Rund um Ostern, das höchste Fest der Christenheit, hat sich über die Jahrhunderte eine ganze Reihe von Bräuchen und Traditionen entwickelt.
TraditionenWarum Ostern in Rhein-Sieg mit Klappern, Feuer und bunten Eiern gefeiert wird

Selbstgefärbte Ostereier liegen in einem Körbchen auf einer Wiese. (Symbolbild)
Copyright: Caroline Seidel/dpa
„Klappern gehört zum Geschäft“, sagt der Volksmund. In einigen Kirchengemeinden der Region gehört das Klappern aber vor allem zu Ostern: Es ersetzt den Klang der Glocken, die der Legende nach in der Passionszeit nach Rom geflogen sind. Das Klappern ist aber nur einer von mehreren Osterbräuchen, die zum Teil seit vielen Jahren gefeiert werden.
Die aktiven Messdienerinnen und Messdiener sind es in der Hennefer Gemeinde Liebfrauen, die an Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersamstag in der Nachbarschaft unterwegs sind. „Sie sammeln Eier für die Osteragape“, erzählt Pfarrer Christoph Jansen: Die werden in der Agapefeier nach der Osternacht aufgegessen, beim Fastenbrechen am frühen Morgen.
In Hennef und Bornheim klappern junge Leute in den Straßen
„Die haben das alles sehr gut organisiert“, berichtet der Geistliche. Es gibt eine Karte, damit die Jugendlichen und jungen Erwachsenen keine der Straßen doppelt besuchen. Jansen selbst steht an den genannten Tagen in der Küche, er bekocht die Gruppe zum Mittagessen. „Nie wirklich ausgestorben“ sei der Brauch, weiß Pfarrer Jansen. Eigentlich immer sei geklappert worden.

In Rösberg gehen die Messdiener und Gruppenleiter klappern.
Copyright: Foto: Margret Klose
Geklappert wird auch im linksrheinischen Bornheim: In den Ortsteilen Dersdorf, Kardorf, Rösberg und Waldorf ziehen Kinder und Jugendliche aus dem Dorf los; dazu treffen sie sich am Karfreitag um 6.45 Uhr an den Kirchen, außerdem um 11.45 und um 17.45 Uhr. Früh aufstehen heißt es auch Karsamstag: Um 6.45 Uhr treffen sich die Teilnehmenden, los geht es zur vollen Stunde.
In Königswinter wird gebeiert, in Bornheim heißt es „Bammschlagen“
Klangvoller ist das Beiern, das in einigen Gemeinden ebenfalls zum Osterbrauchtum gehört. So in Königswinter-Heisterbacherrott, wo Georg Wagner das Quartett der Beiersleute anführt. Der Heimatverein hatte den Anstoß gegeben. 2013 schlugen Winfried Clarenbach, Ariane Toffel, Rolf Linden und Wagner zum ersten Mal die Glocken in Heisterbacherrott; zuvor hatte Wagner nach längerem Tüfteln die Technik installiert.
In der Emmauskirche in Heisterbacherrott wird nach dem Ostersonntagsgottesdienst gegen 12 Uhr gebeiert: Über Seile werden die Klöppel an den Glocken bedient; „die Glocken sind fest, wir ziehen an den Klöppeln“, beschreibt Georg Wagner den Unterschied zum klassischen Läuten, bei dem die Glocken in Bewegung gesetzt werden. Traditionelle Anlässe für das Beiern sind Ostern, Fronleichnam oder Kirmes. Anderswo erklingen die Glocken auch an Weihnachten. An St. Pankratius in Oberpleis beiert Wagner noch zweimal im Jahr.
In der Zwischenzeit haben wir's drauf
„In der Zwischenzeit haben wir's drauf“, beantwortet Georg Wagner die Frage nach der Notwendigkeit, für diese besondere Art des Glockenspiels zu üben. Man könne aber zuhause durchaus proben: Dann werden mit unterschiedlichen Mengen Wasser gefüllte Weinflaschen mit einem Löffel angeschlagen. „Damit kann man die Koordination üben“ – schließlich wird beim Beiern mit allen vier Extremitäten je eine Glocke bedient.
Daher sind auch in der Königswinterer Christuskirche in der Altstadt stets zwei Beiersleute im Einsatz, denn dort sind fünf Glocken zu bedienen. In der Remigiuskirche gleich nebenan werden am Vorabend von Palmsonntag Wagner und seine Mitstreiter beiern. „Schon immer“, wie Georg Wagner Auskunft gibt, wird dort der alte Brauch gepflegt. Vom dortigen Glockenspiel gebe es sogar eine Aufnahme aus dem Jahr 1942: entstanden wohl kurz vor der Ablieferung der Glocken für die Kriegsindustrie.

