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Altersheim-FoyerAusstellung zeigt Lohmarer Funde aus Merowingerzeit

Lesezeit 3 Minuten
In Glasvitrinen sind die Fundstücke im Foyer des Seniorenheimes ausgestellt.

In Glasvitrinen sind die Fundstücke im Foyer des Seniorenheimes ausgestellt.

Lohmar – Wenn etwas in die Toilette fällt und im Rohr verschwindet, ist es eigentlich für den Besitzer verloren. So erging es wohl auch einem Merowinger vor rund 1500 Jahren. Beim Ausziehen der Hose fiel ihm seine Lederbörse mit drei Silbermünzen in die Kloake.

Ob er den Verlust sofort bemerkt hat, ist nicht geklärt. Fest steht jedoch, dass die Münzen im Jahr 2005 gefunden wurden. Damals waren Archäologen in Lohmar unterwegs. Sie überprüften ein Grundstück, auf dem später das evangelische Seniorenheim gebaut werden sollte.

Eine kleine Sensation

Eine Reihe von weiteren Funden ließ die Experten vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege damals aufhorchen. Reste von drei Grubenhäusern und zahlreiche Scherben von Hausrat holte das Grabungsteam bei den Sondierungsarbeiten aus der Erde. Dort, wo heute das evangelische Altenheim steht, lebten früher Merowinger. Die Grabungen leitete seinerzeit Dr. Michael Gechter.

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Eine kleine Sensation für die Experten war, dass einige der Funde aus der Zeit um 500 nach Christi stammten. „Die entdeckten Gräber und Grubenhäuser belegen nachdrücklich, dass die Randzonen des Bergischen Landes nicht erst im 7. Jahrhundert sondern schon gut hundert Jahre früher besiedelt worden waren“, so Gechter. So weit im Osten wurde bislang keine merowingische Siedlung erwartet.

15 Jahre später sind nun Teile des damaligen Fundes im Foyer des Altersheimes ausgestellt. In Glasvitrinen wurden die gereinigten Tonscherben für Besucher und Bewohner gut sichtbar platziert. „Der Fund wurde geteilt“, berichtete Reinhard Bartha bei der feierlichen Eröffnung der kleinen Ausstellung. Der ehemalige Superintendent ist Aufsichtsratsvorsitzender des evangelischen Seniorenheimes.

Die drei Silbermünzen seien im Besitz des Seniorenheimes geblieben. Allerdings wären sie im Laufe der Jahrhunderte in der Erde so zerbrechlich geworden, dass sie „besser beim Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege unter Verschluss bleiben.“ Dort ist auch der andere Teil des Fundes in sicherer Verwahrung.

Lohmar in der Steinzeit besiedelt

Bürgermeister Horst Krybus bestätigte den Zustand der Münzen. Eigentlich hätte er sie in ihrem Originalzustand kopieren wollen, um sie an verdiente Persönlichkeiten der Stadt zu verleihen. „Doch das war leider nicht möglich“. Die Fundstücke waren auch Kopien. Es handelte sich um merowingische Nachprägungen von Silbermünzen des byzantinischen Kaisers Anastasios, der von 491 bis 518 nach Christus lebte.

Merowinger

Die Merowinger waren das älteste Königsgeschlecht der Franken und gewinnen ab dem 5. Jahrhundert an Bedeutung, bis sie Mitte des 8. Jahrhunderts von den Karolingern abgelöst werden.

Nach ihnen wird die Epoche des Übergangs von der Spätantike zum Frühmittelalter im gallisch-germanischen Raum Merowingerzeit genannt.

Vor allem in germanisch besiedelten Teilen Europas zeichnen sich die Gräber der Merowinger gerade aus dieser Epoche durch zahlreiche Grabbeigaben aus.

Sie stellen wichtige archäologische Quellen dar und finden sich in den südlichen und westlichen Teilen Deutschlands sowie anderen Ländern im Rheingebiet. (red)

Krybus betonte allerdings, dass schon vor den Merowingern Menschen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Lohmar lebten. Funde aus der Steinzeit, die mehr als 8000 Jahre alt sind, würden dies belegen. Vielleicht begann die Besiedelung sogar noch viel früher. In der Wahner Heide wurden Faustkeile entdeckt, die Menschen vor rund 60 000 Jahren hergestellt hatten.

Die Exponate sind für jedermann während der Öffnungszeiten des Seniorenheimes in der Hermann-Löns-Straße 2 zu sehen.

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