In Neuhonrath strickt und häkelt eine Gruppe von Frauen kleine Figuren für Kinder in Rettungstransporten und Nesteldecken für Demenzerkrankte.
MehrgenerationentreffLohmarer Stricktreff häkelt Trösterchen für Kinder im Rettungstransport

Vera Fietkou (91) ist die älteste in der Runde. Die jüngste Teilnehmerin ist 36.
Copyright: Lilian von Storch
Es ist ein kalter Dienstagnachmittag im Mai während der Eisheiligen, und im Mehrgenerationentreff von „Lohmar Hilft“ in Neuhonrath sorgt ein Kaminfeuer für gemütliche Stimmung. In dem alten Fachwerkhaus haben sich heute fünf Frauen versammelt, die bei Kaffee und Tee gemeinsam stricken, häkeln und plaudern. Dabei schaffen sie etwas für die Allgemeinheit: Sie häkeln unter anderem kleine „Trösterchen“ für Kinder in Rettungstransporten.
Idee entstand im Austausch mit der Lohmarer Rettungswache
„Mit Bärchen haben wir angefangen, dann ist das alles wesentlich erweitert worden“, sagt die Stricktreff-Teilnehmerin Ulrike Schröder und lacht. Elke Steiger, die das Mehrgenerationenhaus betreut, nickt: „Wir häkeln hier Püppchen, Kissen, Kätzchen und Häschen, kleine Kraken. Alles Mögliche halt.“ Die kleinen Figuren ähneln japanischen „Amigurimi“, kleine Puppen aus weichem Häkelgarn, die mit Watte gefüllt sind.

Die Trösterchen liefert der Stricktreff etwa zweimal im Jahr an den Rettungsdienst.
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Die Idee kam Manu Gardeweg, der Initiatorin von „Lohmar hilft“, im Austausch mit dem Leiter der Rettungswache des Roten Kreuzes in Lohmar. Seitdem liefert die Gruppe vom Stricktreff zweimal im Jahr jeweils um die 40 neue Trösterchen, die die Kinder dann mit nach Hause nehmen können, erzählt Elke Steiger, die gerade ein rosa Bärchen strickt. „Das kann schon ein bisschen dauern, bis so ein Bärchen fertig ist“, so Steiger. Zum Schluss stickt sie mit schwarzem Faden und Perlen noch ein Gesicht und bindet dem fertigen Trösterchen eine Schleife um.
Auch eigene Projekte stricken und häkeln die Frauen beim Stricktreff, Ulrike Schröder strickt beispielsweise gerade einen Pullover. „Die Bärchen mache ich dann immer wieder nebenher als Abwechslung“, sagt sie. Karen Bultmann, die neben ihr sitzt, nickt zustimmend: „Das eignet sich auch gut, um Wollreste von anderen Projekten zu verwerten.“

Nesteldecken sollen Demenzkranken beim Umgang mit innerer Unruhe helfen.
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Die Bärchen sind nicht das einzige, was die Handarbeitsgruppe spendet. Beispielsweise gestalten sie auch sogannte „Nesteldecken“ für an Demenz erkrankte Menschen. „Das hilft bei innerer Unruhe, damit man etwas hat, um damit zu spielen – so kann der Bewegungsdrang etwas abgefangen werden“, erklärt Ulrike Schröder. Es handelt sich um kleine Wollschläuche, in die ähnlich wie bei Muffs von beiden Seiten die Hände gesteckt werden können. Daran genähte Perlen, Bänder und andere Utensilien sollen Demenzkranken dabei helfen, zu vermeiden, ihre Unruhe zum Beispiel durch Knibbeln an der eigenen Haut zu kompensieren. Die Gruppe plant, die Nesteldecken an das Wahlscheider Seniorenheim und an den Wöllner-Stift nach Rösrath-Hoffnungsthal zu spenden.
Neuhonrather Stricktreff bringt Generationen zusammen
Auch sehr kleine Mützen für sehr kleine Kinderköpfe sind beim Stricktreff zu finden. Hier plane sie, Kontakt zu den Frühen Hilfen in Lohmar aufzunehmen: „Vielleicht als Willkommensgeschenk für die, die neu das Licht der Welt erblicken“, so Elke Steiger. Die Wolle, die der Stricktreff nutzt, sei komplett gespendet, meistens von Privatpersonen, erklärt Carola Scheuch. „Die Materialien werden ja auch alle teurer“.

Ulrike Schröder und Karen Bultmann stricken beide schon seit ihrer Kindheit.
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Die Neuhonrather Strickgruppe trifft sich immer am zweiten und vierten Dienstag im Monat zwischen 15 und 17 Uhr im Fachwerkhäuschen unterhalb des Pfarrhauses, am Pfarrhof 10. Seit Jahren seien sie als Team ziemlich eingeschworen, aber neue Mitglieder sind jederzeit willkommen. In der Regel kommen um die zehn Leute zum Stricktreff, altersmäßig sind sie bunt gemischt: Vera Fietkou ist mit 91 Jahren die älteste Teilnehmerin, die jüngste ist 36 Jahre alt. Ab und zu unternehmen die Frauen auch privat etwas gemeinsam, beispielsweise haben sie schon die Wollmesse in Lohmar oder ein Nachbarschaftsfest besucht.
„Es ist schön, dass man hier eine Gruppe von Gleichgesinnten hat. Handarbeiten kann man auch gut allein vor dem Fernseher, aber noch schöner ist es, wenn man was dabei erzählen kann“, so Ulrike Schröder. Die Frauen helfen sich gegenseitig mit Fragen, Anregungen und Tipps für ihre Projekte. Außerdem leihen sie sich Utensilien wie Stricknadeln aus und teilen Inspirationsquellen in ihrer gemeinsamen Whatsapp-Gruppe.
„Beim Stricken kann man gut abschalten, es ist auch ein bisschen meditativ“, sagt Elke Steiger. Der zweiwöchentliche Treff helfe beim runterkommen im Alltag, nebenher könne man etwas Gutes tun. Karen Bultmann nickt. „Wenn man gerade nichts zu stricken oder häkeln hat, fehlt was.“
