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Tag des BieresBei der Pfaffen Brauerei in Lohmar kommen die Bierflaschen in die Waschmaschine

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Max Päffgen lehnt mit dem linken Arm an aufgetürmten Bierkästen und lächelt in die Kamera.

Der 22-jährige Max Päffgen, Mitarbeiter in der Pfaffen Brauerei, schloss seine Ausbildung zum Brauer als einer der besten drei Gesellen seines Jahrgangs in Deutschland ab.

Max und Maximilian Päffgen beliefern den Rhein-Sieg-Kreis mit Bier, das naturbelassen nach dem Deutschen Reinheitsgebot gebraut wird.

Während die meisten Menschen noch friedlich im Bett liegen, beginnt für Max Päffgen der Arbeitstag. „Um 4.30 Uhr geht das Brauen los“, berichtet der 22-jährige Geselle. Er beginne gleich mit seiner liebsten Arbeitsphase: „Früh morgens ist es schön ruhig und beim Einmaischen entsteht ein angenehm süßlicher Geruch.“

Mit seinem Vater Maximilian Päffgen und einer Teilzeitkraft stellt er in der Pfaffen Brauerei, in der kleinen Lohmarer Hofanlage Klasberg, Obgäriges Bier her. Der dort gebraute Gerstensaft wird an regionale Kommunen wie Siegburg, Hennef, Ruppichteroth, Neunkirchen-Seelscheid, Troisdorf und Niederkassel geliefert und findet seinen Weg auch nach Bonn und Köln.

Blick auf ein Fachwerkhaus

In der Hofanlage wird obergäriges Bier hergestellt.

„Ich bin auf dem Hof groß geworden“, sagt Max Päffgen über seine jetzige Arbeitsstätte. Im Alter von 12 Jahren habe er angefangen beim Brauen mitzuhelfen. Als 18-Jähriger ließ er sich an der Malzmühle in Köln zum Brauer ausbilden. „Mit meinem Abschluss bin ich unter die Top drei der deutschen Brauergesellen gekommen“, so Päffgen. Im nächsten Jahr plane er ein weiterführendes Studium in München.

Die Aufnahme zeigt das Lohmarer Stadtwappen, das in Glas verarbeitet wurde.

In der Hofanlage findet sich auch das Lohmarer Stadtwappen.

Sein Vater Maximilian Päffgen, Enkel von Herrman Päffgen, ist der Geschäftsführer der Brauerei. Der Betrieb beliefert die verschiedenen Super- und Getränkemärkte in der Region nach eigenen Angaben selbst. „So ist das Bier möglichst frisch“, erklärt Max Päffgen. Bei größeren Brauereien seien in der Lieferkette für gewöhnlich mehrere Akteure, wie Speditionen, zwischengeschaltet. „Bei uns kommen die Bierflaschen in den Kästen noch nass im Mark an“. Warum nass? Da die gebrauchten Flaschen zuvor gründlich in einer industriellen Waschmaschine gereinigt, in einem sogenannten Inspektor geprüft und – falls alles in Ordnung ist –anschließend neu etikettiert und dann befüllt werden.

Pfaffen Brauerei: Bis zu 9000 Liter Bier werden in der Woche hergestellt

Max Päffgen zufolge brauen die zweieinhalb Mitarbeiter der Pfaffen Brauerei 6000 bis 9000 Liter Bier pro Woche, zumindest in den Sommermonaten. „Im Winter können es auch mal nur 3000 Liter sein“, erläutert Päffgen weiter. Im Sommer sei die Nachfrage grundsätzlich größer, aber es gebe auch Stoßzeiten im Winter, etwa zu den Karnevalstagen. Umgekehrt ebbe der Bedarf in den Sommerferien merklich ab, da dort einige Menschen aus der Region verreist seien, vermutet Päffgen.

Zwei-Liter-Bierkrüge stehen aufgereiht in einem Regal.

Die traditionsreichen Zwei-Liter-Bierkrüge können vor Ort gekauft werden.

Insgesamt bietet die lokale Brauerei drei Biersorten an, alle drei alkoholisch, aber nicht immer verfügbar: Das kräftigere „Pfaffen Bock“ Bier (Alkoholgehalt von sieben Prozent) und das „Pfaffen Hefeweizen“ Bier (4,7 Prozent) werden nur saisonal produziert. Wer bereits im April ein Hefeweizen aus Lohmar trinken möchte, muss sich noch etwas gedulden. Das Weizenbier geht im Regelfall erst im Laufe des Mais in die Produktion. Vom Herstellungsbeginn bis zum Ausschank braucht es dann ungefähr fünf Wochen. Das Bock Bier ist meist im Zeitraum November bis Februar erhältlich.

