Der Bund senkt die Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf sieben Prozent. Werden die Preise für Schnitzel und Hämmchen jetzt günstiger?
GastronomieWelchen Einfluss hat die Mehrwertsteuersenkung auf Preise von Schnitzel und Co. in Rhein-Sieg?

Wirtin Steffi Böckem serviert in der Kriegsdorfer Dorfschänke deftige deutsche Küche. Sie heißt die Mehrwertsteuersenkung willkommen. (Archivbild)
Copyright: Marius Fuhrmann
Um der notleidenden Gastronomie zu helfen, senkte die damalige Bundesregierung den Mehrwertsteuersatz in der Coronazeit von 19 auf sieben Prozent. Nach dem Ende der Pandemie ging’s zwischenzeitlich wieder hoch, nun wieder runter. Sehnlichst erwartet von den Wirten, von Gegnern als Steuergeschenk kritisiert. Können die Restaurantgäste in der Region mit sinkenden Preisen rechnen?
Kopfschütteln im Beefers Royal in Siegburg, das wie das La Saison zum Kranz Parkhotel gehört und, so Rüdiger Kranz, stark von Gästen von außerhalb frequentiert wird. Der kürzlich eingeführte Mittagstisch im 2023 eröffneten Beefers sei ein Renner: 16,50 kostet ein Gericht, davon waren bislang 3,13 als Umsatzsteuer ans Finanzamt abzuführen, ab dem 1. Januar 2026 nur noch 1,49 Euro, macht ein Plus von 1,64 Euro für den Betreiber.
Personalkosten stiegen im Siegburger Kranz Parkhotel um 30 Prozent
„Ohne die Mehrwertsteuersenkung hätten wir die Preise zum Jahresanfang eigentlich um zwei Euro pro Gericht erhöhen müssen“, schätzt Kranz. Oder aber, weil dies abschreckend auf die Kundschaft gewirkt hätte, an der Personalkostenschraube drehen müssen. Er habe viel Verständnis für die Bürgerinnen und Bürger, die wegen überall steigender Preise weniger im Portemonnaie hätten. Doch der mittelständische Familienbetrieb sei ebenfalls mit Mehrausgaben konfrontiert.
In den vergangenen drei Jahren stiegen laut Rüdiger Kranz allein die Kosten fürs Personal um fast 30 Prozent. Auch Energie und Lebensmittel würden teurer. 42 Frauen und Männer beschäftigen er und sein Bruder Bernd in der Hotelgastronomie, dazu kommen 14 angehende Hotelfachleute und Köche, deren tarifliche Ausbildungsvergütung ebenfalls gestiegen ist.

Im Siegburger Beefers Royal bleiben die Preise stabil, dank der Umsatzsteuersenkung, sagt Rüdiger Kranz.
Copyright: Cordula Orphal
Die Beschäftigten gut zu bezahlen und für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen, zum Beispiel mit der Vier-Tage-Woche, das habe die Attraktivität der Berufe enorm gesteigert. Der Personalmangel, der nach dem Corona-Einbruch eklatant war, sei im Siegburger Hotel kein Thema mehr.
Die Umsatzsteuersenkung, die im übrigen nur für Speisen, nicht für Getränke gilt, entlaste die gesamte Branche, so Kranz, die nach wie vor unter Druck stehe. Erst kürzlich meldeten zwei etablierte Betriebe in der Bonner City Insolvenz an.
Dorfschänke in Troisdorf ändert Preise vorerst nicht
In Troisdorf-Kriegsdorf führt Steffi Böckem seit zwei Jahren die Dorfschänke. Ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt und die einzige noch verbliebene Kneipe mit ansehnlicher Speisekarte. Überklebt sie die alten Preise für Hämmchen, Schnitzel und Co.?
„Vorerst nicht“, sagt die Wirtin. „Es ist ja im Gegenzug der Mindestlohn gestiegen.“ Um 1,12 Euro von 12,82 auf 13,90 Euro. Das sind 8,7 Prozent mehr. Jede Aushilfskraft hat darauf nun Anspruch, auch die Neueinsteiger in der Gastronomie, egal wie lange die Einarbeitungszeit dauert.
Der Staat holt sich schon sein Geld.
Die guten, erfahrenen Leute hätten bislang auch schon mehr als den Mindestlohn erhalten, so Böckem, die sieben Mitarbeitende beschäftigt. Einen leistungsgerechten Lohnabstand solle es auch künftig geben, das sei nur gerecht.
Ihre Gäste hätten sie noch nicht angesprochen auf das Thema Steuer- und mögliche Preissenkung. „Die Leute sind realistisch. Sie wissen, dass es auf der einen Seite zwar Einsparungen gibt, auf der anderen Seite aber Mehrausgaben“, sagt die Wirtin. „Der Staat holt sich schon sein Geld.“

Für Stefan Höller, Wirt der Schublade in Much, ist die Steuersenkung hilfreich, um die Preise bezahlbar zu halten.
Copyright: Cordula Orphal
In der Schublade in Much seien die Preise schon immer bewusst fair kalkuliert worden, sagt Gastwirt Stefan Höller, der mit seiner Frau Steffi das Lokal seit 38 Jahren führt. „Sie lagen und liegen unter dem Preisniveau vieler Mitbewerber.“ Auch in den vergangenen Jahren sei es gelungen, diese weitgehend stabil und für möglichst viele Menschen bezahlbar zu halten.
Und das trotz teils massiver Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Energie und Personal. Die Mehrwertsteuersenkung ist eine hilfreiche Unterstützung, „unsere Geschäftspolitik so weiterführen zu können“. Höller gibt zu bedenken, dass der neue Mindestlohn für die Arbeitgeber sich plus Abgaben auf mehr als 18 Euro summiert.

Mit seiner Rabatt-App will Marco Grewe die Makiman-Stammgäste an der Steuerersparnis teilhaben lassen.
Copyright: Cordula Orphal
Im Makiman kann der Kunde hingegen profitieren. „Ich will meinen Preisvorteil weiterreichen“, sagt Marco Grewe, allerdings nicht mit der Gießkanne. „Wenn jeder 20 Cent spart, bringt das wenig.“ Belohnt würden die Stammkunden, die über eine eigens entwickelte App Punkte sammeln und in Rabatte umwandeln können.
Pro Euro Umsatz erhalte der Gast einen Punkt, für 100 Punkte gebe es zum Beispiel eine Edamame-Portion gratis. Rund 3500 Kunden haben sich laut Grewe die neue App schon heruntergeladen.
Er habe das alles durchgerechnet. In seinen Lokalen mache das Essen etwa 80 Prozent des Umsatzes aus. „In der heutigen Zeit muss man Kaufmann sein“, erklärt der Kaufmann aus Königswinter, der vor viereinhalb Jahren sein erstes asiatisches Restaurant in Hennef eröffnete und jüngst in Neunkirchen-Seelscheid das siebte.
Auch den gestiegenen Mindestlohn für die Minijobber habe er einkalkuliert. Dass auch jeder Festangestellte nun automatisch eine Lohnerhöhung erhalten müsse, sehe er nicht. „Meine Leute bekommen unter anderem ein Job-Ticket.“ Zudem habe er eine Wohnung angemietet, als WG für zwei Mitarbeiter zum günstigen Preis. Die jungen Männer wechselten aus dem Hennefer Lokal nach Neunkirchen. „Abends sind die Busverbindungen nicht mehr so gut.“

