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Ein Lkw entspricht 100.000 AutosBonner Nordbrücke muss für Schwerlastverkehr weiter gesperrt bleiben

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Die Nordbrücke in Bonn ist seit dem 9. Februar für  alle Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, wie Lkw und den ÖPNV gesperrt. Ausnahmen gibt es nur wenige.

Die Nordbrücke in Bonn ist seit dem 9. Februar für alle Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, wie Lkw und den ÖPNV gesperrt. Ausnahmen gibt es nur bis zu den Sommerferien.

Im Ausschuss für Planung und Verkehr war die Sperrung der Nordbrücke erneut Thema. Die Politiker forderten schnelle Lösungen.

Die Sperrung der Nordbrücke bei Bonn für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 7,5 Tonnen beschäftigt weiterhin die Politik im Kreis. Derzeit steht zu befürchten, dass die Sperrung für den Schwerlastverkehr beibehalten werden muss, bis die Brücke neugebaut wird. Das wird jedoch noch Jahre dauern.

Für die Kreispolitik ist es jetzt wichtig, weiteren Schaden für den Verkehr in der Region abzuwenden. Besondere Sorge macht den Politikerinnen und Politikern das Thema Schulverkehr. Hierfür wurden im jüngsten Verkehrsausschuss des Kreises schnelle Alternativen gefordert. Zudem gab es Sorgen um mögliche weitere Sperrungen, sollte die Brücke der Belastung nicht standhalten oder die Sperrung nicht eingehalten werden, so zumindest geht es aus dem Sachstandsbericht der Verwaltung zur Lage um die Brücke hervor.

Verbot für Schwerlastverkehr muss eingehalten werden, um Normalverkehr zu gewährleisten

Demnach „gibt es auch Überlegungen für weitere Verschärfungen, wenn sich der Bauwerkzustand weiter verschlechtern sollte“, heißt es in der Vorlage. Denkbar sei ein Verbot auch für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen, oder eine Schrankenanlage, wie sie an der Rheinbrücke A1 in Leverkusen genutzt wurde. Das Worst-Case-Szenario wäre eine vollständige Sperrung der Brücke für den Verkehr. 

Das Verbot für den Schwerlastverkehr müsse also unbedingt eingehalten werden, erläutert die Vorlage. Denn laut Autobahn GmbH belastet ein einziger Lkw die Brücke so stark wie 100.000 Pkw, was in etwa dem aktuellen täglichen Verkehr über die Brücke entspricht.

Kreisausschuss will weitere Möglichkeiten für Schulverkehr prüfen

„Die Sperrung hat jetzt schon schwerwiegende Konsequenzen frür die Menschen in der Region“, sagte im Ausschuss Friedrich-Wilhelm Kuhlmann von der FDP. „Und das bis zum Neubau.“ Seiner Ansicht nach sei die Planung erheblich zu beschleunigen, auch Geld aus dem Bund sollte bereitgestellt werden. „Wir brauchen da einen Bauturbo“, so Kuhlmann. „Wir sollten Druck machen, in Berlin und auch die Landespolitiker sind da gefragt.“

Nach aktuellem Stand wäre ein Neubau der Nordbrücke nämlich erst Mitte der 2030er-Jahre fertig, bis dahin könne laut Sachstandsbericht der Autoverkehr nur aufrechterhalten werden, wenn die Sperrung für den Schwerlastverkehr beibehalten werde.

Die Schülerinnen und Schüler werden hier sozusagen Opfer eines doppelten Sanierungsstaus.
Michael Richter, SPD

Die SPD sprach sich, ebenso wie die FDP dafür aus, die Möglichkeiten für den Schülerverkehr erneut prüfen zu lassen. Derzeit gibt es eine Ausnahme des Verkehrverbots auf der Brücke für die beiden Schulbuslinien, die Schülerinnen und Schüler aus dem rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis zum Collegium Josephinum im Bonner Norden sowie zur Ursulinenschule in Bornheim-Hersel bringen. Diese gilt aber nur bis zum Ende dieses Schuljahres.

„Die Schülerinnen und Schüler werden hier sozusagen Opfer eines doppelten Sanierungsstaus“, sagte Michael Richter (SPD). An vielen Schulgebäuden gebe es Probleme mit Sanierung und nun müssten sie auch noch unter den Verkehrsproblemen leiden. Er fragte, ob es Möglichkeiten gebe, den Schülerverkehr als Spezialverkehr mit explizitem Schulbus auszuweisen. Denn eigentlich handelt es sich bei den oft als „Schulbuslinien“ bezeichneten Bussen (552 und 595) um regulären Linienverkehr. 

Schulverkehr aus Kostengründen auch mit Kleinbussen nicht möglich

Ingo Steiner von den Grünen warnte davor, zu versuchen, einen Schülerverkehr durchzusetzen, wie es ihn jetzt mit normalen Linienbussen gebe. „Die Ausnahmegenehmigung ist gut, aber auch diese Busse tragen ihren Teil zur Schädigung bei. Geht die Ausnahme nach den Ferien weiter, könnte das zu weiteren Sperrungen führen.“ Auch er plädierte dafür, dass alle Fraktionen ihre Energie in Richtung Land und Bund richten, um bei den Planungen für den Neubau Druck zu machen.  

Oliver Krauß (CDU) sei klar, dass die befristete Ausnahme für den Schulverkehr nur wenig tröste. Aber auch mit Kleinbussen, sei der Verkehr für die Schülerinnen und Schüler nicht machbar. „Wir bräuchten viel mehr kleine Fahrzeuge und Fahrer.“ Das halte er für unwahrscheinlich. 

Tim Hahlen, Leitung des Dezernats 4 im Kreis, zu dem auch Verkehr und Mobilität zählen, betonte, dass der Rhein-Sieg-Kreis sich in laufenden intensiven Abstimmungen mit der Stadt Bonn (und SWB) sowie der RSVG über den Schulverkehr befinde. „Es ist klar, dass die Busse das mit Umleitung über die Kennedybrücke nur mit einer Fahrtzeitverlängerung schaffen, das ist nicht wegzudiskutieren. Damit gibt es auf jeden Fall Nachteile für die Schülerinnen und Schüler.“

Kleinbusse für den Schulverkehr seien direkt anfangs überprüft worden. „Theoretisch ist das möglich, aber die finanzielle Belastung wäre unverhältnismäßig.“


Die Sperrung und Sachlage der Nordbrücke sollen weiterhin regelmäßig Thema im Ausschuss bleiben. Darum baten die Fraktionen einmütig. Im nächsten gemeinsamen Ausschuss mit der Bundesstadt Bonn am 15. April im Siegburger Kreishaus werden weitere Fragen zu dem Thema erörtert. Dann werden auch Vertreter der Autobahn GmbH und der Stadtwerke Bonn erwartet.