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Kartoffel-Ernte in SwisttalFritten aus Rhein-Sieg werden kleiner

Dürre und Hitze im Sommer 2026 haben Auswirkungen auf die Kartoffel-Ernte. Nur mit großem Aufwand konnte der Hitzesommer ausgeglichen werden.

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Langsam zieht die besondere Erntemaschine ihre Bahnen auf dem Acker. Das Laub der Kartoffeln ist abgestorben. Wenige Tage vor Beginn der Herbstferien – (die früher sogar einmal Kartoffel-Ferien hießen) – ist die Ernte der sogenannten Industrie-Kartoffeln bei Landwirt Paul Freiherr von Boeselager auf Gut Vershoven in Swisttal fast abgeschlossen.

„Das wechselhafte Wetter hat in den vergangenen Tagen immer wieder für Unterbrechungen bei der Ernte gesorgt“, erklärt Betriebsleiter Moritz Behne (26). Seit gut drei Jahren zählt er zum Team. Freiherr von Boeselager hat mehrere hundert Hektar im Anbau – Getreide, Zuckerrüben aber auch Industriegemüse und Industrie-Kartoffeln. „Industrie-Kartoffeln sind im Gegensatz zu Speisekartoffeln vor allen Dingen dicker und länglicher“, beschreibt Behne einen der Unterschiede. Sie haben aber auch einen höheren Stärke- und Trockenmassegehalt und sind vor allen Dingen in der Pommes-Frites-Industrie gefragt.

Für einen Augenblick bleibt nun auch Behne am Ackerrand stehen und schaut zu, wie sich die Schaufeln der gewaltigen Erntemaschine tief in die Dämme graben und dann das Kraut mitsamt den Feldfrüchten und der Erde an die Oberfläche befördern. Die lockere braune Erde spuckt das Gerät seitlich direkt wieder aus – die wertvollen Kartoffeln aus dem Erdreich bleiben an Bord – „rumpeln“ – zunächst noch über spezielle Förderbänder auf der Erntemaschine, bevor sie anschließend im „Bauch“ des Fahrgeräts – im sogenannten Bunker verschwinden.

Weniger Ertrag als in den Vorjahren

Für Industrie-Kartoffeln gilt: Je dicker, je besser. Denn nur mit dicken Kartoffeln lassen sich schließlich auch lange Pommes frites produzieren. Vorgegeben ist deswegen ein Mindestdurchmesser von etwa 45 Millimetern. „Und dank unserer Bewässerung konnten wir im Großen und Ganzen die vorgegebenen Größen und die Qualität der Kartoffeln auch in diesem Jahr sichern – allerdings mit deutlich weniger Ertrag“, erklärt der Betriebsleiter.

Noch läuft die Ernte. Gleichwohl schätzt er mit etwa einem Viertel weniger Ertrag als in den Vorjahren. Zu den Mehrkosten bei der Produktion der Kartoffeln aufgrund der hohen Kosten für Energie, Lohn, zusätzliche Arbeitszeit, Düngemittel und Treibstoff möchte er noch keine Schätzung nennen.

Wohl aber zeichne sich auch ab: „Die Fritten werden im kommenden Jahr wohl kleiner als üblich“, sagt er. Das perfekte „Kartoffelwetter“ mit Regen und kühleren Temperaturen sei bei ihnen in Swisttal einfach zu spät für die Kartoffeln gekommen. „Aber im Großen und Ganzen können wir trotzdem mit den Kartoffeln zufrieden sein“, ergänzt Behne.

Der Sommer 2026 war eine Herausforderung

Behne liebt seinen Beruf auch wegen der Abwechslung: „In der Landwirtschaft ist ja kein Jahr wie das andere“, erklärt er. Ein zweites Mal wolle er einen Sommer wie den von 2026 ohnehin nicht noch einmal erleben müssen. „Für die Landwirtschaft war der Sommer schon eine besondere Herausforderung“, erklärt er. Die Hitze und die Trockenheit über die zuvor noch nie in diesem Ausmaß dagewesenen Perioden hätten auch den Kartoffeln ordentlich zugesetzt.

In gewaltigen, mit moderner Lüftungs- und Kühltechnik ausstaffierten Halle werden die Kartoffeln – bis zu 4500 Tonnen – bei sieben Grad Celsius auf Gut Vershoven gelagert. „Wir liefern auf Abruf“, erklärt Behne. Abnehmer seien die Pommes-frites-Produzenten in den Niederlanden, Belgien aber auch in Deutschland. Der Vorrat müsse bis Sommer 2027 reichen – bis zur Ernte der frühen Kartoffeln im nächsten Jahr.

„Mit extremen Wetterverhältnissen müssen wir uns wohl künftig noch viel mehr beschäftigen“, merkt der Betriebsleiter mit Blick auf die kommenden Jahre an. Das bleibe sicherlich eine dauerhafte Herausforderung, die aber zu bewältigen sei – die auch bewältigt werden könne. „Erstmals haben wir in diesem Jahr hier in Swisttal sogar Soja angebaut“, berichtet er. Und: „Es hat geklappt – mit unserer ersten Soja-Ernte sind wir richtig zufrieden.“

Die Dürre und Hitze im Sommer 2026 haben einer neuen Analyse zufolge deutliche Auswirkungen auf die Kartoffelernte in Nordwesteuropa. Eine Auswertung von Branchendaten durch die „Energy and Climate Intelligence Unit“ (ECIU) ergab, dass in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden gegenüber dem jeweiligen Fünfjahresmittel insgesamt rund 3,11 Millionen Tonnen Kartoffeln fehlen könnten. (mkl)