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„Wir fangen um 5 Uhr an“Wie Kommunen in Rhein-Sieg den Winterdienst organisieren

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Ingo Gottschalk, stellvertretender Leiter des Lohmarer Bauhofs, und deren Mitarbeiter Marvin Heul, Christian Rötzel und Achim Gerhards vor den Fahrzeugen des Lohmarer Winterdienstes (v.l.).

Ingo Gottschalk, stellvertretender Leiter des Lohmarer Bauhofs, und deren Mitarbeiter Marvin Heul, Christian Rötzel und Achim Gerhards vor den Fahrzeugen des Lohmarer Winterdienstes (v.l.).

Wann müssen die Mitarbeitenden des Winterdienstes in Rhein-Sieg aufstehen? Und wie kommen sie eigentlich zur Arbeit, wenn noch nicht geräumt ist?

Tief in der Nacht, wenn viele Menschen noch schlafen, machen sich die Mitarbeiter des Winterdienstes auf den Weg, um die Straßen zu streuen. Wir haben in Siegburg, Lohmar und Much nachgefragt, wie viele Tonnen Salz dort einlagern und wie und wo eigentlich gestreut wird.

Winter ist für die Mitarbeiter des Siegburger Baubetriebshofs grundsätzlich vom 1. November bis 31. März. „In dieser Zeit gelten Warnstufen von 1 bis 4 und Bereitschaftspläne für die Woche und das Wochenende“, sagt Adrian Förster, Leiter des Siegburger Baubetriebshofs. Bei Stufe 1 würden nur kritische Stellen in Höhenlagen gestreut, bei Stufe 4 seien alle Fahrzeuge unterwegs.

Baubetriebshof Siegburg hat zwei Lkw, ein Unimog und zwei schmale Traktoren zum Streuen

„Wir versuchen, das am Vorabend zu organisieren – in der Kölner Bucht haben wir ja immer ein bisschen Glück“, sagt Ralf Schwartmanns, der als Abteilungsleiter für Straßenunterhaltung und -reinigung auch für den Winterdienst zuständig ist. Der Baubetriebshof verfüge über zwei Lkw für normale Straßen, einen Unimog für kleinere Straße und zwei schmale Traktoren für Radwege. Manche Wege in den acht Streubezirken würden auch von Hand gestreut.

„Bei Eis geht nur Salz: Dafür transportiert der Streuwagen Steinsalz im Bunker und Flüssigsalz in zwei Tanks an der Seite. Das wird dann nach Bedarf gemischt, bevor es auf der Straße verteilt wird. Flüssigkeit feuchtet das Salz an, damit es nicht wegspritzt und besser taut.“

Adrian Förster, Leiter des Siegburger Baubetriebshof, steht vor dem Salzberg in der Halle.

Adrian Förster, Leiter des Siegburger Baubetriebshof, steht vor dem Salzberg in der Halle.

Lieber sei den Mitarbeitenden aber ein Granulat aus Bimssplit. „Der ist leichter als Wasser und schwimmt weg – bei richtigem Split müssen wir im Nachgang die Kanäle spülen“, sagt Schwartmanns.

Eine Tour durch den Streubezirk dauere etwa zwei Stunden und starte bewusst in aller Früh, um vor dem Berufsverkehr fertig zu sind. „Man kann verlangen, dass um 7.30 Uhr die Straßen frei sind, deswegen fangen wir um 5 Uhr an. Wenn dann aber ein Lkw quersteht, kommen wir da auch nicht vorbei“, fügt er hinzu.

Christian Rötzel muss um 3 Uhr aufstehen, wenn es draußen glatt ist. Das Steuer des Streuwagens ist dann sein Arbeitsplatz.

Christian Rötzel muss um 3 Uhr aufstehen, wenn es draußen glatt ist. Das Steuer des Streuwagens ist dann sein Arbeitsplatz.

