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Girls' dayBei Bundespolizei und Feuerwehr im Rhein-Sieg-Kreis probierten Mädchen „Männerberufe“

4 min
Die Schülerinnen durften sich die schusssicheren Westen und Helme mit Nachtsichtgeräten aufsetzen.

Die Schülerinnen durften sich die schusssicheren Westen und Helme mit Nachtsichtgeräten aufsetzen.

Hubschrauber, Wasserwerfer, Abseilen, Lautsprecheransagen - in mehreren Gruppen liefen die Mädchen durch verschiedene Stationen.

„Das ist schon überwältigend.“ Die zwölf Jahre alte Emilia hatte sich auf den Pilotensitz des EC 155 gesetzt, einen der Einsatzhubschrauber, der nicht nur die Grenzen kontrolliert, sondern auch Sonderkommandos zu ihren Einsatzorten fliegt. Bei der Schätzung zur Höchstgeschwindigkeit lagen die Schülerinnen aus der Umgebung, die sich für den Girls' day bei der Bundespolizei beworben hatten, allerdings deutlich daneben.

Die Mädchen durften sich im Cockpit selbst fotografieren

Die mehr als 100 Stundenkilometer waren zwar nicht ganz falsch, Tempo 500 war aber denn doch zu viel. 300 Sachen, so erfuhren die verschiedenen Gruppen, schafft die Maschine, die immerhin vier bis fünf Tonnen auf die Waage bringt. Die Mädchen durften sich überall hinsetzen und fotografieren, nur der Arbeitsplatz hinten im Laderaum war tabu für die jungen Fotografinnen - zu viel sensible Technik. 

Mit dem Joystick konnte Emilia den Wasserstrahl des Wasserwerfers steuern, um Ziele zu treffen.

Mit dem Joystick konnte Emilia den Wasserstrahl des Wasserwerfers steuern, um Ziele zu treffen.

Ansonsten zeigte sich die Bundespolizeiabteilung offen. Begehrt war der Wasserwerfer 10, der 10.000 Liter im Tank hat.  Nicht nur gucken, sondern richtig Wasser abschießen war angesagt. Mit einem Joystick wie bei einem Computerspiel visierten sie die Ziele, Pylone und Wasserkanister, an, bevor sie Stoß um Stoß abgaben. Emilia erwies sich dabei als überraschend treffsicher. Sie überlegt schon, sich bei der Bundespolizei zu bewerben.

Neben dem Großfahrzeug war ein Schlauch ausgerollt. Auf einer schiefen Ebene sollte ein Ball mit Wasser nach oben in ein Loch bugsiert werden. Was sich so einfach anhört, ließ sich aber gar nicht so einfach bewerkstelligen. Da war der „LautKW“, also der Kraftwagen mit zahlreichen Lautsprechern für Durchsagen, etwa der Ansprache von Demonstranten oder Fußballfans, in der Bedienung simpler.

Der Lautsprecherwagen kann nicht nur Ansagen, sondern auch Disco

Allerdings zeigte sich, dass es schon Überwindung kostet, in das Mikrofon zu sprechen und dabei die anderen anzuschauen, im Ernstfall wäre es das sogenannte polizeiliche Gegenüber. Übrigens wird das Gefährt nicht nur aufgefahren, um Menschen anzusprechen, die vielleicht nicht so begeistert sind von polizeilichen Maßnahmen. Oft genug ist es deeskalierend eingesetzt worden, mit Musik zum Beispiel. Denn wer hüpft, beginnt wohl nicht so schnell, sich zu prügeln.

Aus dem Gebäude der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) konnten die Mädchen handfest etwas mitnehmen. Die durchtrainierten Mitglieder der „BFE+“ zeigten einfache Selbstverteidigungstechniken, die zu ihrem Alltag gehören. „Griff sprengen“ war eine der Übungen. Dabei geht der eigene Unterarm mit Kraft gegen das Handgelenk des Angreifers, der dann fast immer loslassen muss. Drehungen, schnelle Ab- und Seitwärtsbewegungen - die Schülerinnen probierten es selbst aus und waren überrascht, dass es wirklich funktioniert.

Im Treppenhaus der Technischen Hundertschaft war abseilen angesagt.

Im Treppenhaus der Technischen Hundertschaft war abseilen angesagt.

In einem Nachbar-Kellerraum setzte sich die 14 Jahre alte Charlotte den Helm mit Nachtsichtgerät auf, um einen Parcours in Dunkelheit zu durchlaufen und Frauen zu entdecken, die  möglicherweise bewaffnet sind. „Das ist schon komisch. Ich konnte meine Beine nicht sehen, und das räumliche Denken war weg“, meinte sie anschließend.

Sie hatte auch den Test mit der kompletten Einsatzkleidung der BFE+-Kräfte absolviert. Allein die schutzsichere Weste, die auch Kugeln aus einem Sturmgewehr standhält, mit Ausstattungsgegenständen wiegt fast 15 Kilo, der Helm mit dem Nachtsichtgerät noch einmal gut zwei Kilo. Und manche von den Einsatzkräften müssen auch noch die 25 Kilogramm schwere Ramme tragen, um Türen aufzubrechen.„ Das ist richtig schwer“, erklärte Charlotte,„ aber für einen Moment geht es.“

Das ist richtig schwer, aber für einen Moment geht es.
Charlotte, 14 Jahre

Bei den Spezialkräften sind Frauen aber bislang eher die Ausnahme. Das Ziel des „Girls' day“, Männerberufe zu zeigen und auszuprobieren, greift hier wirklich. Welche Leistungen erwartet werden, konnten die Teilnehmerinnen auf dem Sportplatz beobachten. Im durchaus schweren Kampfanzug mit Stiefeln drehten Trainierende Runde um Runde auf dem Sportplatz, um jeweils nach 400 Metern über den GSG 9-Trainingsparcours zu gehen, hangeln, Aufschwünge, Hindernisse überklettern inklusive.

Bei der Technischen Hundertschaft war durchaus Spaß angesagt. Durch den Schacht des Treppenhauses konnten sich die Mädchen abseilen. „Das war echt cool“, meinte die 15 Jahre alte Jule, die die Seilbremse bediente, als täte sie sonst auch nichts anderes. Mitmachen war angesagt , und das taten sie alle.

Bei der Troisdorfer Feuerwehr mussten die Mädchen einen aus einer Notlage geretteten Patienten über einen Parcours tragen.

Bei der Troisdorfer Feuerwehr mussten die Mädchen einen aus einer Notlage geretteten Patienten über einen Parcours tragen.

Auch bei der Feuerwehr in Troisdorf waren 16 „Girls“ und zwei „Boys“ dabei. Die Wehrleute hatten einen herausfordernden Tag organisiert, von der Theorie über die Berufsbilder bis hin zu konkreter Erster Hilfe. Dazwischen konnten sie Drehleiter fahren, einen Patienten aus Notlage retten und über Hindernisse tragen, Fettexplosionen beobachten und kleine Feuer löschen. Natürlich gehörte ein Rundgang durch die Wache dazu, den Brandoberinspektorin Stefanie Stein mit ihnen machte – klar gehörte eine Frau als Verantwortliche mit dazu.