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IHK-UmfrageMiese Stimmung bei Unternehmen im Rhein-Sieg-Kreis und Bonn

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Blick in eine Fußgängerzone.

Gab es zum Jahresbeginn nach den positiven Zahlen im Weihnachtsgeschäft eine leichte Erholung, so ist davon nun nichts mehr zu spüren.

31 Prozent der Befragten halten die Geschäftslage für schlecht, 40 Prozent erwarten sogar, dass sie noch schlechter wird.

Der Iran-Krieg wirkt sich jetzt auch auf die Wirtschaft in der Region Bonn/Rhein-Sieg aus: Unternehmen spüren die hohen Sprit- und Energiepreise, die unterbrochenen Lieferketten und die Zurückhaltung bei den Verbrauchern. Entsprechend mies ist die Stimmung bei den Managern. Sie senkten bei der Frühsommer-Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg bei der Frage nach der derzeitigen Geschäftslage den Daumen.

Konjunkturklimaindex im Rhein-Sieg-Kreis und Bonn nähert sich Tiefstwerten

31 Prozent der Befragten halten sie für schlecht, 40 Prozent erwarten, dass sie noch schlechter wird; nur 23 Prozent der befragten Unternehmen sprachen von einer guten Lage, für 46 Prozent ist sie befriedigend. Macht unterm Strich einen Konjunkturklimaindex von 85 Punkten, der sich damit laut IHK den Tiefstwerten aus den Jahren 2022 und 2024 nähert.

Der Index misst Stimmung und Erwartungen der befragten 1500 Mitgliedsbetriebe der Kammer; der Mittelwert liegt bei 100 Punkten, alles darunter deutet auf eine negative Situation. 300 Firmen haben an der Umfrage teilgenommen. Bei keiner der fünf Leitbranchen der Region zeigt das Geschäftsklima über 100 Punkte an, die fehlende Perspektive wirkt sich auch auf die Investitionsabsichten aus. Nur 22 Prozent der Betriebe planen höhere Ausgaben, 41 Prozent kürzen ihre ohnehin schon knappen Budgets weiter.

Berlin muss bei Reformen endlich von der Bremse gehen
Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg

Im Vordergrund stehen dabei laut Kammer vor allem Ersatzbeschaffungen etwa für ausgemusterte Maschinen sowie Rationalisierungen. Jedes fünfte Unternehmen plant den Abbau von Personal. Beklagt wird zudem der Reformstau. IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille forderte am Freitag bei der Vorstellung des Konjunkturberichts, Berlin müsse „bei Reformen endlich von der Bremse gehen“.

So sieht es in den Branchen aus:

Dienstleistung: Beim einstigen Wachstumsträger der Region fehlt schon im dritten Jahr in Folge die Aufbruchstimmung. Der Index liegt mit 93 fünf Punkte unter dem Wert der Umfrage von Anfang 2026. Die Firmenchefs beklagen hohe Arbeitskosten und geringe Inlandsnachfrage.

Industrie: In der Lagewertung weist der Saldo aus Stimmung und Erwartung nach unten, Investitionen brechen ein. Gute Geschäfte machen allerdings Unternehmen aus den Bereichen Verteidigung und Infrastruktur. Der Index ist von 95 auf 82 Punkte gesunken.

Ein Autobahnschild weist auf die Sperrung einer Brücke hin.

Die Sperrung der Nordbrücke für Lastwagen zwingt die Logistikbranche zu weiten Umwegen.

Einzelhandel: Gab es zum Jahresbeginn nach den positiven Zahlen im Weihnachtsgeschäft eine leichte Erholung, so ist davon nun nichts mehr zu spüren. Mehr als die Hälfte der Kaufleute berichtet von gesunkenen Umsätzen; auch wenn Innenstädte gerade am Wochenende voller Besucher scheinen, verzeichneten nur wenige Läden ein Plus.

Grund nach Beobachtungen des IHK-Konjunkturexperten Michael Schmaus: Die Verunsicherung der Verbraucher wegen hoher Benzinpreise, steigender Inflation und wachsender Sozialabgaben. Der Index ist auf 69 Punkte gefallen, und damit fast so niedrig wie zu Corona-Zeiten.

Marode Infrastruktur und teurer Sprit belasten Logistiker

Information und Kommunikation: Diese Branche erlebt mit einem Index von 89 Punkten ebenfalls eine lange Phase ohne Wachstum, obwohl der Digitalisierungsbedarf bei ihren Kunden groß ist. Jedes vierte Unternehmen muss Stellen abbauen.

Verkehr: Diese Branche sei mit einem Index von 64 Punkten nach dem Einzelhandel „das Problemkind“ der Kammer, sagte Schmaus. Neben den Ausgaben für Kraftstoff koste die Logistiker die bröckelnde Verkehrsinfrastruktur täglich Zeit und Geld, die für Lkw gesperrte Nordbrücke zwinge die Lieferanten zu weiten Umwegen oder längeren Fahrten durch Bonn.

Gibt es denn gar nichts Positives? Vielleicht erlebe Deutschland ja einen psychologischen Effekt, wenn die Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Amerika gut abschneide, unkte Hille. Aber das kann die Kammer nicht beeinflussen . . .