Auch in Lohmar wird der Winterdienst durch den städtischen Baubetriebshof organisiert. Bei Schneefall und Eisglätte seien die Mitarbeitenden des Winterdienstes bereits ab 4 Uhr zu ersten Kontrollfahrten unterwegs, sagt Stadtsprecherin Elke Lammerich.

12 Mitarbeitende seien im Winter in wechselnden Schichten mit dem Streudienst befasst: „Durch die festen Frühdienste und die organisierte Rufbereitschaft ist sichergestellt, dass auch bei plötzlichen Wetterumschwüngen schnell reagiert werden kann. Die Mitarbeitenden sind darauf vorbereitet, kurzfristig zum Einsatz zu kommen – umso wichtiger sind Erfahrung, Ortskenntnis und eine vorausschauende Einsatzplanung“, sagt Lammerich.

„Wenn die Kapazitäten es zulassen, kommen auch Anliegerstraßen nach starken Schneefällen und Eisglätte dran.
Elke Lammerich, Stadtsprecherin von Lohmar

Welche Straßen gestreut werden und welche nicht, regelt die Straßenreinigungsverordnung. Zunächst einmal sind es Straßen, auf denen Busse verkehren. Danach folgen Straßen, die außerorts liegen, aber besonders gefährdet und verkehrsreich sind.

Dann kommen Straßen an die Reihe, in denen Schulen und Kindergärten liegen. „Wenn die Kapazitäten es zulassen, kommen auch Anliegerstraßen nach starken Schneefällen und Eisglätte dran. Der Winterdienst betreut im Stadtgebiet aber zahlreiche Straßenkilometer sowie Gehwege, Plätze, Bushaltestellen und öffentliche Einrichtungen“, so Lammerich. Für andere Wege sei der Landesbetrieb Straßen NRW zuständig.

In der Salzhalle des Baubetriebshofs in Much-Markelsbach lagern 400 Tonnen Salz

Das kann zu kuriosen Situationen führen: Wer in Donrath wohnt, wo Karpenbachweg, In der Hühene und Dornheckenweg parallel zueinander liegen, erlebt, dass Dornheckenweg und Karpenbachweg gestreut werden, In der Hühene aber nicht, obwohl dort ein Kindergarten liegt. Der Grund: Der Dornheckenweg ist für die Erreichbarkeit des Aggerdeichs relevant, der Karpenbachweg ist der Rückweg auf die Hauptstraße. Und der Kindergarten In der Hühene befindet sich in kirchlicher Trägerschaft.

In der Salzhalle des Baubetriebshof in Much-Markelsbach lagern etwa 400 Tonnen Salz, dazu 60.000 Liter Flüssigsalz, die in Much und Neunkirchen verteilt werden. „Der Verbrauch ist je nach Intensität des Winters völlig unterschiedlich und nicht kalkulierbar. Wenn der Vorrat zuneige geht, wird nachbestellt, was aber drei bis vier Tage dauern kann“, sagt Reiner Kettwig, Leiter des Baubetriebshofs. Nur müssen auch die Mitarbeiter des Baubetriebshof irgendwie zur Arbeit kommen: „Sie müssen aufmerksam sein und genügend Zeit einplanen, denn Eigenschutz geht immer vor. Die meisten verfügen über Schneeketten, die die Gefahr minimieren können.“

Kettwig erinnert daran, dass die Fahrzeuge des Winterdienstes eine Breite von mindestens 3,50 Metern benötigten. „Leider behindern uns immer wieder geparkte Fahrzeuge. Unsere Fahrer sind grundsätzlich allein auf den Autos, sie müssen dann bei Dunkelheit und schlechter Sicht irgendwie die Situation klären“, beklagt er. „Ebenso schaufeln einige Anwohner den Schnee von Hauseinfahrten oder Gehwegen auf die Fahrbahn, die wir gerade geräumt haben.“ Viele Menschen bedankten sich jedoch durch Anrufe und Mails für die Arbeit des Winterdienstes. „Gerade jetzt bei der Wetterlage der letzten Tage.“