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Nachfolger von Bäckerei ProfittlichSankt Augustin bekommt ein neues Café in Niederpleis

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Visualisierung des früheren Gebäudes der Bäckerei Profittlich nach dem Umbau.

Visualisierung des früheren Gebäudes der Bäckerei Profittlich nach dem Umbau.

Die Bäckereifiliale von Lohners in Niederpleis soll Ende 2026 eröffnet werden.

Es tut sich etwas in der ehemaligen Bäckerei Profittlich an der Hauptstraße 47 in Niederpleis. Ende 2026 sollen die Umbauarbeiten am „Pleeser Eck“ abgeschlossen sein. Dann eröffnet dort eine Filiale der Bäckereikette Lohner mit einem neuen Konzept. „Uns war wichtig, dieses Traditionsgebäude zu erhalten und ihm neues Leben zu geben“, sagt Geschäftsführer Kevin Linnenbrügger von der Firma Scalable, die das Projekt entwickelt.

„Die später entstandenen Anbauten des Gebäudes haben wir bewusst zurückgebaut. An ihrer Stelle entsteht eine offene Glasarchitektur, die Altbau und moderne Gestaltung miteinander verbindet. So trifft die Geschichte von 1902 auf ein neues Kapitel im Jahr 2026.“ Im Café sind insgesamt 41 Sitzplätze vorgesehen, die durch weitere bis zu 24 Sitzplätze draußen ergänzt werden.

Immer mehr Bäckereien schließen, und große Filialketten übernehmen die Standorte

Bäckermeister Stephan Profittlich hat „keine Probleme damit“, wie er es im Gespräch mit der Redaktion formuliert. Immer mehr Bäckereien würden geschlossen, der Trend gehe zu großen Betrieben mit Filialen. Das habe er auch beim Verkauf des Inventares bemerkt. „Mein großer Backofen, den ich 2015 für 80.000 Euro eingebaut habe, hat nur noch 5000 Euro gebracht“, berichtet er.  Für die anderen 20 Maschinen, die in der Anschaffung deutlich über 60.000 Euro gekostet hätten, seien noch 10.000 Euro auf dem Gebrauchtmarkt erzielt worden.  

Bäckermeister Stephan Profittlich am großen Ofen, den er 2015 für 80.000 Euro neu eingebaut und jetzt für 5000 Euro verkauft hat. Neben ihm Saeko Haratake, die bei ihm in die Lehre ging.

Bäckermeister Stephan Profittlich am großen Ofen, den er 2015 für 80.000 Euro neu eingebaut und jetzt für 5000 Euro verkauft hat. Neben ihm die Japanerin Saeko Haratake, die bei ihm in die Lehre ging.

Profittlich hatte das Geschäft in Niederpleis 1975 von seinem Vater übernommen. 1973 legte er im Alter von 20 Jahren seine Meisterprüfung ab – als Prüfungsbester. „Ich war damals der jüngste Bäckermeister in Deutschland.“ Im Oktober vorigen Jahres schloss der 72-Jährige seinen Betrieb. Bekannt war er in der gesamten Region. Mit Saeko Haratake machte sogar eine Japanerin ihre Ausbildung bei ihm. Sie ging wieder zurück in ihre Heimatstadt Fukuoka, eröffnete eine eigene Bäckerei. Knuspriges Brot nach deutschen Rezepten liegt dort in den Regalen.

Mit dem neuen Konzept soll am alten Standort eine moderne Bäckerei mit einem Café entstehen, die wieder zu einem Treffpunkt im Ort werden soll – beim Brötchenholen am Morgen, auf einen Kaffee am Nachmittag oder am Wochenende mit der Familie, wie es Lohner beschreibt. Es sei die Kombination aus hochwertiger Bäckerei-Gastronomie, modernem Ladenbau und dem Charme eines „Wohnzimmers“ für die Nachbarschaft.

Stephan Profittlich führte die Bäckerei in Sankt Augustin-Niederpleis ein halbes Jahrhundert lang

Die Profittlichs kennen sich seit Generationen mit dem Bäcker- und Konditorhandwerk aus. Im Jahr 1892 wurde in Rhöndorf das erste Geschäft unter diesem Namen gegründet. Nur ein Sohn konnte jeweils in der Linie den elterlichen Betrieb übernehmen. So wurde 1956 das Geschäft an der Hauptstraße in Niederpleis von Stephan Profittlich als weiterem Sohn gegründet. 1971 wurde die Backstube erweitert, weil die Nachfrage so groß war. Im September 1975 übernahm Stephan Profittlich als Meister von seinem namensgleichen Vater die Verantwortung für den Betrieb, den er dann 50 Jahre lang führte.

Viel hat sich seitdem in Niederpleis geändert. Das Gebäude der Bäckerei Profittlich um das Jahr 1930.

Viel hat sich seitdem in Niederpleis an der Hauptstraße geändert. Das Gebäude der Bäckerei Profittlich um das Jahr 1930.

Hinter der Marke „Die Lohners“ steht die Achim Lohner GmbH & Co KG, die ihrerseits der Achim und Ellen Lohner Unternehmensstiftung gehört. Aktuell beschäftigt die Firma rund 2200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreibt rund 185 Filialen, von Lohner Fachgeschäfte genannt. „Im Pleeser Eck entsteht keine Aufbackstation, sondern eine traditionelle Bäckerei. Denn wir arbeiten genauso wie kleine Bäckereien - nur eben mit mehr Bäckern, größeren Öfen und mehr Fachgeschäften“, erläutert Bernd Kütscher, Vorsitzender der Geschäftsführung von Lohner, auf Nachfrage der Redaktion.

Die Brötchen sowie ausgewählte Süßgebäcke kommen als gekühlte Teige jeden Morgen in die Fachgeschäfte
Bernd Kütscher, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Lohner

Die Backwaren würden jede Nacht in der Backstube von Lohners in Polch bei Koblenz frisch hergestellt, nach traditionellen Rezepturen. „Alle unsere Brotsorten werden mit eigenem Natursauerteig gebacken. Die Brötchen sowie ausgewählte Süßgebäcke kommen als gekühlte Teige jeden Morgen in die Fachgeschäfte.“ In Niederpleis würden diese dann über den Tag verteilt frisch die Kunden gebacken. Dort wird ein Team aus acht Personen arbeiten.