In der Kirche St. Remigius in Königswinter wird die Tradition des Beierns gepflegt.
Copyright: Ralf Klodt
Ein außerordentliches Glockenspiel ist zu Ostern aus dem Kirchturm in Bornheim-Brenig zu hören: Hier heißt das Beiern auch „Bammschlagen“, seit 1723/24 wird es in den Archiven der Breniger Pfarrei erwähnt. Im 18. und 19. Jahrhundert, so ist es im Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2026 nachzulesen, verbreitete sich dieses Läuten in vielen Orten des Rheinlands. In Brenig gibt es etwa ein Dutzend Aktive, die das nötige Geschick und Erfahrung mitbringen.
Als „Irrglauben“ bezeichnen Forschende des Landschaftsverbands Rheinland die Annahme, dass es sich beim Osterfeuer um einen heidnischen Brauch handelt. Christliche Feuer sind nach ihren Erkenntnissen seit dem 12. Jahrhundert bekannt; Priester segneten das Feuer und entzündeten die Osterkerze. Erst im 14. Jahrhundert wurden Freudenfeuer angefacht, der Asche wird mancherorts besondere Abwehrkraft nachgesagt.

Osterfeuer brennen an zahlreichen Orten auch im Rhein-Sieg-Kreis, so wie hier in Troisdorf-Eschmar.
Copyright: Archivfoto: Quentin Bröhl
Einige Termine (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Zum ersten Mal veranstaltet am Samstag, 4. April, der Bröltaler Ernteverein ein großes Osterfeuer, schon um 13 Uhr beginnen auf dem Festplatz am Brölbach die Bröltalspiele, um 18 Uhr wird das Feuer entzündet. Auch in Troisdorf-Eschmar wird am Ostersamstag ein Osterfeuer entfacht (17.30 Uhr, Ortsausgang, hinter den Hallen des Bauernhofs Fritzen), um 17 Uhr am Samstag beim MGV Eintracht Eitorf-Halft auf dem Dorfplatz an der Feldergasse.
Am Ostersonntag brennen Feuer nach dem Gottesdienst am Sonntag vor den evangelischen Kirchen unter anderem in Lohmar-Birk und -Honrath, am Samstag in Seelscheid. In Wachtberg-Niederbachem wird es ein Feuer vor dem Gemeindehaus am frühen Sonntagmorgen zum Abschluss der Osternacht geben.

Seit dem 17. Jahrhundert erzählt man den Kindern, dass der Osterhase die Eier bringt. Zuvor hatten der Legende nach Vögel diese Aufgabe.
Copyright: Archivfoto: Andreas Helfer
Das Ende der 40-tägigen Fastenzeit markiert das gemeinsame Essen in den Kirchen im Anschluss an Osternachtgottesdienste; sichtbares Zeichen sind aber auch traditionsreiche Hefegebäcke wie der Osterzopf. Seit dem Mittelalter gehören Zopf und Kranz zum christlichen Fastenbrechen, die runde Form deuten Forschende als Abbild der Sonne und Christus als Licht der Welt. In den drei in sich verschlungenen Teigsträngen des Zopfes erkennen sie die Dreifaltigkeit.
Eier wurden an Ostern in der Kirche gesegnet und bunt eingefärbt, um sie von ungesegneten zu unterscheiden
Eier durften wegen der Fastenzeit bis Ostersonntag nicht gegessen werden; was die Bauern im Mittelalter nicht als „Naturalzins“ an die Landbesitzer ablieferten, wurde gekocht, um sie haltbar zu machen, und an Ostern in der Kirche gesegnet. Um sie von ungesegneten Eiern zu unterscheiden, wurden sie bunt eingefärbt.
Die Vorstellung, dass der Osterhase die Eier verteilt, wird Kindern seit dem 17. Jahrhundert weitergegeben. Bis dahin wurde Vögeln die Aufgabe zugeschrieben, am Gründonnerstag nach Rom zu fliegen, um die Ostereier abzuholen und nach ihrer Rückkehr zu verteilen. Hasen galten aber schon lange als Symbol der Fruchtbarkeit, mit zahlreichem Nachwuchs im Frühling. Die Aufgabe des Eierverteilens haben Hasen und Vögel längst weitergegeben: an Eltern, Vereine und Parteien, die zum Suchen einladen.

