Galerie Radicke zeigt Arbeiten von Egbert Verbeek und Julius Heims.
KunstausstellungGalerie Radicke in Sankt Augustin zeigt Schabernack und Subtiles

Wie ein Altarbild ist das Werk von Egbert Verbeek aufzuklappen.
Copyright: Markus Peters
Große Klappe, viel dahinter – das wäre wohl ein etwas despektierlicher Kommentar zu den Arbeiten von Egbert Verbeek, die derzeit in der Galerie Radicke zu sehen sind. Denn ein Teil der dort gezeigten Arbeiten sind als dreiteilige Bilder zum Ausklappen angelegt, ähnlich einem klassischen Altarbild. Und (behutsam) geklappt werden soll durchaus, wobei sich Verbeek schnell als Freund des Subtilen erweist. Ein vermeintlich beiläufiges Accessoire, ein kleines Detail im gesamten Arrangement, und schon bekommt das gesamte Bild einen völlig neuen Dreh.
Der Künstler, dem offenbar ein Schabernack nicht fremd ist, arbeitet in seinen Bildern strukturiert und klar, mit beeindruckender Präzision. Das gilt auch für seine zahlreichen Skulpturen, die auch hier mit gut gesetzten Pointen überzeugend. Und doch wird genau diese Präzision dafür verwendet, wohldosiert zu verfremden, die Wahrnehmung zu foppen und die Betrachtenden mit großer Eleganz ins Irre zu führen.

Werke von Egbert Verbeek
Copyright: Markus Peters
Raumgreifend sind die Arbeiten von Julius Heims. Das wellt und kräuselt sich das Material und ragt weit in den Raum der Galerie hinein, so dass sich die Betrachtenden an der Kunst vorbeimogeln müssen. Heims kommt vom Graffiti, das merkt man bis heute, ungestüm und voller Dynamik. Immer wieder arbeitet er mit Spiegelflächen, die die Zuschauer mit sich selbst konfrontieren. Darüber hinaus verwendet er vor allem Acryl, Sprühfarbe und Pastellkreide auf Leinwand – oder, wenn es passt, auf alten Plakatpapier, mehrfach mit Leim durchdrungen.

„Nicht mehr oder weniger“ hat Egbert Verbeek diese Plastik betitelt.
Copyright: Markus Peters
Soll doch die Galeristin sehen, wie sie das Konstrukt in ihren Räumen halbwegs anständig an der Wand fixiert bekommt. Diese Collagetechnik, gerne kombiniert mit Farbe und Blattgold, sind zu einem Markenzeichen geworden.

Werke von Julius Heims
Copyright: Markus Peters
Zwischen Egbert Verbeek und Julius Heims, beides Künstler aus der Region, liegen 46 Lebensjahre, sie eint ein unkonventionelles, nahezu unverschämt-anarchistischer Konzept von Kunst, das bestens zusammen funktioniert. Und während man noch staunt, wie viel kreative Energie Jutta Radicke wieder einmal in ihre Souterrain-Galerie gepackt hat, ist man doch unsicher, ob man wirklich jede Anspielung mitbekommen hat.
Die Ausstellung von Egbert Verbeek und Julius Heims wird bis zum 31. Oktober gezeigt. Galerie Radicke, Eisenachstraße 33, Sankt Augustin. Öffnungszeiten nach Vereinbarung, dienstags open house von 16.00 bis 22.00 Uhr.