Naturbelassene Herstellung führt zu kürzerer Haltbarkeit der Biere

„Wir sind einer der letzten Betriebe in der Region, die nur Bier im traditionellen Sinne brauen“, sagt Max Päffgen: „Wir sind stolz darauf als Familie, einem klassischen Handwerk nachzugehen. Unsere Qualität ist so gut wie aus einer Großbrauerei.“ Man halte sich an das Deutsche Reinheitsgebot und verwende neben Wasser, Hopfen, Gerste und Hefe keine weiteren Zutaten.

Bei größeren Brauereien müsse das Bier aufgrund der Logistik und längerer Wege meist haltbar gemacht werden, etwa mittels Zusatzstoffen. Die Herstellung im kleinen Betrieb in Lohmar sei naturbelassen, führe aber zu einer vergleichsweise geringeren Haltbarkeit der Biere. „Die Mindesthaltbarkeit unserer Biere beträgt zwölf Wochen“, erläutert Max Päffgen. Danach sei das Bier im Regelfall weiterhin genießbar, es ändere sich zum Beispiel lediglich die Farbe.

Max Päffgen schippt Treber mit einer Schaufel während er von Dampfschwaden umgeben ist.

Ein gängiger Arbeitstag von Max Päffgen beginnt um 4.30 Uhr und endet gegen 21 Uhr. Auf dem Foto trebert der Brauer Malz-Überreste aus.

Bis auf das Wasser kommen die anderen drei Grundzutaten nicht aus der Region. Hopfen kann hier laut Max Päffgen zum Beispiel nicht angebaut werden, da die Böden nicht torfhaltig genug sind. Angesichts der schwankenden Eigenschaften der natürlichen Zutaten, die wechselnde Mischverhältnisse bedingen, sagt Max Päffgen: „Jeder Laie kann Bier brauen. Die Kunst des Bierbrauens ist, dass es immer gleich schmeckt.“

Der Bierkonsum in Deutschland nimmt ab

Insgesamt scheint die Bierbegeisterung in Deutschland abzunehmen. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) ist der Bierabsatz in Deutschland im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent und damit 497,1 Millionen Liter auf rund 7,8 Milliarden Liter gesunken. Dies sei der stärkste Rückgang seit Beginn der Messung im Jahr 1993. Außerdem sei der Bierabsatz somit erstmals unter 8 Milliarden Liter gefallen. Diese Zahlen enthalten gemäß Destatis keine alkoholfreien Biere, Malzbiere und aus Staaten außerhalb der Europäischen Union eingeführten Biere. „Generell wird weniger Bier getrunken“, stellt auch Max Päffgen fest: „Gerade jüngere Menschen greifen häufiger zu Mixgetränken oder alkoholfreien Alternativen.“

Von diesem Trend zeigt sich der junge Bierbrauer allerdings unbeeindruckt. So sei in der Brauerei in Lohmar auch künftig kein Vertrieb von alkoholfreien Getränken, wie Fassbrause geplant. Man arbeite allerdings daran, auch ein untergäriges „Helles“ ins Sortiment aufzunehmen. Der genaue Zeitpunkt steht laut Max Päffgen aber noch nicht fest.

„Wir haben viel Stammkundschaft“, freut sich Max Päffgen: „Die Leute kaufen sich ihr Fässchen Bier und mieten sich die Zapfanlage fürs Wochenende.“ Das „Original Pfaffen“ Bier (Alkoholgehalt 4,9 Prozent) in 0,33-Liter Flaschen in 20er-Kästen sei der Kassenschlager. Für Interessierte besteht die Möglichkeit, sich das Bier vor Ort an der Brauerei, die am Klasberg 2 liegt, abzuholen. Der Betrieb hat unter der Woche von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Samstags können von 10 bis 13 Uhr Getränke und Zubehör abgeholt werden. 


Warum der Tag des Bieres in Deutschland auf den 23. April fällt

Nicht zu verwechseln mit dem Internationalen Tag des Bieres, der am ersten Freitag des Augusts gefeiert wird, findet der Tag des Bieres in Deutschland jährlich am 23. April statt. Nach Angaben des Deutschen Brauer Bundes geht der Festtag auf die Verkündung des Reinheitsgebotes für Bier am 23. April 1516 zurück. Damals soll der bayerische Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt ausgerufen haben, dass Bier nur aus Wasser, Hopfen und Gerste bestehen solle.

Die zentrale Wirkung der Hefe sei zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt gewesen, heißt es vom Deutschen Brauer Bund. Später wurde Hefe als Bestandteil im Reinheitsgebot aufgenommen, wann genau ist je nach Quelle unterschiedlich datiert.

Mit dem Reinheitsgebot habe man unter anderem gefährliche Zusätze, wie giftige Stechäpfel oder Fliegenpilze ausschließen wollen. Auch in der Gegenwart bleibt das Gebot laut dem Deutschen Brauer Bund angesichts von Lebensmittelskandalen und undurchsichtigen Zutaten relevant. (ges)