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Traum vom PorschePaar aus Niederkassel verkauft Dopingmittel im Wert von 100.000 Euro

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Ein Mann zeigt seinen sehr großen Bizeps unter einem aufgerollten T-Shirt.

Testosteron und andere Mittel zum Muskelwachstum soll das Paar an Bodybuilder verkauft haben. 

Ein Paar aus Niederkassel hat gemeinsam Testosteron im Wert von Zehntausenden Euro an Bodybuilder verkauft. Jetzt wurden sie verurteilt.

Die Arzthelferin hatte einen Traum: Sie wollte einen Porsche Macan fahren. Um den PS-starken Wagen und den ansonsten ebenfalls aufwendigen Lebensstil zu finanzieren, machte die 58-Jährige mit ihrem Mann krumme Geschäfte mit Dopingmitteln. Die kamen bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle ans Licht.

Das Ehepaar saß jetzt vor dem Schöffengericht. Pillen und Ampullen im Wert von einigen Tausend Euro hatte die Polizei im Kofferraum gefunden. Angeklagt war aber nicht nur dieser Fall.

Von August 2018 bis März 2019 soll das Paar 26-mal illegale Substanzen von einem Dealer aus Dormagen abgeholt und im Großraum Köln/Bonn an Bodybuilder verkauft haben. Einkaufswert des Testosterons und anderer Mittel zum Muskelwachstum: knapp 100.000 Euro. Verkaufspreis: unbekannt.

Handel mit Dopingmitteln: Arzthelferin schrieb fingierte Rechnungen

Seine Mandantin sei nur einmal nach Dormagen gefahren, als ihr Mann schwer krank in der Klinik gelegen haben, sagte ihr Strafverteidiger. Sie habe für die von der Polizei beschlagnahmten Medikamente Ersatz beschaffen müssen.

Die anderen Transporte habe der heute 55-Jährige erledigt, ein gelernter Schlosser, der seit Jahren aufgrund diverser Erkrankungen Frührente bezieht. Der Ehefrau, die eingeweiht war, sei das nicht recht gewesen, sie habe mehr Zeit mit ihm und dem Hund verbringen wollen.

Durch die Telefonüberwachung des Haupttäters geriet das Niederkasseler Paar in der Fokus der Fahnder. Unklar blieb, ob deren einträgliches Geschäft schon länger lief. Die Einnahmen landeten auf dem gemeinsamen Konto.

Um die Geldwäsche zu verschleiern, hatte die Arzthelferin ein Gewerbe angemeldet und schrieb fingierte Rechnungen. Mit den Erträgen wurde unter anderem ein älteres Haus luxussaniert, berichtete die Staatsanwaltschaft. Das vermieteten die Angeklagten.

Prozess: Unterstellkosten für den Porsche belaufen sich auf 20.000 Euro

Sein Mandant habe aus Geldnot gehandelt, sagte der Strafverteidiger der 55-Jährigen. Er beziehe eine EU-Rente von 1800 Euro. Das Schöffengericht verurteilte den bislang unbescholtenen Mann zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Aufgrund der fortgeschrittenen Krankheit sei eine Wiederholungsgefahr auszuschließen, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Wilbrand.

Die ebenfalls nicht vorbestrafte Ehefrau erhielt wegen Beihilfe sechs Monate auf Bewährung. Mehr Schmerzen dürften die beiden die Vermögensabschöpfung bereiten. Der Staat verlangt als „Wertersatz“ die 98.000 Euro, die die Dopingmittel gekostet haben.

Zudem wurde der Porsche im April 2019 einkassiert. „Bis jetzt sind etwa Unterstellkosten von 20.000 Euro aufgelaufen“, schätzte der Richter. Das ärgerte die Angeklagte: „Ich zahle Monat für Monat 800 Euro für ihn ab. Warum wurde er noch nicht verkauft?“