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„Zusätzliche Ressourcen aktivieren“Rhein-Sieg will mit neuer App freiwillige Ersthelfer alarmieren

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Die „KatRetter“-App soll helfen, die Zeit zwischen einem Notfall wie Herzstillstand und dem Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken, indem registrierte freiwillige Helferinnen und Helfer, die sich in der Nähe befinden, zum Einsatzort gerufen werden.

Die „KatRetter“-App soll helfen, die Zeit zwischen einem Notfall wie Herzstillstand und dem Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken, indem registrierte freiwillige Helferinnen und Helfer, die sich in der Nähe befinden, zum Einsatzort gerufen werden.

Mit einer neuen App sollen bei Notfällen freiwillige Ersthelfer alarmiert werden können, um zu helfen, bevor der Rettungdienst eintrifft.

Wenn Hilfe gebraucht wird, zählt jede Sekunde. Erleidet jemand einen Herz-Kreislauf-Stillstand, kann das Gehirn schon nach wenigen Minuten irreversible Schäden davontragen, wenn die Durchblutung nicht gewährleistet ist. Deshalb ist die Wiederbelebung schnell durchzuführen. Allerdings: Selbst wenn der Rettungsdienst gerufen und schnell ist, braucht er meist einige Minuten bis zum Einsatzort. Wenn dann niemand Erste Hilfe leisten kann, kann es kritisch werden.

Um die Zeit zwischen Notfall und dem Eintreffen der Rettungskräfte zu überbrücken, haben der Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bonn jetzt in Kooperation die „KatRetter“-App gestartet. Dort können sich Freiwillige registrieren und werden alarmiert, wenn in ihrer Nähe Hilfe gebraucht wird.

Zeitraum zwischen Notfall und Eintreffen der Rettungskräfte soll überbrückt werden

„Unser Rettungsdienst ist schon gut strukturiert“, sagt Ulrich Heister, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Bonn. „Aber es gibt eben diese Momente, bevor der Rettungsdienst eintrifft, die als therapiefreies Intervall bezeichnet werden. Und dieser Zeitraum soll mit der App überbrückt werden.“ Demnach sei die „KatRetter“-App sinnvoll, um auch noch mehr Menschen zu rekrutieren, die freiwillig helfen wollten.

Die Projektbeteiligten und Vertreter des Rhein-Sieg-Kreises  und der Stadt Bonn: (v.l.n.r.) David Bormann (Feuerwehr und Rettungsdienst Stadt Bonn und Projektteam KatRetter), Dr. Ulrich Heister (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Stadt Bonn), Jochen Stein (Amtsleiter Feuerwehr und Rettungsdienst Bonn), Michael Rudersdorf (Dezernent für Bevölkerungsschutz im Rhein-Sieg-Kreis), Guido Déus (Bonner Oberbürgermeister), Landrat Sebastian Schuster, Daniel Schneider (Amt für Bevölkerungsschutz im Rhein-Sieg-Kreis und Projektteam "KatRetter"), Christian Diepenseifen (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Rhein-Sieg-Kreis).

Die Projektbeteiligten und Vertreter des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn: (v.l.n.r.) David Bormann (Feuerwehr und Rettungsdienst Stadt Bonn und Projektteam KatRetter), Dr. Ulrich Heister (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Stadt Bonn), Jochen Stein (Amtsleiter Feuerwehr und Rettungsdienst Bonn), Michael Rudersdorf (Dezernent für Bevölkerungsschutz im Rhein-Sieg-Kreis), Guido Déus (Bonner Oberbürgermeister), Landrat Sebastian Schuster, Daniel Schneider (Amt für Bevölkerungsschutz im Rhein-Sieg-Kreis und Projektteam "KatRetter"), Christian Diepenseifen (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Rhein-Sieg-Kreis).

Rund 550 Reanimationsfälle gibt es laut Heister im Verbundgebiet der Rettungsdienste aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis im Jahr. Schon jetzt liege die Quote der Laienhelfer bei 55 bis 60 Prozent, aber das solle möglichst noch gesteigert werden. Gerade im ländlichen Raum, wo Rettungsdienste meist längere Wege zu den Einsatzorten hätten, könne die Hilfe durch Freiwillige besonders hilfreich sein, betont Christian Diepenseifen, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Rhein-Sieg-Kreis.

