Offene Ganztagsschulen (OGATAs) im Lohmar befürchten, bei steigender Nachfrage ihrer Aufsichtspflicht nicht mehr nachkommen zu können.
GanztagsbetreuungLohmarer OGATAs am Limit – Schulleitungen warnen vor Überbelegung

Mit beginn des neuen Schuljahrs gilt der rechtliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung (Symbolbild).
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Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in offenen Ganztagsschulen (OGATAs) in Lohmar ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gestiegen. Mit Beginn des Schuljahrs 2026/2027 gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf die ganztägliche Förderung von Kindern im Grundschulalter. Dieser gilt zuerst nur für Erstklässlerinnen und Erstklässler, wird jedoch bis zum Schuljahr 2029/2030 auf alle Grundschülerinnen und Grundschüler ausgeweitet. Über die aktuelle Situation der OGATAS und den Umgang mit der steigenden Nachfrage diskutierte der jüngste Schulausschuss, Schulleiterinnen schilderten eine schon jetzt stark angespannte Personalsituation.
Stadtverwaltung zog Vorschlag, mit Überbelegung zu arbeiten, nach Diskussion zurück
Bisher habe die Stadt Lohmar keine Ablehnungen auf OGATA-Anträge von Lohmarer Grundschülerinnen und -schülern in Lohmar, Birk, Donrath und Wahlscheid aussprechen müssen, teilt die Stadtverwaltung mit. In Donrath und Wahlscheid seien die OGATAs aktuell überbelegt, während in Birk und Lohmar-Ort Unterbelegungen vorliegen würden. Die Stadtverwaltung schlug zunächst vor, die OGATA-Angebote in Birk und Lohmar um eine halbe bzw. eine Gruppe zu reduzieren und die Angebote in Wahlscheid und Donrath bei der bisherigen Betreuungsgröße zu belassen. Diese Vorlage zog die Verwaltung nach Diskussion mit den OGATA-Leiterinnen zurück.
Standardmäßig soll es in den OGATAs eine Gruppenstärke von maximal 25 Kindern geben. Da die Haushaltslage angespannt ist, habe die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Einrichtungsleitungen vereinbart, mit maximal zwei Kindern pro Gruppe in die Überbelegung zu gehen, bevor eine Gruppenerhöhung erfolgt. Die Einrichtung zusätzlicher Gruppen wäre im Bedarfsfall aber möglich, betonte Schuldezernent Andreas Behncke.
Die Grünen-Fraktion machte einen anderen Vorschlag: In Lohmar solle die Gruppenanzahl nur um eine halbe Gruppe verringert werden, in Wahlscheid solle es dafür eine halbe Gruppe mehr geben. Für Donrath und Birk stimmten die Grünen dem Verwaltungsvorschlag zu. „In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Schülerschaft stark verändert. Da ist viel passiert im Rahmen von Inklusion, Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsverzögerungen bei Kindern, dazu kommen geflüchtete Kinder“, sagte Werner Küffner (Grüne). „Daher halten wir es nicht für vertretbar, mit einem Überhang von zwei Kindern pro Gruppe zu arbeiten.“
Lohmarer OGATAs können der Aufsichtpflicht nicht mehr nachkommen
In der OGATA in Wahlscheid, der größten in Lohmar, würden zwei Kinder pro Gruppe mehr insgesamt 25 Kinder im Überhang bedeuten, also faktisch eine ganze zusätzliche Gruppe, betonte die Leiterin Angela Fenkl im Ausschuss: „Das kriegen wir nicht mehr bewerkstelligt.“ Aufsichtsrechtlich wäre das problematisch, da in den Gemeinschaftsbereichen mehr Kinder wären, ohne dass es mehr Personal geben würde. Dieses sei wegen hohem Krankenstand ohnehin nie vollständig. Die aktuellen etwa 14 Kinder im Überhang seien für die Wahlscheider OGATA „das Ende der Fahnenstange. Jedes Kind, das jetzt noch dazu kommt, durch Zuzug beispielsweise, müsste ich eigentlich ablehnen“, so Fenkl. Da die Betreuungsverträge mit der Stadtverwaltung gemacht werden, seien ihr letztendlich die Hände gebunden, „aber dann muss ich die Verantwortung an die Stadt zurückgeben, was die Aufsicht angeht.“
Auch Stephanie Esten, Schulleiterin der GGS Donrath, betonte die Personalprobleme, die die Lohmarer OGATAs schon jetzt haben. Pädagogisch würde sich die Schülerschaft verändern und viele eine besondere Betreuung und Zuwendung benötigen. „Wenn wir in die Überbelegung gehen, wissen die Erzieherinnen nicht mehr, wie sie sich rechtssicher aufstellen können. Sie haben Sorgen und Ängste, die Krankenstände gehen hoch. Das erleben wir bei uns auch in einem kleinen System.“
Wenn wir in die Überbelegung gehen, wissen die Erzieherinnen nicht mehr, wie sie sich rechtssicher aufstellen können.
Die Waldschule Lohmar liege bei einem Sozialindex von 4, der höchste Sozialindex aller Schulen in der Stadt Lohmar. „Das bedeutet, dass die Schule überdurchschnittlich viele Kinder mit Armutserfahrung, Sprachbarrieren oder instabilen Lebenslagen besitzt“, erklärte die Schulleiterin Michaela Pössinger. Diese Schülerinnen und Schüler brauchen gezielte Unterstützung. Die Reduzierung einer ganzen Gruppe in der Lohmarer Waldschule würde bedeuten, dass Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit hier nicht mehr zu erreichen wäre.
Nach Beratung mit den Schulleiterinnen entschied die Stadtverwaltung, die Vorlage zurückzuziehen. „Die Maßnahme, dass wir mit einer strukturellen Überbelegung ins Rennen gehen, wird also nicht greifen für das kommende Schuljahr“, erklärt Andreas Behncke. Stattdessen werde man sich an den tatsächlichen Schülerzahlen im Sommer orientieren. Gleichzeitig weist er auf den angespannten Haushalt hin, Einsparungen können nicht überall vermieden werden. Von Verwaltungsseite wolle man den Qualitätszirkel einberufen, um eine tragfähige Lösung zu erarbeiten. Dieser werde aus den OGATA-Leitungen, Schulleitungen und der Verwaltung bestehen.
