Obwohl Kater Foxi der Familie Lindner nicht offiziell gehört, kam es zu einem Rechtsstreit um das Tier.
Nach Kastration nicht zurückgegebenFamilie kämpft monatelang um Straßenkater Foxi

Sabine Lindner kann sich Foxi nach seiner Rückkehr nur behutsam nähern, schon vorher war er scheu.
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Wenn Tierfreunde und Katzenliebhaber aufeinandertreffen, müsste Einigkeit herrschen – doch beim Thema Tierwohl gehen die Vorstellungen auseinander. Ein Ehepaar aus Weyerbusch erhebt Vorwürfe gegen den Tierschutzverein Siebengebirge aus Bad Honnef.
Vor einigen Monaten nahm eine Mitarbeiterin den Kater Foxi in Obhut, gab ihn anschließend jedoch nicht mehr zurück. Das Problem: Streng genommen gehört Foxi dem Ehepaar nicht, er ist ein Straßenkater. Es kam zu einem Rechtsstreit, in dessen Verlauf das Tier zwar zur Familie zurückkehrte, doch Fragen offen blieben.
Er war kein Besitz, sondern ein Lebewesen, das sich uns anvertraut hat.
Im Rhein-Sieg-Kreis und im angrenzenden Landkreis Altenkirchen leben tausende herrenlose Katzen. Sie streunen durch Hinterhöfe, Scheunen und Gärten und vermehren sich unkontrolliert. Im Rhein-Sieg-Kreis gilt daher seit 2017 eine Kastrationspflicht für Katzen, unabhängig davon, ob sie einen Halter haben oder auf der Straße leben. Im Kreis Altenkirchen ist eine entsprechende Regelung seit August 2025 in Kraft. Einer dieser Kater kam vor rund zehn Jahren zu Gunnar und Sabine Lindner.
„Er war halb verhungert, verwurmt, ein Schatten seiner selbst. Wir haben nicht weg geschaut und ihn gefüttert, gegen Parasiten geschützt und ihm sichere, warme Rückzugsorte geschaffen“, schildert Gunnar Lindner. „Er durfte frei leben, so wie er es brauchte und wurde mit der Zeit immer zutraulicher. Er war kein Besitz, sondern ein Lebewesen, das sich uns anvertraut hat“. Sie gaben ihm den Namen Foxi. Mit seinem rotbraunen Fell erinnert er tatsächlich an einen Fuchs. Fortan lebte das Tier in der Nähe ihres Grundstücks, kam zum Streicheln auf die Terrasse, durfte jedoch nicht ins Haus. Für die Lindners ist das 16 bis 18 Jahre alte Tier „ihr“ Kater.

Foxi ist ein Straßenkater, lebte aber seit Jahren rund um den Hof des Ehepaars.
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Ende November sei eine Mitarbeiterin des Tierschutzes Siebengebirge, zu dessen Tätigkeitsgebiet Weyerbusch gehört, auf dem Hof des Ehepaars erschienen – und entdeckte Foxi. „Sie machte uns große Vorwürfe, dass unser Kater nicht kastriert war. Wir wussten von der Kastrationspflicht zu dem Zeitpunkt nichts“, räumt Gunnar Lindner ein. Nach eigenen Angaben übergaben sie den Kater kurz vor Weihnachten in die Obhut der Mitarbeiterin, unter der Voraussetzung, ihn nach der Kastration zurückzuerhalten. „Wir versprachen, für alle Kosten aufzukommen. Doch wir erhielten Foxi nie zurück, er wurde im Katzenhaus festgehalten.“
Besuchsanfragen an das Tierheim sollen unbeantwortet geblieben sein
Besuchsanfragen seien unbeantwortet geblieben, bei Nachfragen seien sie abgewimmelt worden: „Uns wurde gesagt, es sei für einen alten, zahnlosen Kater nicht zumutbar, draußen leben zu müssen, er könne sich ja nicht wehren. Später kam das Argument hinzu, er sei ja nun schon so lange in dem beheizten Katzenzimmer und käme mit den kalten Wintertemperaturen nicht mehr zurecht“, beschreibt Sabine Lindner.