„Wir haben uns für diese Kooperation entschieden, weil wir schon bei den Rettungsdiensten zusammenarbeiten“, sagt Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster. Im Gesamtgebiet Bonn und Rhein-Sieg sei man verantwortlich für rund eine Million Menschen. Es sei gut, das Ehrenamt einzubinden, ergänzt der Bonner Oberbürgermeister Guido Déus. „Es kann wie eine Kleinigkeit wirken, aber im Ernstfall können die Ersthelfer durch die App Leben retten.“

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Daniel Schneider vom Amt für Bevölkerungsschutz des Rhein-Sieg-Kreises und Mitglied im Projektteam „KatRetter“ erklärt, wie das System funktioniert: „Wir haben schon ein gemeinsames Einsatzleitstellen-Verbundsystem für den Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bonn. Neu ist mit der App, dass die Leitstelle noch eine zusätzliche Ressource hat, die aktiviert werden kann.“ 

In der Leitstelle des Rhein-Sieg-Kreises werden Rettungseinsätze koordiniert.

In der Leitstelle des Rhein-Sieg-Kreises werden Rettungseinsätze koordiniert. Von hier gehen auch die Alarmierungen über KatRetter aus.

Gebe es einen möglichen Fall von Herz-Kreislauf-Stillstand, werden außer dem Rettungsdienst auch freiwillige Helferinnen und Helfer, die sich in der Nähe des Einsatzortes befinden, über die App alarmiert. „Es werden immer die drei Personen alarmiert, die sich am nächsten dran befinden“, erklärt Daniel Schneider. „Dann beginnt ein Countdown von 30 Sekunden, in denen der Einsatz angenommen werden kann oder nicht. Wird ein Einsatz nicht angenommen, geht die nächste Alarmierungswelle durch das System los.“

So sollten nach Möglichkeit immer drei Freiwillige alarmiert werden. „Der einfache Grund: Dann ist man als Helfer nicht allein, zum Beispiel, wenn man noch nicht so erfahren ist. Und: Sollten wirklich Reanimationsmaßnahmen nötig sein, können sich die ‚KatRetter‘-Helfer abwechseln, denn Wiederbelebung ist körperlich sehr anstrengend“, erläutert Daniel Schneider. Auch andere Erste Hilfe wie Betreuung und Beobachtung oder die stabile Seitenlage könnten nötig sein. 

Freiwilliege müssen einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben

Für die Registrierung in der App muss man einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben. Und sich zutrauen, eine Wiederbelebung eigenverantwortlich durchzuführen. Von Vorteil sind berufliche Tätigkeiten in der Gesundheits- und Krankenpflege, im ärztlichen Dienst, bei Hilfsorganisationen, im Rettungsdienst, bei der Feuerwehr oder auch im Katastrophen- und Zivilschutz, aber sie sind keine Voraussetzung.

Nicht nur Menschen aus dem Rhein-Sieg-Kreis können sich als Freiwillige registrieren, sondern auch Bewohnerinnen und Bewohner aus umliegenden Kreisen. „So würde Beispielsweise auch ein Freiwilliger aus Oberberg, der in ‚KatRetter‘ registriert ist, alarmiert, wenn er sich gerade auf dem Siegburger Markt befindet und dort ein Notfall gemeldet wird“, sagt Schneider.

Die App sei bereits live geschaltet, und das Projektteam habe am Donnerstagmorgen schon mehr als 700 Registrierungen im System vermerkt. „Darüber freuen wir uns sehr“, sagt Daniel Schneider. Nach dem Einsatz gebe es eine Nachsorge für die Freiwilligen. Sie würden in der App gebeten, einen Fragebogen auszufüllen, in dem erfasst werde, welche Art von Erster Hilfe nötig gewesen sei, in welchem Zustand der Patient oder die Patientin ins Krankenhaus gekommen sei. Es werde im Monitoring auch erfasst, ob die Einsatzkräfte bei den Freiwilligen noch einmal nachhören müssten, wie es ihnen gehe. Schneider: „Zum Beispiel, wenn es belastende Situationen gegeben haben könnte.“