150 ZuhörerFehlende OGS- und Kita-Plätze in Niederkassel – Eltern und Kinder im Stadtrat

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Eine Frau mit einem Kind in der Trage steht in einem Saal mit vielen Menschen.

Mehr als 150 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten die Sitzung des Niederkasseler Jugendhilfeausschusses.

150 Eltern und Kinder besuchten am Mittwoch die Sitzung eines Ausschusses in Niederkassel. Grund sind die Probleme bei der Kinderbetreuung.

Mehr als 150 Zuhörerinnen und Zuhörer bei der Sitzung eines Ausschusses, dazu noch das eine oder andere Kleinkind – das hat es in der Geschichte des Niederkasseler Stadtrates vermutlich noch nicht gegeben. Das ungewöhnlich große Interesse an den Diskussionen im Jugendhilfeausschuss am Donnerstagabend zeigt, wie sehr die zahlreichen aktuellen Probleme bei der Kita-Betreuung und beim Offenen Ganztag (OGS) viele Niederkasseler Eltern umtreiben.

Die meisten waren gekommen, um zu erfahren, welche Lösungen Politik und Stadtverwaltung für die prekäre Situation in der offenen Ganztagsschule haben, nachdem der Verein Betreute Schulen nach den Osterferien sein Betreuungsangebot erheblich verringert hatte und schon jetzt klar ist, dass viele Kinder, die zum Schuljahr 2023/2024 eingeschult werden, voraussichtlich keinen OGS-Platz bekommen werden.

Verwaltung und Schulen schoben sich die Schuld gegenseitig zu

Die Besucher der Sitzung wurden Zeugen, wie sich Stadtverwaltung und Betreute Schulen die Schuld an der Misere gegenseitig zuschoben. Beengte räumliche Verhältnisse seien neben dem allgegenwärtigen Personalmangel Grund für die Misere, führten Geschäftsführerin Britta Busch und ihre Kollegin aus. Mangelnde Bereitschaft des Trägervereins, flexibel auf die schwierige Situation zu reagieren, machte dagegen der sichtlich aufgebrachte städtische Beigeordnete Carsten Walbröhl als einen Grund der Misere aus.

Er forderte Betreute Schulen gleich mehrfach auf, in der aktuellen Mangelsituation die pädagogischen Standards der OGS-Betreuung wenigstens vorübergehend abzusenken und im Zweifelsfall auch weniger gut ausgebildetes Personal zu beschäftigen, um möglichst viele Kinder betreuen und deren Eltern entlasten zu können. „Eine Betreuung, die pädagogisch nicht ideal ist, ist allemal besser, als keine Betreuung“, sagte Walbröhl. Dies gelte umso mehr, als der Gesetzgeber für die OGS-Betreuung keine fachlichen Vorgaben mache.

Niederkassel: Im Stadtteil Ranzel gibt es noch 15 freie OGS-Plätze

Dieser Einschätzung mochte sich der Trägerverein jedoch nicht anschließen. „Da haben wir einfach eine andere Auffassung“, entgegnete Geschäftsführerin Britta Busch knapp. Auch der Appell der Ausschussvorsitzenden Angela Niethammer (CDU), Stadt und Eltern befänden sich in einer Notsituation, in der sich der Träger kompromissbereit zeigen müsse, konnte diese Haltung nicht ändern. Busch beteuerte lediglich, der Verein suche mit Hochdruck nach neuem Personal, um OGS-Betreuung möglichst rasch wieder im früheren Umfang anbieten zu können.

Immerhin eine gute Nachricht konnten Walbröhl und Busch den anwesenden Eltern verkünden: Im Stadtteil Ranzel gebe es noch 15 freie OGS-Plätze. Wer aus dem Mangelstadtteilen Rheidt und Niederkassel-Ort dringend einen OGS-Platz für sein Kind benötige, um Familie und Berufsleben vereinbaren zu können, der könne sein Kind an der Ranzeler Grundschule anmelden.

„Allerdings haben wir keinen Einfluss darauf, welche Kinder von der Schule aufgenommen werden und damit eine Chance auf einen OGS-Platz haben“, warnte Walbröhl vor allzu großem Optimismus. „Das entscheidet ganz alleine die Schule.“

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