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Prozess gegen Energydrink-Firma
Fußballspieler Anthony Modeste als ahnungslose Werbefigur

Anthony Modeste bei Prozess am Landgericht Bonn.

Anthony Modeste verlangt von einem Energydrink-Hersteller aus Sankt Augustin 350.000 Euro.

Ex-FC-Stürmer Anthony Modeste hat eine Energydrink-Firma aus Sankt Augustin verklagt. Beim Prozess am Bonner Landgericht lieferten sich die Anwälte verbale Gefechte.

Bei seinem ersten Prozesstermin vor dem Bonner Landgericht im Frühsommer sorgte Fußballspieler Anthony Modeste für Aufsehen, einige Justizbeschäftigte baten um Autogramme. Als der derzeitige BVB-Spieler am Freitag ins Gericht kam, ging es ruhiger zu. Er hat vor der 1. Zivilkammer einen Getränkehersteller aus Sankt Augustin verklagt, von dem er 350.000 Euro verlangt: Der Unternehmer (65) soll den Profisportler über den Tisch gezogen haben.

Modeste hatte mit der inzwischen insolventen Firma im Dezember 2017 einen Vertrag über das Alleinvertriebsrecht in Frankreich für einen Energie-Drink abgeschlossen und dafür 250.000 Euro an Lizenzgebühr und 100.000 Euro für die erste Charge gezahlt. Als die Ware ausblieb, kündigte Modeste den Kontrakt zum 31. Dezember 2019; danach reichte er Klage gegen den Inhaber ein.

Ex-FC-Stürmer Modeste hatte Vertragspapiere gar nicht gelesen

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Der hat 13 Vorstrafen und darf keine Geschäfte mehr führen, wie in einem Verfahren vor einer Strafkammer des Landgerichts bekannt wurde, vor der der 65-Jährige wegen Insolvenzverschleppung verurteilt wurde.

Am Freitag ging es um die Frage, welche Zusagen Modeste gemacht worden waren. Der Vertrag sei auf „Vertrauensbasis“ abgefasst worden, sagte ein Zeuge, der erst als Berater und dann als Angestellter des Getränkeherstellers gearbeitet hatte. Mittlerweile ist er ausgestiegen. Modeste sei mit den Vertragsklauseln nicht vertraut gewesen.

Tatsächlich hatte der Kicker am ersten Verhandlungstag zugegeben, er habe das Papier gar nicht gelesen, hatte allerdings seinen falsch geschriebenen Vornamen handschriftlich korrigiert. Der Zeuge berichtete, das Unternehmen habe dem Fußballer erklärt, er brauche sich um den Vertrieb nicht zu kümmern: „Das übernehmen wir.“ Modeste sei „Werbefigur und Geldgeber“ gewesen.

Verbale Gefechte zwischen Zeugen und Angeklagten am Landgericht

Die Sankt Augustiner hatten mit dem Drink offenbar Großes vor; in einem Businessplan sei von 80 bis 90 Millionen verkauften Dosen mit einem Gewinn von 20 Cent pro Stück die Rede gewesen, so der Ex-Mitarbeiter. Ihm sei erst spät aufgegangen, dass gar kein Vertriebsnetz in Frankreich geplant gewesen sei.

Er und sein früherer Chef, einst Freunde, sind sich heute nicht mehr grün. Beim Verlassen des Saals rief er dem Beklagten zu: „Schäm dich!“, worauf ihm „Du Terrorist“ hinterhergebrüllt wurde.

„Muss noch arbeiten“: Anthony Modeste verlässt Prozess vorzeitig

Auch die Anwälte lieferten sich verbale Gefechte. Als Friedhelm Keck, Vertreter des Beklagten, Zeugen fragte, ob sie für ihre Aussagen Geld von der Klägerseite erhalten hätten, konterte Modeste-Anwalt Rainer Dietz, die Frage sei unzulässig, und kündigte Strafanzeige an.

Der Chef einer Nachfolgefirma versicherte zur Überraschung des Gerichts, in seinem Beisein seien einem früheren Geschäftspartner 20.000 Euro angeboten worden, wenn er zulasten des Beklagten falsch aussage. Richter Stefan Bellin: „Ist das sicher?“ Der Zeuge: „Ich weiß, was ich gehört habe.“ Bellin verhehlte nicht seine Zweifel.

Das alles hörte Modeste nicht mehr. Er war um 11.45 Uhr gegangen: „Ich muss noch arbeiten.“

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