Nur einmal habe sie Foxi besuchen dürfen. „Ich habe einen sehr verschüchterten, keinen entspannten und glücklichen Kater vorgefunden. Auch habe ich trotz Bitte keine Bilder und Videos erhalten, die ihn in Bewegung oder gar bei der Kontaktaufnahme zu Artgenossen zeigen“, klagt sie. Dabei sei Foxi zuletzt sehr zutraulich gewesen, gar mehrmals am Tag zum Fressen gekommen, habe in der Scheune verschiedene Rückzugsmöglichkeiten gehabt. „Wir haben dort sogar ein geschütztes Gehege mit einer isolierten Katzenhütte eingerichtet, auch eine Wärmelampe wäre kein Problem gewesen“, sagt Sabine Lindner.
Geschäftsführung des Tierschutzes verweist auf laufende juristische Auseinandersetzung
Ihr Mann sieht in der Weigerung übertriebene Tierliebe: „Der Tierschutz Siebengebirge behauptet, liebevolle Zuhause für Tiere zu suchen. Stattdessen verweigert er einem alten, freiheitsliebenden Tier die Rückkehr in sein vertrautes, liebevolles Umfeld – offenbar, um eine starre, eigene Vorstellung durchzusetzen, wie ältere Katzen zu leben hätten“, kritisiert er. Nachdem sie Foxi auch im März nicht zurückerhielten, schalteten sie einen Anwalt ein.
Die Redaktion hat den Bad Honnefer Verein mit einer Reihe von Fragen konfrontiert, darunter die Gründe für die verweigerte Rückgabe Foxis an das Ehepaar Lindner und die Notwendigkeit einer juristischen Auseinandersetzung um ein 18 Jahre altes Tier. Dabei erklärt der Verein in sozialen Medien, dass das Katzenhaus überfüllt sei. Mehrmals in der Woche gehen Vermittlungsangebote online. Beim Streit um Foxi verweist die Geschäftsführung auf die laufende juristische Auseinandersetzung lässt aber durchblicken, dass der Kater bei der Inobhutnahme wohl in einem schlechten Zustand war. Auf die Fragen eingehen wolle man zunächst nicht.
Kater ist nach Auseinandersetzung wieder zurück bei Familie Lindner
Kern einer juristischen Auseinandersetzung war allerdings die Frage, ob Foxi als Straßenkater, der sich nicht einmal auf den Arm nehmen lässt, tatsächlich den Lindners gehört. Das Ehepaar sieht sich im Recht: „Im Bürgerlichen Gesetzbuch steht, dass jemand eine bewegliche Sache erwirbt, wenn sie zehn Jahre lang sein Eigentum ist“, argumentiert Gunnar Lindner. Es ist unklar, ob die Anwältin des Tierschutzvereins dieser Rechtsauffassung folgt. Jedenfalls kam durch die Juristen Bewegung in die Sache.
„Die Leiterin des Katzenhauses kam vergangene Woche zu uns auf den Hof, mit dabei waren die Anwältin des Vereins und unser Anwalt. Die Mitarbeiterin war nach wie vor nicht bereit, uns unseren Kater zurückzugeben. Erst nach einem Vier-Augen-Gespräch mit ihrer Anwältin hat sie eingelenkt“, schildert Gunnar Lindner. Vergangenen Donnerstag hätten er und seine Frau den Kater endlich wiederbekommen – unter Auflagen: „Sie will sich im September nochmal davon überzeugen, dass Foxi einen warmen Platz hat. Den haben wir ohnehin, denn da er die ganze Zeit in einem geheizten Raum gehalten wurde, haben wir Foxi erst einmal im Haus.“ Der Kater sei traumatisiert. „Vielleicht können wir ihn nach Ostern wieder rauslassen, wenn es etwas wärmer ist.“
Foxi ist nun wieder bei Familie Lindner. Die Königswinterer Anwältin Cornelia Mazur-Flöer bestätigt die Übergabe und spricht von „sehr konstruktiven Gesprächen, die zu einer einvernehmlichen Lösung in der Sache geführt haben.“ Die Angelegenheit sei für beide Seiten nun abgeschlossen.

