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Hitzeschutz gehört zur PflegeWie Altenheime im Rhein-Sieg-Kreis bei Hitze für Bewohner sorgen

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Eine Pflegekraft hilft einer alten Frau in einem Seniorenheim beim Trinken aus einem Becher

Viel zu trinken muss das Personal viele Bewohnerinnen und Bewohner in den Altenheimen anhalten. 

Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad sind gerade alte Menschen besonders gefährdet. Die Altenheime reagieren.

Wenn draußen die Temperaturen auf über 30 Grad steigen, beginnt in vielen Senioreneinrichtungen ein eingespielter Ablauf. Fenster werden in den frühen Morgenstunden geöffnet, Rollos heruntergelassen, Getränke verteilt und Aufenthaltsräume vorbereitet. Die vergangenen Hitzewellen haben gezeigt, wie wichtig diese Schritte geworden sind.

Siegburger Seniorenzentrum hat seit zehn Jahren feste Anweisungen

Im Seniorenzentrum Siegburg gehören feste Verfahrensanweisungen zum Umgang mit Hitze bereits seit mehr als zehn Jahren zum Alltag. „Die Hitzeschutzkonzepte werden seit Jahren immer wieder ergänzt“, sagt Leiterin Ludmila Becker, die seit mehr als drei Jahrzehnten in der Einrichtung tätig ist.

Seniorenzentrum Am Hohen Ufer in Siegburg

Seniorenzentrum Am Hohen Ufer in Siegburg

An heißen Tagen werden die Gebäude in den frühen Morgenstunden gelüftet, anschließend bleiben Fenster und Gardinen möglichst geschlossen. Im gesamten Haus stehen Trinkstationen mit Wasser bereit. Bewohnerinnen und Bewohner halten sich möglichst im kühleren Foyer oder an schattigen Plätzen im Garten auf. Im Aktivitätenraum verschafft eine Klimaanlage Abkühlung, zusätzlich werden mobile Ventilatoren eingesetzt. Wer unter der Hitze besonders leidet, kann sich in klimatisierten Diensträumen aufhalten.

Bei großer Hitze gibt es leichte Decken

Auch die Pflege wird den hohen Temperaturen angepasst. Dünne Kleidung und leichte Decken gehören ebenso dazu wie kühle Arm- und Fußbäder. Zudem achten die Mitarbeitenden auf Sonnenschutz, Kopfbedeckungen und ausreichend Sonnencreme, wenn Bewohner Zeit im Freien verbringen.

Damit genügend getrunken wird, stehen neben Wasser auch Limonaden, Sirupgetränke und Melonen bereit. „Ältere Menschen nehmen Hitze häufig anders wahr, weil die Zirkulation schlechter funktioniert“, erklärt Becker. Perspektivisch sollen deshalb nach und nach weitere Klimaanlagen in den Fluren fest installiert werden.

Niederkasseler Caritas-Altenheim arbeitet mit Hitzeaktionsplan

Auch im Altenheim Haus Elisabeth des Caritasverbands Rhein-Sieg in Niederkassel spielt der Umgang mit Hitze eine immer größere Rolle. Dank einer Förderung des Bundes hat eine Expertengruppe mit dem Projekt „Klimaanpassung“ Ideen zur Kühlung in den Blick genommen. Schnell Umsetzbares ist in einen „Hitzeaktionsplan“ eingeflossen.

Niederkassel Altenheim Haus Elisabeth Einweihung nach vier Jahren Umbauzeit

Niederkassel Altenheim Haus Elisabeth Einweihung nach vier Jahren Umbauzeit

Kräutertee, Säfte, saftiges Obst und Wasser werden systematisch angeboten, dazu gibt es ab einer Temperatur von 26 Grad eine verstärkte Kontrolle der Trinkprotokolle. Eine Broschüre gibt nicht nur Bewohnerinnen und Bewohnern, sondern auch Angehörigen praktische Tipps für heiße Tage an die Hand.

Größere bauliche Anpassungen stehen noch aus, zunächst gibt es lediglich einen großen klimatisierten Rückzugsraum, in dem Bewohnerinnen und Bewohner sich jederzeit aufhalten, entspannen, klönen können.

Caritas-Vorstand kritisiert fehlende  Finanzierung von Umbaukosten

„Wir brauchen dringend Nachrüstungen an Gebäuden, die unsere Bewohnerinnen und Bewohner besser schützen“, betont Harald Klippel, Vorstand der Caritasverbandes Rhein-Sieg, der in diesem Fall als Vorsitzender der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft Altenhilfe und Pflege im Erzbistum Köln für viele Einrichtungen spricht. „Diese könnten allerdings nicht von den Bewohnerinnen und Bewohnern oder deren Angehörigen gestemmt werden.“ Diese Maßnahmen, so Klippel weiter, „sind in den meisten Fällen nicht vom Investitionskostensatz gedeckt und werden seitens des Gesetzgebers als nicht zwingend erforderlich verstanden und deshalb nicht durch die öffentliche Hand refinanziert.“

Einig sind sich die Einrichtungen darin, dass Hitzeschutz inzwischen ein fester Bestandteil der Pflege geworden ist. Neben angepassten Abläufen investieren viele Träger zunehmend auch in ihre Gebäude. Denn mit Blick auf den Klimawandel rechnen die Verantwortlichen damit, dass längere Hitzeperioden künftig häufiger auftreten werden.