
Copyright: Afflerbach
Hinter einer Glasscheibe können Kunden beobachten, wie das Fleisch zerlegt wird. Die Tiere werden morgens in Ruppichteroth geschlachtet und kommen mittags zurück nach Schiefelbusch. „So können die Leute sehen, wie viel Arbeit das macht“, sagt Trimborn.
Zwei Hofläden mit regionalem Sortiment
Die beiden Hofläden in Schiefelbusch und an der Burg Sülz bieten neben Fleisch und Geflügel auch Obst, Gemüse und Brot von lokalen Anbietern.
Dazu kommen Produkte wie Hühnersuppe und Geschnetzeltes im Einmachglas, Nudeln und Eierlikör. Aus einem Automaten gibt es Rohmilch aus dem eigenen Kuhstall. Diese darf allerdings nur direkt am Hof verkauft werden. Auch die Eier bleiben möglichst in der Region. Einen Teil verkauft die Familie im Hofladen, ein weiterer Teil geht in den Großhandel oder wird zu Nudeln verarbeitet. Die beiden Hofläden machen inzwischen den Großteil des Umsatzes aus, erzählt sie.
Hof als Familienunternehmen
Für die Familie ist die Weiterentwicklung des Hofes auch eine Frage der Zukunft. Helga und ihr Mann haben vier Kinder: Alexandra, Caroline, Andreas und Simon. Jeder hat seinen eigenen Platz gefunden. Andreas, studierter Diplom-Agraringenieur, ist nach seinem Studium in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Er kümmert sich um große Teile des Ackerbaus und der Viehwirtschaft. Die Kinder sollten ihren eigenen Weg gehen können. Gleichzeitig sollte der Hof eine Perspektive bleiben. Dafür musste er sich verändern. Neue Produkte kamen hinzu, ein weiterer Hofladen entstand rund fünf Kilometer entfernt, Direktvermarktung und Gastronomie wurden ausgebaut, erzählt Trimborn.
Ihr Sohn, Andreas Trimborn (39), soll den Hof übernehmen. „Ich hatte immer Spaß daran. Früher war es sehr out, als ich die Schule beendet habe. Zu der Zeit wollten alle BWL studieren. Aber ich hatte immer Interesse an einem Handwerksberuf.“ Durch die Liebe und den Spaß an der Arbeit kommt auch der Erfolg. Das hängt ja auch immer eng zusammen, sagt er. bauerngut-schiefelbusch.de (roa)

