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Kiesgrube NiederkasselStadtrat lehnt auch eine abgespeckte Erweiterung ab

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Die Rohstoffvorräte in der Niederkasseler Kiesgrube sind erschöpft. Das Unternehmen möchte das Areal deshalb um rund zehn Hektar erweitern.

Die Rohstoffvorräte in der Niederkasseler Kiesgrube sind erschöpft. Das Unternehmen möchte das Areal deshalb um rund zehn Hektar erweitern.

Nachdem ein erster Antrag auf Erweiterung der Niederkasseler Kiesgrube von der Bezirksregierung abgelehnt wurde, nimmt der Betreiber jetzt einen erneuten Anlauf.

Stadtrat und Stadtverwaltung bleiben bei ihrem klaren Nein zu den Erweiterungsplänen für die Kiesgrube zwischen Niederkassel-Ort und Uckendorf. Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt fielen am Mittwoch auch die abgespeckten Pläne des Kiesgrubenbetreibers Kieswerk Niederkassel SKB GmbH & Co. KG durch. Die Ablehnung der Erweiterungspläne hat allerdings keinen unmittelbaren Folgen, da für die Genehmigung des Vorhabens Kreisverwaltung und Bezirksregierung zuständig sind.

Die Kiesgruben-Betreiberin, eine Tochtergesellschaft der in Rees am Niederrhein ansässigen Holemans GmbH, möchte auf einer rund 9,9 Hektar großen Fläche im Osten der bestehenden Kiesgrube rund vier bis fünf Jahre lang auf dem Wege der Trockenabgrabung insgesamt rund 800.000 Tonnen Kiessand abbauen. Das ist deutlich weniger als ursprünglich beabsichtigt. Noch im Januar 2025 hatte das Unternehmen eine Erweiterung um 19,4 Hektar beantragt. Dagegen hatte es vor allem im Stadtteil Uckendorf erhebliche Proteste gegeben. Der Widerstand richtete sich vor allem dagegen, dass eine umfangreich erweiterte Kiesgrube der Uckendorfer Wohnbebauung, aber auch dem Hotel Clostermanns Hof und einem Reitbetrieb sehr nahe gekommen wäre. Anwohnerinnen und Anwohner befürchteten erhebliche Lärm- und Staubbelastungen für den Ort, aber auch unzumutbare Eingriffe in die Natur und das Landschaftsbild.

Bezirksregierung Köln verweigerte im Herbst 2025 ihre Zustimmung

Dieser Argumentation hatte sich der Stadtrat im März 2025 angeschlossen. Die Politiker verweigerten das gemeindliche Einvernehmen, wie es offiziell heißt. Im Herbst 2025 erteilte dann auch die Bezirksregierung Köln dem Vorhaben eine Absage. Das Erweiterungsvorhaben sei nicht mit den Zielen der Raumordnung vereinbar, hieß es zur Begründung. Die Fläche, für welche die Firma SKB eine Erweiterung ihrer vorhandenen Kiesgrube beantragt habe, liege außerhalb der festgelegten Abgrabungsbereiche. Dies sei mit den Vorgaben des Teilplans Nichtenergetische Rohstoffe des kürzlich in Kraft getretenen Regionalplan Köln nicht vereinbar.

Im Dezember vergangenen Jahres hat die Betreiberin des Kieswerks auf die Bürgerproteste, aber auch auf die ablehnende Haltung der Niederkasseler Politik reagiert und ihre Erweiterungspläne deutlich reduziert. „Mit unseren neuen Planungen halten wir fast überall einen Abstand von 300 Metern zu Uckendorfer Wohnbebauung ein“, erläuterte Philipp Hagemeier, der bei der Holemans GmbH für die Unternehmensentwicklung zuständig ist, im Umweltausschuss. Ziel des Unternehmens bleibe es, „die Region mit dringend benötigten Rohstoffen zu versorgen“.

Anwohnende schreiben eine Resolution an den Niederkasseler Stadtrat

Um Anwohnende vor Lärm und Staub zu schützen, plant das Unternehmen zur Uckendorfer Wohnbebauung hin einen Schutzwall. Der Transport des abgebauten Kiessands zum auf demselben Gelände befindlichen Betonwerk soll ausschließlich über einen Damm erfolgen, der eigens zwischen den beiden Wasserflächen in der Kiesgrube aufgeschüttet wird. Zudem habe das Unternehmen seine Pläne aufgegeben, die Kiesgrube weiter in Richtung Süden zu erweitern. Entsprechende Gespräche mit Grundstückseigentümern blieben erfolglos.

Die Bürgerinnen und Bürger in Uckendorf scheinen sich durch das Entgegenkommen des Unternehmens nicht umstimmen zu lassen. Sie halten ihre Bedenken aufrecht. Bereits im Februar dieses Jahres richteten sie eine Resolution an den Stadtrat, in der dieser aufgefordert wird, das Vorhaben des Kieswerks „zu unterbinden". „Alle bereits 2025 vorgetragenen Argumente gegen eine weitere Abgrabung bleiben erhalten bezüglich Staubs, Lärm, verkehr, Umwelt- und Klimaschutz, Grundwassergefährdung (Trinkwasser) und Gesundheitsgefährdung der Uckendorfer Bevölkerung“, heißt es in der Resolution.

Auch der Stadtrat ließ sich von den deutlich abgespeckten Erweiterungsplänen und den Ausführungen des Unternehmens nicht umstimmen. Die Politiker schlossen sich den Argumenten der Stadtverwaltung an. Diese hatte daran erinnert, dass ein Großteil der Erweiterungsfläche außerhalb des im Flächennutzungsplan festgelegten Bereichs für Abgrabungen liege. Zudem, so die Zuständigen im Rathaus, würde mit der Kiesgrubenerweiterung schutzwürdiger landwirtschaftlicher Boden verloren gehen. Auch schutzwürdige Biotope könnten durch das Vorhaben negativ beeinflusst werden. Bei einer Begehung im vergangenen Jahr seien „planungsrelevante Arten“ wie Bluthänfling, Feldlerche, Feldschwirl, Flussregenpfeifer, Nachtigall, Schwarzkehlchen, Uferschwalbe, Kreuzkröte und Wechselkröte nachgewiesen worden.


Nassabbau von Kies wurde inzwischen eingestellt

Nach Angaben der Holemans GmbH, zu der das Niederkasseler Kieswerk seit 2021 gehört, sind die Rohstoffreserven in der bisherigen Niederkasseler Kiesgrube erschöpft. Der Nassabbau von Kiessand, der als Rohstoff für die Bauindustrie benötigt wird, wurde zum 31. Dezember 2025 eingestellt. Inzwischen werden Teile der Kiesgrube wieder mit Erdraum verfüllt.

Jährlich möchte das Unternehmen künftig rund 150.000 Tonnen Kiessand im Osten der bisherigen Kiesgrube gewinnen. Der Abbau soll sich über etwa vier bis fünf Jahre erstrecken. Wie lange es tatsächlich dauern würde, bis die Kiessandvorräte auf der rund zehn Hektar großen Erweiterungsfläche erschöpft sind, hängt von der Baukonjunktur ab. Man produziere in Niederkassel ausschließlich für den unmittelbaren Bedarf, betont das Unternehmen. Sollte der Rohstoff nach rund fünf Jahren erschöpft sein, dauere es weitere vier bis fünf Jahre, bis das Areal wieder verfüllt ist und anschließend für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung steht, erklärte ein Unternehmensvertreter im Niederkasseler Umweltausschuss.